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Gymnasium Alleestraße Siegburg: Die Hoffnung auf G9 lebt

Gymnasium Alleestraße Siegburg : Die Hoffnung auf G9 lebt

Die Zeit ist abgelaufen. Nichts geht mehr. In Nordrhein-Westfalen ist dieses Jahr nach einer Schulreform das Abitur nach acht Jahren (G 8) eingeführt worden. Zum Schuljahr 2011/12 bestand für Gymnasien noch einmalig die Gelegenheit, an einem Modellversuch der Landesregierung teilzunehmen und das Abitur nach neun Jahren anzubieten.

An diesem Modellversuch hatte das Gymnasium Alleestraße in Siegburg allerdings nicht teilgenommen - und zwar aus zwei Gründen: Während der Bewerbungsfrist habe eine Umbruchsituation an der Schule bestanden und die entscheidende Schulkonferenz habe bereits einen Monat vor Dienstantritt der aktuellen Schulleitung stattgefunden, erklärte die Schulpflegschaftsvorsitzende Angela Keil zu Beginn einer Podiumsdiskussion in der Aula des Gymnasiums.

Jetzt setzt man auf die Ausnahmeregelung des Paragrafen 25 des Schulgesetzes NRW, der die Möglichkeit einräumt, "abweichend von den bestehenden Rechtsvorschriften (...) neue Modelle der Schulleitung und der Schulmitwirkung zu erproben". Die sehen Keil und ihre Mitstreiter in zwei besonders ausgeprägten Charakteristika an der Schule. Man habe einige vergebliche Versuche unternommen, Schulministerin Sylvia Löhrmann diese vorzustellen, um mit ihr eine Lösung zu finden. Hoffnung besteht aber immer noch. Denn der bilinguale Zweig im Bereich Französisch sowie das in der Region einmalige musikalisch geprägte Abitur erforderten Zeit, die bei G 8 nicht ausreiche: Das französische Abitur sehe einen längeren Auslandsaufenthalt vor, die Musikklassen würden bis in die Oberstufen weitergeführt und die Schüler lernten parallel zum Unterricht Instrumente.

Vergangenes Jahr führte die Stadt Siegburg eine Elternbefragung durch. Eltern von Kindergarten- und Vorschulkindern sprachen sich zu 78 Prozent für das Abitur G 9 aus, Eltern der Grundschulkinder sogar zu 82 Prozent. Bei einer Unterschriftensammlung in diesem Jahr stimmten mehr als 2000 Bürger für die Rückkehr zu G 9. Eltern wissen am besten, was für ihr Kind gut ist, glaubten neben Keil auch die übrigen Diskussionsteilnehmer, Michael Liß (GEW Rhein-Sieg), Lukas Lorenz (Vorstand Landesschülervertretung), Studiendirektorin Barbara Altmann (Antoniuskolleg Neunkirchen) und Eberhard Kwiatkowski (Landeselternkonferenz NRW).

Kwiatkowski sieht lediglich eine Chance, über die Politik noch etwas zu erreichen. Das sei aber aufgrund des von der Minderheitsregierung aus SPD und Grünen mit der CDU-Opposition 2011 geschlossenen Schulfriedens für die nächsten zwölf Jahre äußerst schwierig. Der sieht vor, dass das Schulsystem bis 2023 nicht mehr angetastet wird.

Kwiatkowski selbst will sich aber im Landtag für eine Ausnahmeregelung des Gymnasiums stark machen, warnte allerdings - ebenso wie Altmann - vor der Annahme, beim G 9 sei der Schulstress geringer als beim G 8. Übereinstimmend forderten die Teilnehmer, Bildung nicht durch Kompetenzvermittlung zu ersetzen, G 8-Klassen dürften nicht zu "Eliten" schrumpfen. Mehr Investition in Bildung und Förderkonzepte für alle, egal ob G 8 oder G 9, seien unabdingbar. Schulzeitverkürzung allein kann nicht funktionieren, war man sich einig. Für das Gymnasium Alleestraße richten sich jetzt alle Hoffnungen auf ein Einlenken der Schulministerin.