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Missionskreises Hennef-Warth: "Das Sicherheitsrisiko ist hoch" - Ehepaar Jagsch in Nigeria

Missionskreises Hennef-Warth : "Das Sicherheitsrisiko ist hoch" - Ehepaar Jagsch in Nigeria

Dass Afrika ihr Leben ist, dürfte den Hennefern hinlänglich bekannt sein. Bereits in den frühen 1970er Jahren bereiste das Ehepaar Hans (73) und Dagmar Jagsch (72) in einem alten VW-Bus den schwarzen Kontinent und durchquerte die Sahara.

1988 gehörten sie schließlich zu den Gründungsmitgliedern des Missionskreises Hennef-Warth, in dessen Auftrag sie sich seitdem für zahlreiche Projekte in den notleidenden Ländern engagieren und erst vor wenigen Wochen für ihr ehrenamtliches Engagement das Bundesverdienstkreuz erhielten. In der Regel reisen sie ein Mal pro Jahr in den Kongo und nach Nigeria, um persönlich den Fortschritt der Projekte und die sachgemäße Verwendung der Spenden zu überprüfen. Im April waren die Jagschs das erste Mal nach zwei Jahren Pause wieder in Nigeria. "Aus Sicherheitsgründen" hatten sie ausgesetzt, wie die Jagschs bestätigten.

"Das Sicherheitsrisiko in Nigeria ist nach wie vor hoch", sagen Hans und Dagmar Jagsch, die auf Einladung des Ordens "Daughters of May, Mother of Mercy" und deren Vertreter Bibiana Ogbonnaya und Father James Okpaonwuluka nach Nigeria flogen. Von Boko Haram (Übersetzung: Westliche Bildung verboten), einer islamistischen Terrorgruppe, die im Norden Nigerias immer wieder durch brutale Übergriffe und Anschläge von sich reden macht und schon mehrere 100 Schülerinnen aus einem Wohnheim entführt hat, haben die Jagschs nichts mitbekommen, weil ihre Projekte sich mehr im Süden des Landes befinden.

Aber auch der christlich geprägte Süden ist nicht wirklich sicher, denn dort kämpfen Aufständische gegen die Ölindustrie und es kommt immer wieder zu Entführungen von Weißen. "Alle fünf bis zehn Kilometer gab es Checkpoints. Dort standen Soldaten oder Polizisten mit Kalaschnikows im Anschlag", erinnerte sich Hans Jagsch. "Aber in Begleitung der Priester und Schwestern des Ordens fühlten wir uns einigermaßen sicher."

Trotz dieser schwierigen Sicherheitsbedingungen, der langen beschwerlichen Reise, der hohen Luftfeuchtigkeit und Temperaturen von mehr als 35 Grad Celsius schafften es die Jagschs innerhalb von insgesamt nur sechs Tagen, ihre "Hausaufgaben" in Nigeria zu machen. Sie besuchten sämtliche Projekte, die sie im Auftrag des Missionskreises seit Jahren unterstützen, darunter das Vincent Paul Centre für Behinderte in Umuafai, die beiden Waisenhäuser für Ahiaeke und Okwelle, die Klinik in Ahiaeke sowie die Lucy Memorial School in Amairi (Partnerschule des Hennefer Gymnasiums) sowie die Primary School in Ahiaeke (Partnerschule der Regenbogenschule Happerschoß).

Mit den Spenden, die sie dabei hatten, konnten die beiden schnell und gezielt helfen, denn ein Stromgenerator und ein Fischbassin mussten repariert werden. Außer den Spenden hatten die Jagschs Fotos und Briefe der Familien im Gepäck, die eine Patenschaft über Waisenkinder übernommen haben und nahmen von den Kindern im Gegenzug Briefe und Fotos mit nach Hennef. "Solch einen persönlichen Kontakt zwischen den Kindern und den Paten habe ich bisher noch nicht erlebt", sagte Hans Jagsch über den Austausch.

Natürlich hätten sich besonders die Waisenkinder über den Besuch der Jagschs gefreut, sagte Hans Jagsch anschließend. Und das Ehepaar kam nach der Reise nach Afrika zu dem gemeinsamen Schluss, dass ihre Arbeit im Auftrag des Missionskreises zu Verbesserungen der Lebensbedingungen geführt hat.

Im Sommer dieses Jahres reisen die Jagschs nun in den Kongo, um zu schauen, wie es mit den dortigen Projekten vorangeht. Begleitet wird das Ehepaar dann auch von Barbara Kossack, die zugunsten des Missionskreises im vergangenen Jahr von Uckerath nach Afrika geradelt war (der General-Anzeiger berichtete).