Zwischenbilanz : So hat das Corona-Krisenmanagement im Kreis geklappt

Die Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen im Rhein-Sieg-Kreis ist erfreulich niedrig. Entwarnung gibt es jedoch noch nicht. Wie hat das Krisenmanagement in Kreis und Kommunen bisher geklappt? Wir ziehen Zwischenbilanz.

17 aktuelle Corona-Fälle bei rund 600.000 Einwohnern: Die Zahl der Neuinfektionen im Rhein-Sieg-Kreis ist so gering, dass die Krisenstäbe mit Beginn der Sommerferien in den Bereitschaftsmodus herunterfahren konnten. Zeit für eine Zwischenbilanz: Wie hat das Krisenmanagement in Kreis und Kommunen bisher geklappt?

Der erste Corona-Verdachtsfall im Rhein-Sieg-Kreis

Ende Februar registrierte das Kreisgesundheitsamt den ersten offiziellen Corona-Verdachtsfall in Siegburg. Ein Siegburger Arzt hatte über die Leitstelle eine sogenannte Infektionsfahrt ins Krankenhaus veranlasst. Die Nachricht verbreitete sich blitzschnell – und war Anlass für die ersten Hamsterkäufe. Erstmals nachgewiesen wurde das neue Coronavirus Sars-Cov-2 im Rhein-Sieg-Kreis am 5. März. Ein 38-jähriger Mann aus Königswinter hatte sich infiziert. Dann ging es Schlag auf Schlag. Aus Alfter, Much und Siegburg wurden Infizierte gemeldet, darunter eine Kommunalpolitikerin aus der Kreisstadt, die so engagiert unterwegs war, dass am ersten Tag schon rund 70 Kontaktpersonen ermittelt wurden. Tägliche Pressekonferenzen, bei denen Probleme offen angesprochen wurden, sorgten vorbildlich für Transparenz.

Auch in den Kommunen musste es schnell gehen. Beispiel Bad Honnef: Im Krisenstab wurde innerhalb kürzester Zeit ein Paket geschnürt – eine Info-Kampagne mit Plakaten und Flyern sensibilisierte für die Einhaltung der notwendigen Regelungen und informierte über Hilfen für Bürger während des Lockdowns. Mit den ersten Ischgl-Rückkehrern schnellten ab dem 13. März auch im Kreis die Zahlen hoch.

Erster Corona-Fall im Rhein-Sieg-Kreis: Betroffener kommt aus Königswinter

Corona-Tests in der ersten Abstrichstelle in Siegburg

Vor der ersten Abstrichstelle am Siegburger Helios-Klinikum bildeten sich so lange Warteschlangen, dass das Ordnungsamt Trenngitter aufstellen musste. Kreis-Katastrophenschützer Rainer Dahm organisierte mit tatkräftiger Unterstützung der Bürgermeister Klaus Pipke und Stefan Raetz bis zum 23. März den Drive-in auf dem Parkplatz am Möbelhaus XXXLutz in Hennef und ein weiteres Abstrichzentrum im früheren Mannschaftshaus des VfL Rheinbach. Seit auch die Labore ihre Kapazitäten erhöht haben, klappen die Abstriche reibungslos, auch die Massentests bei Erntehelfern und in der Fleischindustrie.

Für Verdruss sorgte die Tatsache, dass präventive Tests in der zur Flüchtlingsunterkunft umfunktionierten Honnefer Jugendherberge vom Kreis kategorisch abgelehnt wurden. Die dort vom Land untergebrachten Risikopatienten dürften nicht zu Patienten zweiter Klasse gemacht werden, so die Kritik aus Bad Honnef.

Viele Infektionen in Altenheimen im Rhein-Sieg-Kreis

18 Tote hat alleine das CBT-Altenheim Sankt Monika in Sankt Augustin zu beklagen. Die Zustände in dem Haus an der Husarenstraße waren zeitweise dramatisch. Fast 50 Mitarbeiter waren infiziert oder standen als Kontaktpersonen unter Quarantäne. Die alten Menschen mussten zunächst vom Katastrophenschutz betreut, dann zum Teil in Kliniken verlegt werden. Der Krisenstab der Stadt Sankt Augustin unter dem Beigeordneten Ali Dogan war im Dauereinsatz. Bürgermeister Klaus Schumacher richtete einen Aufruf an die Bevölkerung und suchte Pflegekräfte. Unterdessen berichteten Angehörige und Mitarbeiter von Gemeinschaftsveranstaltungen und angeblich unzureichenden Hygienebedingungen im Haus. Der Träger CBT widerspricht. Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt – bis heute noch ohne Ergebnis.

Anfang April wurde im Cellitinnen-Seniorenhaus St. Angela in Bornheim-Hersel eine Mieterin positiv auf das Virus getestet, eine 92-jährige Heimbewohnerin verstarb. Die gesamte Hausgemeinschaft wurde sofort unter Quarantäne gestellt. Heimleiter Daniel Hinkel hatte zunächst Mühe, das Kreisgesundheitsamt davon zu überzeugen, ein mobiles Abstrichteam zum Testen der Bewohner und Mitarbeiter zu senden. Im Bad Honnefer Franziskus-Haus waren drei Bewohner an Covid-19 erkrankt. Kritik kam von der Stadt, weil sie vom Kreisgesundheitsamt nicht unmittelbar über den Ausbruch informiert wurde. Wegen der starken Belastung sah sich das Kreisgesundheitsamt zuletzt nicht in der Lage, Hygienepläne in Altenheimen zu überwachen. Bewohner und Personal mussten aber weiterhin vorsorglich auf Sars-CoV-2 getestet werden.

Coronavirus in Flüchtlingsunterkünften im Rhein-Sieg-Kreis

Menschen in Gemeinschaftsunterkünften sind besonders gefährdet. Das zeigte sich zunächst in der Flüchtlingsunterkunft Haus Katharina in Königswinter, wo es 42 Infektionsfälle von bisher 109 im gesamten Stadtgebiet gab. „Mitarbeiter des Kreises und der Stadt haben in dieser außergewöhnlichen Situation eng zusammengewirkt“, blickt Krisenstabschef Dirk Käsbach zurück. Mehrere Nummern größer war die Lage in der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) für Flüchtlinge in Sankt Augustin. Ordnungsamt und Polizei brauchten Tage, um infizierte von nicht infizierten Bewohnern zu trennen. Neue Tests brachten neue Corona-Fälle ans Licht, insgesamt 180. Weil nur 320 der rund 500 gemeldeten Flüchtlinge dauerhaft in der ZUE wohnten, hatten Bezirksregierung, Stadt, Betreiber und Sicherheitsdienst den Ausbruch verhältnismäßig schnell unter Kontrolle. Seit dem 17. Juni ist die Quarantäne aufgehoben.

Todesfälle durch Infektionen mit dem Coronavirus im Rhein-Sieg-Kreis

Am 24. März wurden die beiden ersten Todesfälle durch die Lungenkrankheit Covid-19 bekannt. Ein Mann aus Much war als Passagier eines Kreuzfahrtschiffs erkrankt und in einer Klinik in München verstorben. Eine weitere Person starb in Meckenheim. Seitdem ist die Zahl der Verstorbenen kreisweit auf 49 gestiegen. Der befürchtete Engpass in den Krankenhäusern ist nicht eingetreten.

Ausblick nach der ersten Welle der Corona-Pandemie im Rhein-Sieg-Kreis

Aus der ersten Phase der Pandemie nehmen die Verantwortlichen viele Erfahrungen mit. Schlüssel zum Erfolg wird auch bei einer zweiten Welle die schnelle Benachrichtigung von Kontaktpersonen sein. Da herrscht, nach Streit zwischen Landrat und Bürgermeistern über Verzögerungen beim Kreisgesundheitsamt, inzwischen Einigkeit. Jetzt geht es darum, neue Ausbrüche schnell zu erkennen. Im Kreisgesundheitsamt nimmt die Fachstelle Covid-19 unter Leitung von Ralf Thomas die Arbeit auf. Es muss sich erst zeigen, was diese Organisationsveränderung tatsächlich bringt.

Kreisgesundheitsamtsleiter Rainer Meilicke, zu Beginn der Pandemie ein Mann klarer Worte, dann aber in die Kritik geraten, taucht öffentlich nicht mehr auf. Dabei sind mehr denn je Personen gefragt, die das Verantwortungsbewusstsein in der Bevölkerung wachhalten. In der allgemeinen Ferienstimmung darf der Appell des Landrats nicht verhallen: „Halten Sie sich an die bekannten Abstands- und Hygieneregeln! Nur diese Verhaltensweisen können uns auf Dauer schützen.“