1. Region
  2. Sieg & Rhein
  3. Siegburg

Arbeit der Biologischen Station: Der Erhalt von Streuobstwiesen im Rhein-Sieg-Kreis

Arbeit der Biologischen Station : Der Erhalt von Streuobstwiesen im Rhein-Sieg-Kreis

Die Biologische Station Eitorf kümmert sich um in Vergessenheit geratene Apfelsorten in der Region. Denn die Obstbäume sind ein wertvoller Lebensraum für viele Tierarten.

Die hochstämmigen Obstbäume mit ihren ausladenden Kronen und das darunter liegende Grünland gehören zur hiesigen Kulturlandschaft und sind ein wertvoller Lebensraum für viele Tierarten. Vögel, Käfer, Schmetterlinge und Kleinsäuger profitieren von dem reichhaltigen Angebot an Höhlen, Blüten und herabfallenden Früchten. Und der Rhein-Sieg-Kreis ist einer der streuobstwiesen-reichsten Kreise in Nordrhein-Westfalen.

Streuobstwiesen sind das Ergebnis jahrhundertelanger landwirtschaftlicher Tätigkeit und beherbergen eine Vielfalt an alten Obstsorten, die in Vergessenheit geraten sind. Die moderne Agrarpolitik, anhaltende Bebauung und die Konkurrenz aus dem Intensivanbau gefährden die mehr als 1500 Einzelflächen im Kreis mit Zehntausenden Obstbäumen in ihrem Bestand. „Im Rahmen unserer Arbeit kartieren wir Streuobstwiesen, beraten Landwirte und Eigentümer bei der Neuanlage und Pflege der Bestände und helfen, Förderanträge zu stellen“, sagt Stefan Lienemann mit Blick auf die Fördergelder, die das Land für die Neuanlage einer Streuobstwiese bereitstellt.

Pflegen, pflanzen und gesund erhalten

Der Mitarbeiter der Biologischen Station des Rhein-Sieg-Kreises in Eitorf ist für die Flächenbewirtschaftung zuständig. Unterstützt wird er dabei vom Verein „Natürlich Streuobst“. Dieser Zusammenschluss hat sich 2017 aus den Obstbaumwarten gegründet, die die Biologische Station im Oktober 2016 im Rahmen des Landesprojektes Chance7 erstmals ausgebildet hat.

Zu den ersten 29 – inzwischen gab es drei weitere Kurse – gehörte Rainer Przygoda aus Much. Der 54-Jährige zeigt Bürgern, wie man Bäume richtig schneidet, pflegt oder pflanzt und wie man sie gesund erhält. Auch dem Ermitteln alter Obstsorten in Privatgärten widmet er sich gerne. Bereits seit 2008 versuchen die Biologischen Stationen des Rheinlands zusammen mit dem Landschaftsverband, lokale alte Obstsorten zu finden, zu vermehren und zu erhalten.

„Die Graue Französische Renette hat ihren Ursprung im 15. Jahrhundert. Sie stammt noch aus den Kriegswirren und wurde hier eingeführt“, weiß Przygoda. „Heute verlieren wir solche alten Sorten“, sagt Lienemann mit Blick auf die im Supermarkt erhältlichen wie Topas, Elstar und Pink Lady. Lediglich der Golden Delicious sei eine alte Sorte und stamme aus dem Amerika der 1880er Jahre, ergänzt Przygoda.

Wissen um den richtigen Schnitt

Zur Erhaltung dieser alten Obstsorten gehört ganz besonders das Wissen um den richtigen Schnitt. „Bis in die 70er Jahre konnte noch jeder seine Bäume selbst schneiden“, so Lienemann. „Die Bäume vergreisen sonst und brechen irgendwann auseinander“, sagt der Obstbaumwart und weist auf weitere aktuelle Probleme hin: die anhaltende Trockenheit der vergangenen Jahren und ein starker Wühlmausbefall. Aus diesem Grund führte die Biologische Station in diesem Sommer regelmäßige Bewässerungen auf ihren 165 Hektar umfassenden Flächen durch. 50 bis 60 Streuostwiesen mit 3700 Bäumen auf hundert Hektar betreut die Station überwiegend im Siebengebirge, aber auch im Bereich Hennef und Eitorf.

Geld und Apfelsaft für die eigene Apfelernte

Die dort gewonnenen Äpfel – aus Kapazitäts- und Zeitgründen können die Bio-Station-Mitabeiter nicht auch Pflaumen und Birnen ernten – werden ebenso wie die, die Bürger in der Bio-Station abgeben können, vom Safthersteller Bad Hönninger zu Saft gepresst. „Die Leute, die Äpfel bringen, erhalten dafür sowohl Apfelsaft als auch Geld“, sagt Lie­nemann.

Vom 23. September bis 17. Oktober läuft die jährliche Aktion, bei der es für hundert Kilo Äpfel zehn Liter Saft oder 15 Euro gibt. Darüber hinaus sucht die Bio-Station noch freiwillige Helfer für die Apfelernte. Selbst pflücken dürfen die Bürger indes nicht. „Zum einen befinden sich viele Wiesen im Naturschutzgebiet, zum anderen kann man bei der Ernte auch viel kaputt machen“, erklärt Lienemann. Man müsse ganz vorsichtig hantieren, um nicht Äste abzubrechen.