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Wetterphänomen in Bonn und Region: Darum gewittert es manchmal nur an einem Ort

Wetterphänomen in Bonn und Region : Darum gewittert es manchmal nur an einem Ort

Sehr lokal begrenzte Unwetter registrieren Meteorologen seit zwei Tagen in der Region. Während über Siegburg-Kaldauen und Villip Blitz und Regen toben, bleibt es im restlichen Kreis ruhig. Wir klären, wie es zu solchen Gewitterzellen kommt.

Blitzeinschlag im Siegburger Stadtteil Schneffelrath, heftige Regenfälle in Kaldauen – und Biergartenwetter in der Siegburger Innenstadt. Während die Feuerwehr am Montagabend an einer Scheune an der Straße Auf der Höhe alle Hände voll zu tun hatte, weil dort nach einem Blitzeinschlag Gebäudeteile abzustürzen drohten, konnten die Menschen auf dem Marktplatz ihr Eis genießen. Solche Mikroklimaphänomene sehen aus der Luft aus, „wie das senkrecht fallende Wasser aus der Brause“, sagt Flieger Jürgen Unterberg. „Man sieht sie sehr deutlich und kann sie umfliegen“, sagt der passionierte Pilot aus Hangelar. Diese extremen Auf- und Abwinde umfliegen nicht nur die Piloten von kleinen Propellerflugzeugen oder Segelfliegern, auch die großen Passagierflugzeuge sehen zu, diese Säulen in der Luft zu über- oder umfliegen.

„Im Gegensatz zu einer Wetterfront, die uns in der Nacht zu Donnerstag erwartet, bewegen sich diese kleinen Wetterzellen kaum“, erklärt Karsten Brandt von donnerwetter.de. Montagabend gab es in unserer Region mehrere solcher Mikroklimaphänomene: Eines lag bei Wachtberg zwischen Klein-Villip und der Meckenheimer Stadtgrenze, eines bei Leuscheid in der Gemeinde Windeck bis zur Landesgrenze nach Rheinland-Pfalz und eines eben zwischen Kaldauen und der Wahner Heide. Am Dienstagmittag gab es noch eins über der Bad Honnefer Innenstadt.

Die Regenmengen hielten sich dabei in Grenzen. Bei Wachtberg sind dem Wetterexperten zufolge etwa fünf bis zehn Liter pro Quadratmeter gefallen, bei Siegburg lediglich 0,1 bis 0,3 Liter. Auch die Windstärke hielt sich mit 30 bis 40 Stundenkilometern in Grenzen. Falle aber die Kaltluft in solch einer Säule ab, könnten dadurch starke Windböen entstehen und örtlich gar Bäume entwurzeln, so Brandt.

Gewitterzellen sind wie Luftpakete

„Solche Hitzegewitter sind nicht ungewöhnlich“, meint Brandt. „Bei Temperaturen von 34, 35 Grad, die wir ja zurzeit bekommen, entstehen Gewitterzellen, die man sich wie Luftpakete vorstellen kann.“ Je wärmer die Luft wird, desto geringer ist ihre Dichte. Wenn sich die unteren Luftschichten stark erwärmen, werden diese Luftmassen leichter als ihre Umgebung und beginnen aufzusteigen. Beim Aufsteigen kühlt sich die Luft aufgrund des fallenden Druckes zwar ab, ist aber immer noch wärmer als die umgebende Luft. Also steigt sie weiter auf. Solche Luftschichtungen können große Höhen von mehr als zehn Kilometern erreichen – und bilden sogenannte Cumulunimbus-Wolken. „Diese starken Thermiken entstehen besonderes im Bergland“, so Brandt.

Beim Aufstieg beginnt der Wasserdampf schließlich zu kondensieren und bildet kleine Tröpfchen. Werden diese durch die hohe Luftfeuchtigkeit immer größer, können sie kaum noch vom Aufwind gehalten werden und beginnen zu fallen: Es regnet. Bei solchen Hitzegewittern ist es so, dass der Regen auch dort fällt, wo die Luft zuvor aufgestiegen ist, so Brandt.

Lokale Regengebiete werden in Bonn erforscht

Genau solche lokal eng begrenzten Regengebiete sind das Forschungsgebiet der Privatdozentin Silke Trömel und ihres Meteorologen-Teams an der Universität Bonn. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt ihre Arbeit mit rund zwei Millionen Euro (wir berichteten). Die Wissenschaftler wollen die Vorhersage von Niederschlägen verbessern.

Dabei arbeiten die Forscher mit neuen technischen Messgeräten wie etwa Mikro-Regen-Radaren, mit denen unter anderem das Profil der Regenfallgeschwindigkeit gemessen wird. Die elektromagnetischen Wellen werden im Gegensatz zu herkömmlichen Anlagen nicht nur horizontal, sondern auch vertikal gemessen. So sollen in Zukunft solche lokalen Gewitterphänomene besser vorausgesehen werden.