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Corona-Krise im Rhein-Sieg-Kreis: Unmut im Gesundheitsamt nach Dezernat-Wechsel

Weniger Corona-Fälle im Kreis : Unmut im Gesundheitsamt nach Wechsel in neues Dezernat

Dass Rhein-Sieg-Landrat Sebastian Schuster zu Beginn der Corona-Krise gravierende organisatorische Veränderungen in der Kreisverwaltung vorgenommen hatte, blieb nicht folgenlos: Es sorgte für Unruhe im Gesundheitsamt und Kritik von politischer Seite. Die Zahl der Corona-Fälle im Kreis stieg derweil nicht weiter an.

In der Kreisverwaltung gibt es Unruhe, und zwischen dem CDU-Landrat Sebastian Schuster und seinem Koalitionspartner, den Grünen, herrscht zurzeit auch eher Eiszeit. Grund: eine Organisationsverfügung, die Schuster am 19. März erließ. Manche sprechen von einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“, andere von einer überraschenden Entscheidung. Wieder andere im Kreishaus meinen, das sei absehbar gewesen, weil Spannungen zwischen Schuster und seinem Dezernenten Dieter Schmitz spürbar gewesen seien.

Schuster verschob das Gesundheitsamt aus dessen Dezernat 2 ins Dezernat 5, das zwei Wochen zuvor der neue Dezernent Michael Rudersdorf von Michael Jaeger übernommen hatte, der im Ruhestand ist. Rudersdorf war zuletzt Leiter des Fachbereichs Recht und Ordnung bei der Stadt Leverkusen.

Gesundheitsamt in Dezernat V verschoben

In einer Rundmail morgens um 7.19 Uhr informierte Schuster die Bürgermeister im Rhein-Sieg-Kreis und seine Führungskräfte in der Kreisverwaltung über die Neuorganisation: „Ich habe mit sofortiger Wirkung 53 (Gesundheitsamt) zu Dezernat V verschoben, um die Reibungsverluste zu minimieren“, heißt es da. Kreisbrandmeister Dirk Engstenberg werde Corona-Koordinator. Schusters persönlicher Referent Andreas Grünhage wechsele als Stabsstelle ebenfalls ins Dezernat 5 und sei in den Corona-Belangen des Kreises Ansprechpartner für die 19 Kommunen. Das Schreiben endet er: „Wir sind meines Erachtens immer noch erst am Anfang der Krise und da müssen wir uns bestmöglich einrichten.“

In der am selben Tag folgenden Pressekonferenz des Kreises hatte der Landrat seine Entscheidung selbst als „unpopuläre Maßnahme“ bezeichnet, über die die Mitarbeiter des Gesundheitsamts nicht begeistert gewesen seien. Tatsächlich herrsche da Unruhe, heißt es. Die Mitarbeiter seien über die Entscheidung nicht glücklich gewesen. Sie hinterließen ihrem alten Chef vor dessen Tür eine Karte und ein Abschiedsgeschenk. Schmitz, so heißt es, habe seit Januar einen Krisenplan vorbereitet und sei in dem Thema „voll drin gewesen“. Trotzdem wurde sein Dezernat – zumindest vorübergehend – verkleinert.

CDU-Landrat Schuster will Synergien schaffen

Was sagt der Landrat zur Stimmung im Gesundheitsamt? „In einem laufenden Prozess die Organisation zu verändern, bringt immer Unruhe mit sich. Da gibt es Unterstützer und eben auch diejenigen, die kein Verständnis für derartige Maßnahmen haben. Das war mir sehr wohl bewusst“, teilte Schuster auf GA-Anfrage mit. „Ich bin jedoch immer noch davon überzeugt, dass es zu Beginn dieser Krisensituation ganz wichtig war, alle vorrangig betroffenen Ämter unter ein Dach zu holen. Hier galt es, Synergien zu schaffen und Reibungsverluste zu minimieren. Das ist uns zum großen Teil gelungen, wenn man bedenkt, dass wir es hier mit einer Krise zu tun haben, die wir in solch einem Ausmaß seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr zu bewältigen hatten.“

Die Grünen zeigen sich entsetzt

Die Grünen, Koalitionspartner der CDU im Kreistag, waren nach eigenen Angaben entsetzt. Fraktionschef Ingo Steiner wurde am Vorabend der Entscheidung von Schuster telefonisch informiert. Ein paar Tage später schrieb er dem Landrat und betonte, es sei eine „fachlich falsche Organisationsentscheidung“. Sie sei „nicht sachgerecht und nicht geeignet, die bestehenden Reibungsverluste zu beheben. Sie hat offensichtlich innerhalb der Kreisverwaltung und besonders innerhalb der Mitarbeiterschaft des Gesundheitsamtes zu erheblicher Unruhe geführt. Wir befürchten, dass dies zulasten der Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geht – gerade in Zeiten dieser epochalen Krise ist dies sehr gefährlich“.

Er teile diese Einschätzung seines Koalitionspartners nicht, sagt Schuster: „Schaue ich mir die Ergebnisse und die hervorragende Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den besonders betroffenen Bereichen an, dann ist eine mangelnde Motivation auch überhaupt nicht zu erkennen. Die Beschäftigten arbeiten seit Wochen nah an der Belastungsgrenze, um für die Bürgerinnen und Bürger hier im Rhein-Sieg-Kreis die Krise in den Griff zu bekommen. Dafür danke ich allen ganz herzlich.“

„Wir haben das ausdiskutiert“, sagt Steiner im GA-Gespräch. „Wir haben unsere Kritik geäußert, und der Landrat muss das akzeptieren.“ Es sei jetzt aber nicht die Zeit, „mit dem Finger auf Schuldige zu zeigen. Der Schuldige ist das Virus. Und wenn das Schlimmste vorbei ist, dann muss man in der Nachbetrachtung überlegen, wo es Verbesserungsbedarf gibt.“ Die Krise zeige aber schon, dass im Gesundheitsbereich nicht weiter gespart werden dürfe.

Dezernent Rudersdorf jetzt für fünf Fachbereiche zuständig

Dezernent Rudersdorf ist jetzt für fünf Fachbereiche zuständig, Schmitz nur noch für das Sozialamt. Sind die Arbeiten da nicht ungleich verteilt? Gibt es nicht gerade dadurch Reibungsverluste? „Das kann ich so nicht bestätigen“, antwortet Schuster auf die GA-Fragen. „Herr Dr. Rudersdorf hat gut funktionierende Ämter in seinem Dezernat – einige sind mehr mit dem Thema Corona befasst, andere aber auch weniger. Im Übrigen steht Herr Dr. Rudersdorf natürlich mit seinen Ämtern nicht alleine da, sondern wird durch den gesamten Krisenstab unterstützt. Außerdem verfügt Herr Dr. Rudersdorf aus seiner vorherigen Tätigkeit in Leverkusen über Erfahrungen in der Arbeit im Krisenstab und hat das dortige Gesundheitsamt juristisch beraten.“

Dennoch gab es Pannen, die beispielsweise zeitweilig während der Kontaktpersonenverfolgung auftraten. „Ich möchte hier nicht immer von Pannen reden, sondern lieber davon, dass wir es im Rhein-Sieg-Kreis gemeinsam geschafft haben, die Infektionszahlen nun erstmalig auf gleichem Stand zu halten“, so Schuster. Dies liege sicher einerseits an den getroffenen Lockdown-Maßnahmen und der Disziplin der Menschen in der Region, „aber zu einem großen Teil eben auch daran, dass wir konsequent die Kontaktpersonen verfolgt haben. Wäre das nicht erfolgt, sähen unsere Zahlen hier sicherlich ganz anders aus.“