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Coronavirus Siegburg: So geht es Bildenden Künstlern in der Krise

Während der Coronakrise : So geht es Bildenden Künstlern in Siegburg

Mehr Verkäufe, weniger Kontakte: Die Bildenden Künstler nehmen die Vor- und Nachteile der Pandemie sowie das coronabedingte Ausstellungsverbot ganz unterschiedlich wahr. Die Auseinandersetzung mit anderen Kunstschaffenden fehlt jedoch allen.

Während die Nöte der darstellenden Künstler wie Schauspieler, Musiker oder Kabarettisten während der Pandemie allseits bekannt seien, „werden die bildenden Künstler gar nicht wahrgenommen“, erklärt der Siegburger Maler und Aktionskünstler Hermann Josef Hack.

Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da. Künstlerkollege Karl-Peter Kremer, der wie Hack in einem städtischen Atelier am Trerichsweiher arbeitet, bedauert, dass Ausstellungen derzeit untersagt sind und sie daher ihre Werke keinem Publikum präsentieren könnten. „Ein gemaltes Bild, das man nicht sieht, existiert nicht“, stellt er klar. „Wir haben keine Rückkopplung und uns fehlt auch die Auseinandersetzung mit anderen Künstlern“, so Hack. Der nutzt allerdings intensiv soziale Medien und kommuniziert mit Kunstschaffenden und Interessenten weltweit über die verschiedenen Kanäle.

Der persönliche Kontakt fehlt

Eingeschränkt ist er allerdings als Dozent an einer Kölner Akademie für Gestaltung. „Mit den Studenten kann ich mich nur über Videokonferenzen austauschen, es fehlt der persönliche Kontakt, aber auch die Atelieratmosphäre und die Möglichkeit etwas anzufassen“, sagt er.

Persönlich fühlen sich beide nicht eingeschränkt. Auch finanziell nicht, denn sie müssen nicht von der Kunst ihren Lebensunterhalt bestreiten. Sie geben an, viel mehr Ruhe zum Arbeiten zu haben und ihre ganze Energie in die Kunst zu investieren. „Ich nutze die Zeit für viel Neues, hole aber auch vermehrt ältere Skizzen hervor, um sie aufzuarbeiten“, berichtet Kremer.

Der Maler ist nach eigenen Worten mit sozialen Medien nicht so „bewandert“. Er erreicht sein Publikum, darunter viele Stammkunden, über E-Mails und lädt sie zu einem Besuch in sein Atelier ein. Das sei nach Absprache und unter den strengen Vorschriften der Corona-Schutzverordnung kein Problem. Das Interesse ist nach seinen Erfahrungen da. „

Den Schlüssel zum Atelier gibt er weiter

Die Besucher haben Hunger nach Bildern, denn Ausstellungen sind verboten, Museen geschlossen“, nennt er als Grund. Mehr Zeit in seinem Atelier, das er im gleichen Gebäude wie Hack und Kremer angemietet hat, verbringt auch der Bildhauer Karl-Heinz Löbach. Ihm fehlen zwar ebenfalls die Ausstellungsmöglichkeiten, das macht ihm aber keine großen Sorgen. „Finanziell komme ich klar, denn ich habe seit Jahren einen Nebenjob“, sagt er. Den hätten „vernünftigerweise“ alle Künstler, denn von der Kunst leben könnten nur die Wenigsten. Löbach findet es nur schade, dass er seine Bildhauerkurse nicht anbieten kann.

Den treuesten Teilnehmern hat er aber einen Schlüssel zu seinem Atelier überlassen, damit sie nach Absprache untereinander über die Woche verteilt jeweils einzeln künstlerisch tätig sein können. „Das sind überwiegend ältere Menschen, die zum Teil über 20 Jahre kommen und für die ein Verbot nicht zu ertragen wäre“, ist Löbach sicher.

Hack und Kremer wünschen sich für die Zeit nach Corona wieder den Kontakt zu Kunstinteressierten bei Ausstellungen, Löbach hat noch einen anderen Wunsch: „Ich hoffe, dass die Qualität dann wieder eine übergeordnete Bedeutung bekommt, dass weniger Ausstellungen stattfinden und sich so die Spreu vom Weizen trennt.“

Die Besucher kaufen gezielter

Denn Ausstellungen hätte es bis zum Ausbruch von Corona fast „inflationär“ gegeben. Durchweg positive Erfahrungen in Corona-Zeiten hat der hauptberufliche Siegburger Künstler und Galerist Jürgen Schmitz gemacht und berichtet von einem der besten Jahre in seinen fast 40 Jahren als freischaffender Maler.

Seine Vermutung: „Wie immer in Krisenzeiten möchten sich die Menschen selbst etwas Gutes tun. Jetzt haben sie viel Zeit und können ihr Geld nicht für Restaurantbesuche, Theater oder Konzerte ausgeben.“

Cocoonig sei das Stichwort. Man investiere vermehrt in Kunst, „um es zu Hause schön zu haben“. Schmitz beobachtet, dass „meine Bildinteressenten punktgenau nachfragen und kaufen.“ Anders als bei seinen früheren Ausstellungen, zu denen viele auch nur zum Schauen und ohne Kaufabsicht gekommen seien.

Besucher im Siegburger Atelier müssen sich vorher bei Hermann Josef Hack (hjjack@gmx.de), Karl-Peter Kremer (kremerkp@netcologne.de), Karl-Heinz Löbach unter ☏ 01 76/50 08 23 13 und Jürgen Schmitz unter ☏ 0 22 41/5 27 64 melden. Es herrscht Maskenpflicht.