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Coronalage im Rhein-Sieg-Kreis: Die Region prüft das Tübinger Modell

Coronalage im Rhein-Sieg-Kreis : Die Region prüft das Tübinger Modell

Die Corona-Neuinfektionen im Rhein-Sieg-Kreis steigen. Gleichzeitig suchen die Kommunen im Regierungsbezirk nach Lösungen für Lockerungen - und schauen dabei auch nach Tübingen.

Die Zahl der aktuellen Corona-Neuinfektionen hat sich seit Anfang März verdoppelt. „Besorgniserregend“ sei, dass die wesentlich ansteckendere Mutante B.1.1.7 sich immer weiter ausbreitet, so Landrat Sebastian Schuster am Dienstag bei der Pressekonferenz des Kreises. Der Anteil mache ungefähr zwei Drittel aus, so Schuster: „Tendenz steigend.“ Die südafrikanische Mutante sei bislang 14 mal nachgewiesen worden, die brasilianische sei noch nicht aufgetaucht. Auffällig sei auch die „sehr rege Zunahme“ von Ausbrüchen an Kitas und Schulen. Mit den Schnelltests könnten diese aus Sicht der Behörde nicht erklärt werden. Von insgesamt 6806 erfolgten „Bürgertestungen“ seien lediglich 30 positiv gewesen, ein Anteil von nicht mal einem halben Prozent.

Coronagipfel: Mit Spannung erwartet Schuster, wie die Vorgaben aus dem Berliner Corona-Gipfel von Bund und Ländern umgesetzt werden. „Das läuft alles ein bisschen ruckelig“, sagte Schuster. Dabei interessiert den Landrat vor allem, wie er die „Notbremse“ in seinem Kreis konsequent anwenden soll, wenn unter den 19 Kommunen die Inzidenzwerte unterschiedlich hoch sind. Das Oberverwaltungsgericht Münster habe ja verfügt, dass man da „nicht mit der Sense drübergehen kann“. Kopfzerbrechen bereite ihm auch die angekündigte „erweiterte Ruhezeit“ über Ostern. Mit einem #wirbleibenzuHause sei das sicher nicht getan, so Schuster.

Das Tübinger Modell halte der Landrat „für eine gute Geschichte“, sagte er. Bekanntlich führt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) ein Projekt durch, mit dem Restaurants und Theater während der Pandemie wieder geöffnet werden können. Bürger bekommen nach einem negativen Corona-Test das sogenannte Tübinger Tagesticket, das zum Besuch von Kultureinrichtungen und Außengastronomie berechtigt. Ähnliche Konzepte seien von Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker mit Unterstützung aus Bonn und Aachen bei einer regionalen Telefonkonferenz angeregt worden. Regierungspräsidentin Gisela Walsken wolle eine Lösung nur innerhalb des Regierungsbezirks. Der Geschäftsführer der Regionale 2025, Reimar Molitor, habe den Auftrag, ein Konzept mit Hilfe einer Kontakt-App auszuarbeiten. An diesem Dienstag soll das in einer Telefonkonferenz konkretisiert werden.

Impfungen: Unterdessen gehen die Impfungen auch der priorisierten Berufsgruppen weiter. Nachdem die Impfungen mit Astrazeneca ja gestoppt worden waren und am vergangenen Freitag wieder grünes Licht gegeben wurde, habe man so schnell die Impfungen am Wochenende nicht fortsetzen können. Jene Lehrer und Erzieherinnen, deren Termine gestrichen werden mussten, bekommen neue Codes, mit denen sie sich wieder anmelden können, sagte Gesundheitsdezernent Dieter Schmitz. Dabei wird das Impfzentrum von weiteren 35 sogenannten Impfstraßen unterstützt. Das sind Arztpraxen über das Kreisgebiet verteilt, die dabei helfen Lehrer von Grund- und Förderschulen, Erzieherinnen und Mitarbeiter von Tagespflege und ähnlichen Einrichtungen dezentral zu impfen. Sie bekommen überwiegend den Impfstoff von Astrazeneca, das Personal aus den Eingliederungshilfen bekommt Moderna gespritzt. 10.000 Impfdosen sind an die dezentralen Impfstraßen gegangen. Wie berichtet, erhält das Impfzentrum selbst zusätzliche Kontingente für die Impfung dieser besonderen Personen. In dieser Woche waren das 4000 Dosen Biontech, 3200 Dosen Astrazeneca und damit zunächst etwa 1900 weniger als sonst. Die Menge der Impfdosen werden den Impfzentren jeweils Woche für Woche mitgeteilt, hieß es. Insgesamt wurden im Kreis rund 65 000 Menschen geimpft, davon die Hälfte im Impfzentrum.

Werden bei Impfungen in Pflege- und Betreuungseinrichtungen Priorisierungen nicht eingehalten?

Die GA-Redaktion hat zuletzt einige anonyme Hinweise aus Rheinbach und Bornheim bekommen. Schuster ärgerte sich darüber. Auch der Kreis bekomme immer wieder solche Anzeigen. „Wenn es darum geht, dass am Ende des Tages fünf, sechs oder sieben Spritzen übrig sind, die dann in einen vermeintlich falschen Oberarm gespritzt werden, statt sie zu entsorgen, kann ich damit leben. Das sind Einzelfälle. Es wird auf keinen Fall großflächig gegen die Impfvorschriften verstoßen“, so Schuster. Schmitz erklärte, dass bei Impfaktionen in Seniorenwohnanlagen auch bis zu zwei Kontaktpersonen geimpft werden können.