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Tag des offenen Denkmals: Diese Denkmäler öffneten im Rhein-Sieg-Kreis

Tag des offenen Denkmals : Diese Denkmäler öffneten im Rhein-Sieg-Kreis

Ein Gartendenkmal und seine Geschichte, die Siegburger Schatzkammer und ein alter Fachwerkhof – auch im Rhein-Sieg-Kreis hatten am Sonntag einige Denkmäler anlässlich des Tags des offenen Denkmals geöffnet.

Sankt Augustin. Seit 1980 ist auf dem alten Mendener Friedhof niemand mehr beerdigt worden, 2005 lief die Ruhefrist ab. Grabesruhe herrscht am Eckgrundstück der Mittelstraße zur Burgstraße deswegen aber noch lange nicht: Seit 1989 ist der Friedhof als Gartendenkmal anerkannt und wurde als solches zwischen 2003 und 2006 zu einem parkähnlichen Areal mit Zeugnissen der Mendener Ortsgeschichte umgestaltet. Zum Tag des offenen Denkmals ermöglichte der frühere Kulturamtsleiter Bert Stroß, in dessen Amtszeit die Neugestaltung des Friedhofs fiel, einen spannenden Einblick hinter die Kulissen der lokalen Bestattungskultur.

„Der Mendener Heimatforscher Paul Henseler hatte vor der Umgestaltung eine lange Liste an Grabsteinen zum Erhalt vorgeschlagen, darunter der erste Postbote oder der erste Arzt des Ortes. Leider hat man sich für ein anderes Konzept entschieden, sodass diese Steine leider alle nicht erhalten geblieben sind“, so Stroß. Geblieben sind die offiziell denkmalwürdigen Steine, aber auch die Wegebeziehungen und die Trauerhalle, die nicht nur ein Denkmal der Architektur der 1960er Jahre ist: 1988 hatte der Stadtrat den Kauf des Kunstwerks „Aufbrechender Sarg“ der damals in Sankt Augustin lebenden Künstlerin Yrsa von Leistner beschlossen, das heute die 2001 umfassend renovierte Trauer- und Gedenkhalle schmückt. Andere Relikte wie ein aufwendiges Holzkreuz erinnern an alte Mendener Familien, aber auch an jene Zeiten, in denen es im Ort noch diverse Schnapsbrennereien gab, in denen die Arbeiter der lokalen Industrie ihre Lohntüten ließen.

Siegburg. Eine Schatzkammer stellt man sich als dunklen abgeschotteten Raum vor. In der Siegburger Kirche Sankt Servatius jedoch steht das bedeutendste Objekt des Kirchenschatzes nicht mehr in einer solchen, sondern auf der Empore: der Annoschrein mit den Reliquien von Sankt Anno. Etwas separiert in der Mitte dominiert er die „Schreinempore“, wie sie Theologiestudent Benjamin Gerlich nennt. Er lädt jeden Besucher ein, sich anhand eines kleinen Führers die insgesamt fünf Großschreine und die dahinter liegende frühere Schatzkammer mit dem Bischofsstab von Sankt Anno anzuschauen.

Gold funkeln die kunstvoll gefertigten Schreine, deren Kern aus Eichenholz besteht, wie man am Beispiel des Apollinaris-Schreins ohne Verzierung in einer Vitrine am Durchgang zur ehemaligen Schatzkammer sehen kann. Darauf aufgetragen sorgen Blattgold, vergoldete Silber-, Bronze- oder Kupferfiguren, Bergkristalle, Edelsteine und kunstvolle Emaille-Arbeiten für das prächtige Aussehen der Kultgegenstände. Sie wurden im Mittelalter in Prozessionen durch die Straßen getragen, wie der Theologiestudent erzählt. Aus der Werkstatt des Nikolaus von Verdun, der auch den Kölner Dreikönigsschrein fertigte, stammt der Annoschrein aus dem Jahr 1183. Zu den weiteren Schätzen zählen der Apollinaris-Schrein im Hochaltar (um 1446), der Benignusschrein (um 1190), der Mauritius- und Innocentiusschrein (um 1185) und der Honoratusschrein (Anfang 13. Jahrhundert). Als goldene Häuser sollen sie die heilige Stadt Jerusalem repräsentieren und zählen zusammen mit zwei Tragaltären und zahlreichen Goldschmiedearbeiten zu den bedeutendsten Kirchenschätzen Europas.

Lohmar. Über 200 Jahre alt ist die L-förmige Hofanlage direkt neben der katholischen Kirche in Lohmar-Scheiderhöhe. Sie wurde zwischen 1817 und 1822 errichtet und beherbergte bis 1950, als dahinter ein Neubau entstand, die Schule und das Pfarrhaus. Auch danach noch wurde das prägnante Fachwerkgebäude als Lehrerwohnung genutzt. 1969 wollte die Gemeinde Lohmar das Haus im Zuge des Straßenbaus abreißen, der Rhein-Sieg-Kreis verhinderte dies jedoch. Als Kompromiss wurde die Eingangstreppe demontiert. 1979 verkaufte die Gemeinde das Haus an eine Großfamilie für 50 658 D-Mark, die bis 2010 mit sechs Kindern auf den 250 Quadratmetern wohnte.

2010 kauften Martina und Horst Furk das Anwesen und sanierten es. Seither nutzt die Künstlerin das Erdgeschoss als Atelier und Galerie. In der Küche entstand eine Silberschmiede, die anderen Räume dienen als Ausstellungsfläche. Das Obergeschoss ist an zwei weitere Künstlerinnen vermietet. Der Keller, in den hinab eine steile Stiege führt, wurde zu einem Veranstaltungsraum umgebaut. Dort erfahren die Besucher Details zur Geschichte des Hauses: 1825 ist als erster Bewohner Anton Steinbach verzeichnet, 1848 kaufte der Rat das Haus vom Gerber und Gastwirt Daniel Miesenbach für 2195 Reichsmark. 1849 nahm Lehrer Peter Becher den Schulbetrieb darin auf. Als letzte Lehrerfamilie ist eine Familie Breuer verzeichnet.