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Innenstadtentwicklung in Siegburg: Der Grundstein für das Kaiser Carré liegt

Innenstadtentwicklung in Siegburg : Der Grundstein für das Kaiser Carré liegt

Die leeren Gebäude auf dem früheren Goldberg-Areal mitten in der Innenstadt von Siegburg sind abgerissen, eine tiefe Baugrube ist ausgehoben und mit der Grundsteinlegung beginnt nun der Bau des Kaiser Carrés – ein neues Wohn- und Geschäftshaus.

Seit die ersten Abrissbagger Anfang Dezember 2021 an der Ecke Kaiser-/Cecilienstraße in der Siegburger Innenstadt angerückt sind, zieht die Baustelle unweigerlich die Blicke auf sich. Schließlich ist sie unverkennbares Zeichen dafür, dass die Zeiten des Jahre währenden Stillstands an so prominenter Stelle ein Ende haben. Seit der Gebäudekomplex auf dem früheren Goldberg-Areal abgerissen ist, ist es allerdings gar nicht so leicht auszumachen, was hinter den Bauzäunen passiert. Einen kurzen Einblick gewährte die Kreissparkasse Köln (KSK), deren Tochter Pareto das Projekt Kaiser Carré entwickelt hat, am Dienstag: Da schritten die Vorstandsmitglieder Udo Buschmann und Jutta Weidenfeller zusammen mit Siegburgs Bürgermeister Stefan Rosemann und Bauleiter Niklas Schiffmann zur symbolischen Grundsteinlegung.

Dass die darin eingemauerte, mit aktuellen Tageszeitungen, Kleingeld, einem Sparkassen-S und einem Tonkrug mit Abteilikör befüllte Zeitkapsel jemals wieder geöffnet wird, wagten Buschmann und Rosemann zumindest zu bezweifeln. „Die Zeiten, in denen Gebäude abgerissen und durch neue ersetzt werden müssen, sollten künftig vorbei sein“, blickten sie in die Zukunft. Mit einem Neubau, der schon während der Planungsphase das Gold-Vorzertifikat der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen erhalten habe, wolle man dazu einen wichtigen Beitrag leisten, versicherte Udo Buschmann. Seinem Unternehmen sei es wichtig, ein für Siegburg markantes Gebäude zu schaffen und damit die Zeiten zu beenden, in denen das Areal nicht gerade ein Renommée für die Kaiserstraße war. Das Kaiser Carré werde eine weitere Belebung bringen.

Über viele Jahre sah das anders aus. Da prägte eine zunehmend heruntergekommene Ladenzeile eine der zentralen Stellen in der Innenstadt. Das Unternehmen Peek & Cloppenburg (P&C) hatte das 2825 Quadratmeter große Grundstück 2011 von Gerd Goldberg gekauft, um dort eine Filiale zu eröffnen. Jahrelang passierte aber nichts, weil zunächst die Schuhkette Reno auf einen laufenden Mietvertrag pochte und ihre Filiale erst im August 2016 schloss. Schon damals zeichnete sich ab, dass P&C das Projekt nicht mehr selbst realisieren wollte. Es folgten weitere Jahre des Stillstands, bis Pareto und Siebers Partner das Areal im Oktober 2018 kauften, die Projektgesellschaft PSP Siegburg gründeten und mit dem Kaiser Carré ihre Idee von einem neuen Wohn- und Geschäftshaus präsentierten. Im Juli 2021 gab der Siegburger Rat grünes Licht für den Bebauungsplan. Zuvor hatten die Investoren nach Anwohnerprotesten ihre Pläne für ein entlang der Theodor-Heuss-Straße vorgesehenes Technikgebäude noch einmal überarbeitet.

Lange sei ein neuer Weg für die Kaiserstraße gesucht worden, sagte Stefan Rosemann in Anspielung darauf, dass die Kaiserstraße einst „Neuer Weg“ hieß. „Die Kaiserstraße ist seit 130 Jahren eine Hauptschlagader Siegburgs“, hob er hervor. Angesichts des hohen Einzelhandelumsatzes aus ökonomischer Sicht, als wichtiger Verkehrsweg, über den einst der Rhabarberschlitten fuhr, und mit ihren Gründerzeithäusern auch aus kultureller Sicht. Deswegen zeigte sich der Bürgermeister froh, dass mit dem Kaiser Carré nun ein neuer Weg gefunden sei. Es sei gut, dass Pareto auch angesichts von Anwohnerbedenken, einem Wandel im Einzelhandel und der Krise auf dem Baumarkt den Kurs halte.

Das 1,40 Meter dicke Fundament für das Wohn- und Geschäftshaus liegt. Erste Stützen für die Bodenplatte des Erdgeschosses stehen bereits. „Der Rohbau hat begonnen“, sagt Niklas Schiffmann vom Generalunternehmer MBN Bau aus Bonn. Bis Mitte 2023 soll der stehen. Noch zeigt er sich zuversichtlich, dass der gesamte Komplex 2024 fertiggestellt ist. Dann sind neben 4450 Quadratmetern Gewerbefläche in Erdgeschoss und erster Etage auch 69 Wohnungen mit einer Wohnfläche von insgesamt 5396 Quadratmetern und eine Tiefgarage mit 64 Plätzen für die Bewohner entstanden. Auf dem Dach der Gewerbeeinheiten entsteht ein offener Innenhof, um den sich die Wohngebäude gruppieren. Mit der AOK und Aldi stehen die ersten Mieter für die Hälfte der Gewerbeflächen fest.