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Corona im Rhein-Sieg-Kreis: Das Impfzentrum in Sankt Augustin ist startbereit

Corona im Rhein-Sieg-Kreis : Das Impfzentrum in Sankt Augustin ist startbereit

Ein Ausbruch in einer Hennefer Freikirche macht dem Kreisgesundheitsamt viel Arbeit. Landrat Sebastian Schuster kritisiert das Verhalten der Gemeinde.

Landrat Sebastian Schuster fand in der Pressekonferenz am Dienstag deutliche Worte für das, was sich seit drei Wochen in der Evangeliums-Christen-Baptisten-Gemeinde Hennef abspielt. Insgesamt gab es dort 58 bestätigte Corona-Fälle. Wie weit sich das Virus darüber hinaus in der Gemeinde ausgebreitet hat, ist nicht bekannt, weil zu den drei Testterminen des Kreises nur sechs Leute kamen. „Wir haben als Gesundheitsamt nicht die erforderliche Unterstützung und das Verständnis für unsere Maßnahmen bekommen. Das ist unverantwortlich“, sagte Schuster. „Wir können nachweisen, dass noch Gottesdienste und Hochzeiten stattgefunden haben, als es bereits Corona-Fälle in der Gemeinde gab.“

Juristisch seien dem Kreis die Hände gebunden. Schuster hält aber Schärfe für geboten, „wenn man so mit der Gesundheit anderer Menschen umgeht“. Die Gemeinde habe bereits im Sommer eng auf ihrem Gelände Am Kuckuck in Hennef beisammen gesessen und gesungen. Laut Ralf Thomas, Leiter der Fachstelle Covid, besteht angesichts der Dauer des aktuellen Ausbruchs die Gefahr, dass auch Unbeteiligte betroffen sind, zum Beispiel durch Kontakte in Schulen und Kitas. „Die ganze Republik rätselt, wie es zu den Steigerungen bei der Inzidenz kommt, erst über 50, jetzt über 150. Das erklärt sich durch solche Disziplinlosigkeit, wenn drei oder vier Wochen ins Land gehen und das Virus weiter geschleppt wird“, sagte Schuster. Das Hennefer Ordnungsamt mache Stichproben und kontrolliere, ob die Quarantäne eingehalten werde.

Die Kreistagsfraktion der Linken hat vom Landrat mehr Transparenz bei Corona-Ausbrüchen gefordert. Im Gegensatz zu anderen Städten nennt der Kreis nicht die genauen Orte und Einrichtungen, in denen Corona-Fälle registriert wurden, und begründet dies mit dem Datenschutz. Nur bei großen Ausbruchsgeschehen werden die Orte genannt, um die Bevölkerung zu warnen. Frank Kemper, Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion, sagte: „Ab Mittwoch kommt der harte Lockdown. Dabei gilt grundsätzlich: Jeder Grundrechtseingriff muss begründet werden. Je tiefer der Eingriff, umso detaillierter muss die Begründung sein.“ Dem werde der Kreis nicht gerecht. Die aktuelle Transparenzverweigerung ist Wasser auf die Mühlen all jener, die die Gefährlichkeit der Situation nicht sehen wollen oder können“, so die Linken. Schuster kündigte eine Antwort für diese Woche an. 

Unterdessen ist das erste Impfzentrum des Kreises im ehemaligen Kinderherzzentrum der Asklepios-Klinik in Sankt Augustin startbereit. Landrat Schuster und Bürgermeister Max Leitterstorf besichtigten am Dienstag die Räume, in denen vier Impfstraßen eingerichtet sind. Zurzeit prüft der Kreis, ob er einen neuen Erlass nutzt und 15 Kräfte der Bundeswehr zur Unterstützung beantragt. Aktuell wird noch die digitale Ausstattung der Kassenärztlichen Vereinigung eingerichtet. Das Impfzentrum ist fristgerecht betriebsbereit, was fehlt ist noch der Impfstoff.

Ingo Freier (von links) erklärt Landrat Sebastian Schuster, Martin Bertram von der Stabsstelle Bevölkerungsschutz des Kreises, Stadtsprecherin Carolin Trost und Bürgermeister Max Leitterstorf den Arbeitsablauf im neuen Impfzentrum. Foto: Thomas Heinemann

Die Corona-Zahlen im Rhein-Sieg-Kreis sind unverändert hoch. Der aktuelle Inzidenzwert von 167 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche ist laut Schuster kein Grund, sich sicher zu fühlen. In einzelnen Kommunen werde der Wert von 200 bereits überschritten. „Wir profitieren im Rhein-Sieg-Kreis davon, dass wir viele Kommunen haben, die die kreisweite Inzidenz nach unten ziehen“, so der Landrat. Vor allem im östlichen Rhein-Sieg-Kreis sind die Infektionszahlen zurzeit geringer.

Überschreitet eine Kommune die Inzidenz von 200, wird gemeinsam mit dem Kreis geprüft, ob zusätzliche Maßnahmen wie Ausgangssperren erforderlich sind. „In Ruppichteroth muss nur eine Großfamilie infiziert sein und die Inzidenz schießt nach oben“, verdeutlichte Ralf Thomas. Auch in Einrichtungen seien die Ausbrüche oft klar umgrenzt. Erst wenn die Infektion „in die Gesellschaft hinein diffundiert“, werde geschaut, welche ordnungsbehördlichen Maßnahmen erforderlich seien.