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Bis 2030 fehlen 30.000 Wohneinheiten: Der Rhein-Sieg-Kreis braucht dringend Wohnraum

Bis 2030 fehlen 30.000 Wohneinheiten : Der Rhein-Sieg-Kreis braucht dringend Wohnraum

Kontinuierlicher Anstieg der Beschäftigtenzahl, günstige Lage, positive Wirtschaftsentwicklung: Der Rhein-Sieg-Kreis boomt. Die Schattenseite: Der Wohnraum wird knapp. Nach einer neuen Studie des Instituts Empirica wird sich diese Situation in den kommenden Jahren verschärfen.

Am Donnerstag stellte Landrat Sebastian Schuster die Studie mit Josef Hastrich und Bernd Nürnberger als Vertreter der Kreissparkasse vor. Diese war von Kreis-Wirtschaftsförderer Hermann Tengler koordiniert worden. „Das Thema Wohnungsmarkt stand in den vergangenen Jahren nicht so sehr im Fokus“, sagte Tengler. Um 2008 war die Bevölkerungszahl im Kreis leicht rückläufig, und der Zensus 2011 „reduzierte“ die offizielle Einwohnerzahl um 25.000 auf unter 600.000.

Doch das war gestern. „Inzwischen hat eine neue Entwicklungsphase begonnen“, so Tengler. Er sprach von einer „Re-Suburbanisierung“. Städte wie Bonn sind gefragt, doch ist bezahlbarer Wohnraum heute schon knapp. Wer – etwa aus Job-Gründen – zuzieht, muss oft in den Kreis ausweichen. Doch auch bei den Nachbarn sind die Preise teils happig. Im zentralen Kreisgebiet – Alfter, Bornheim, Meckenheim, Wachtberg, Bad Honnef, Königswinter, Sankt Augustin, Siegburg, Troisdorf und Niederkassel – liegt der mittlere Kaufpreis bei 2.000 Euro pro Quadratmeter, die mittlere Miete bei sieben Euro pro Quadratmeter. Je weiter man an die äußeren Kreisgrenzen kommt, desto günstiger wird es, vor allem im Osten.

Weiterentwicklung als Wirtschaftsstandort

Zugleich entwickelt sich auch der Kreis selbst als Wirtschaftsstandort weiter, muss also auch den eigenen Bedarf an Wohnraum decken. Hinzu kommt die Zuwanderung, die bei den Prognosen einen Unsicherheitsfaktor darstellt – bedingt durch den Flüchtlingszustrom, der 2015 sehr kräftig ausfiel, 2016 dagegen moderater. Die weitere Entwicklung und der daraus resultierende Wohnraumbedarf im Kreis seien noch nicht genau abzusehen, so Gutachterin Petra Heising.

Sie hat alle Eventualitäten in insgesamt vier Modellberechnungen einbezogen. Nach der niedrigsten Prognose wird der Kreis 2030 615.000 Einwohner haben, nach der höchsten Prognose 712.000 Einwohner. Letzteres wird vor allem dann eintreten, wenn die Zuwanderung kontinuierlich anhält. Ein Thema, das nicht nur auf den Zuzug von Flüchtlingen beschränkt ist: So ziehen regelmäßig Osteuropäer in den Kreis, infolge der EU-Osterweiterung. Rund 4000 waren es von 2011 bis zum ersten Quartal 2016. Heising: „Diese Entwicklung wird meist übersehen.“

Was macht die Babyboomer-Generation?

Unterm Strich geht die Studie davon aus, dass bis 2030 die Neubaunachfrage groß ist. Demnach müssten bis dahin im Kreis rund 20.000 Wohneinheiten in Ein- und Zweifamilienhäusern entstehen. Im Geschosswohnungsbau fehlen 10.000 Wohnungen. Dabei ist der Bedarf in den nächsten fünf Jahren am größten: 1580 Ein- und Zweifamilienhäuser werden benötigt, 920 Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern.

Ab den 2020er Jahren nimmt der Neubau-Druck etwas ab, weil aufgrund der demografischen Entwicklung Wohnungen von Älteren verstärkt auf den Markt kommen. Unklar ist, wie sich dann die zahlenmäßig stark vertretene Babyboomer-Generation verhält – also die heute 50- bis 55-Jährigen. Bleiben sie als junge Senioren in ihren Häusern wohnen, wenn die Kinder ausgezogen sind? Oder suchen sie sich ganz pragmatisch in der Nähe eine altersgerechte Wohnung? Für den allgemeinen Wohnraumbedarf sei diese Entwicklung ganz wesentlich, so Heising.