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Corona im Rhein-Sieg-Kreis: Mutante breitet sich aus

Lage ist „besorgniserregend“ : Corona-Mutante breitet sich im Rhein-Sieg-Kreis aus

Beim Rhein-Sieg-Kreis gehen viele Anträge auf Vorzugsbehandlung ein, die juristisch geprüft werden. Die Corona-Mutante B.1.1.7. breitet sich unterdessen immer weiter aus.

„Besorgniserregend“ ist für Landrat Sebastian Schuster vor allem die Ausbreitung der Variante B.1.1.7. Die in England entdeckte Mutante des Coronavirus breitet sich immer weiter aus. Wie ansteckend sie ist, zeigte der erste Fall im Rhein-Sieg-Kreis. Die Seniorin, die Anfang Februar aus einem Seniorenheim im Cura-Krankenhaus in Bad Honnef aufgenommen worden war, ist offensichtlich die Quelle einer Reihe von Ausbrüchen im ganzen Rhein-Sieg-Kreis. 58 Mal ist B.1.1.7 bereits nachgewiesen worden, 33 Fälle gibt es in Alten- und Pflegeheimen, und genau diese 33 stehen „in räumlichem Zusammenhang zu der Dame aus der Bad Honnefer Klinik“, sagte Ralf Thomas, Leiter der Covid-Fachstelle, am Dienstag bei der telefonischen Pressekonferenz des Kreises.

Die Varianten B.1.351 aus Südafrika und P.1 aus Brasilien seien bisher nicht nachgewiesen worden. Der Landrat begrüßte ausdrücklich, dass jetzt auch die Stadt Bonn begonnen habe, die positiven Coronafälle intensiver nach Varianten zu untersuchen. Es bleibe jetzt abzuwarten, wie es mit der Wirksamkeit des Covid-19-Impfstoffes von Astrazeneca bestellt sei. Der Rhein-Sieg-Kreis hat immerhin schon rund 2300 Dosen dieses Impfstoffes verimpft und bekommt weitere 4100, die allesamt als Sonderkontingente für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Rettungsdiensten, Polizei und Feuerwehr bestimmt sind. Die derzeit im Impfzentrum Sankt Augustin geimpften über 80-Jährigen erhalten weiterhin den Impfstoff von Biontech, so Ingo Freier, Chef des Amtes für Bevölkerungsschutz beim Kreis.

Erneut Überkapazitäten an Impfstoff

Überkapazitäten an Impfstoff hat es erneut gegeben: Am Rosenmontag waren fünf Personen nicht zu ihren Terminen erschienen, am Sonntag gab es 19, am Samstag eine Impfdosis, die Freier zufolge nach der Prioritätenliste verimpft worden seien – vornehmlich an Ärzte und Mitarbeiter im Impfzentrum.

Denkt der Kreis auch darüber nach, ähnlich wie etwa Köln eine unabhängige Ethikkommission einzuberufen, die über die Verimpfung von Überkapazitäten beziehungsweise über Sonderfälle entscheidet? Es gibt ja beispielsweise Schwererkrankte oder Menschen mit schwerer Behinderung, die eine höhere Priorisierung einfordern und eine frühere Impfung beantragen.

Dazu bestehe grundsätzlich kein Anlass, sagte Kreissprecherin Rita Lorenz auf Anfrage. Die Corona-Impfverordnung des Bundes in der aktuellen Fassung vom 8. Februar räume nämlich, anders als die Vorgängerversion, kein Ermessen mehr bei der Zuteilung von Impfdosen außerhalb der Standard-Reihenfolge ein. Lorenz: „Sollte es die Erlasslage jedoch ermöglichen, würden strittige Fälle in einem Expertengremium nochmal diskutiert werden. Auch hierzu hat der Rhein-Sieg-Kreis bereits Überlegungen angestellt, um ein solches professionsübergreifendes Gremium zu besetzen.“

Es gebe zurzeit letztlich nur wenige Ausnahmefälle, in denen eine Einzelfallbetrachtung geboten sei. „Gleichwohl gehen hier viele Anträge auf Priorisierung ein. Wir haben hierzu innerhalb des Gesundheitsamts folgenden Ablauf geschaffen: Alle Anträge werden zunächst juristisch vorgeprüft, ob überhaupt ein Entscheidungsspielraum besteht. Besteht ein solcher nicht, ergeht ein ablehnender Bescheid“, so die Sprecherin. Sofern ein aus rechtlicher Sicht atypischer Sachverhalt vorliege, erfolge eine Beurteilung durch Mediziner des Gesundheitsamtes. „Sofern diese eine Rechtfertigung für eine Sonderbehandlung sehen, werden die Daten zur Erreichbarkeit an Amt 38 weitergeleitet. Von dort erfolgt eine Einladung zur bevorzugten Impfung. Sieht der Mediziner keinen Anlass zu einer bevorzugten Impfung, ergeht ebenfalls ein ablehnender Bescheid.“

Personal am Limit

Dass es immer noch sehr viele Ausbrüche in Seniorenheimen gibt, erklärt sich Thomas damit, dass das Personal völlig am Limit arbeite, aber auch damit, dass nach wie vor eine Reihe von Bewohnern Außenkontakte unterhält. Thomas: „Hygienische Gründe sind jedenfalls kaum der Rede wert.“

Dass die Zahl der Neuinfektionen und damit der Inzidenzwert weiter sinken, freut Schuster daher nur gedämpft. Zahlen konnte das Land am Dienstag zwar nicht liefern, aber dem Lagebericht der Bezirksregierung Köln zufolge hat der Rhein-Sieg-Kreis den viertniedrigsten Inzidenzwert im Land: 52,3 pro 100.000 Einwohner. Sieben Kommunen im Kreis sind bei ihren Neuinfizierten einstellig, „Klassenprimus“, so Schuster, ist Rheinbach mit lediglich zwei Neuinfizierten.

Unterdessen bereitet der Kreis sich darauf vor, dass ab 1. März die Zweitimpfungen beginnen. Dann sei denkbar, weitere Impfstraßen im sechsten Stock der Kinderklinik freizugeben, hieß es.