1. Region
  2. Sieg & Rhein
  3. Siegburg

Wohnen in Siegburg: Diskussion um den früheren Sportplatz an der Waldstraße

Wohnen in Siegburg : Diskussion um den früheren Sportplatz an der Waldstraße

Seit Jahren liegt der frühere Sportplatz des Siegburger SV brach. Das will die Politik ändern und die Weichen für eine künftige Bebauung des Areals an der Waldstraße stellen. Im Vorfeld haben Bürger die erarbeiteten Varianten bewertet. Daraus ziehen die Fraktionen indes unterschiedliche Schlüsse.

Das Schild über dem Eingang trägt noch den Schriftzug Siegburg 04 – die Zeiten, in denen die Mannschaften des Siegburger SV 04 auf dem Sportplatz an der Waldstraße spielten, sind indes längst vorbei. Seit Jahren liegt das Areal, das seit 2015 wieder in der Verantwortung der Stadt ist, brach. Über seine Zukunft haben sich Planer im Auftrag der Stadt Gedanken gemacht und unterschiedliche Szenarien einer möglichen Nutzung entworfen. Mit der Festlegung auf eine der zuletzt zwei verbliebenen Varianten will die Mehrheitskoalition aus SPD, Grünen und FDP nun die Weichen für die künftige Bebauung stellen.

Eigentlich sollte ihr Antrag schon Anfang der Woche diskutiert werden. Doch angesichts des aktuellen Infektionsgeschehens hat die Verwaltung die Sitzung des zuständigen Planungsausschuss abgesagt, sie soll an einem neuen Termin nachgeholt werden. Dann will die Ampelkoalition ihre Idee von einer „nachhaltigen, energieneutralen und zeitgemäßen Wohnanlage“ auf den Weg bringen. Mit ihrem Ja zur Variante 1 folgen SPD, Grüne und FDP der Empfehlung des Planungsbüros Reicher Haase Assoziierte (RHA), setzen aber eigene Schwerpunkte.

Viel spricht für Variante 1

Die Planer aus Dortmund hatten zunächst vier Varianten für eine Bebauung der etwa 1,5 Hektar großen Fläche ausgearbeitet. Die Mehrheitskoalition legte sich dann im Frühjahr auf zwei dieser Vorschläge fest. Beide Varianten, die auch den Bedarf einer Erweiterung der benachbarten Nordschule berücksichtigen, wurden im Sommer in einer Bürgerinformation vorgestellt. Nach Auswertung des Workshops und einer anschließenden Online-Befragung sehen die Planer zwar eine Tendenz zur Variante 1, aber auch noch offene Fragen, etwa beim den Themen Verkehr oder bezahlbarer Wohnraum.

Auch für die Koalition spricht viel für Variante 1: Unter anderem nehme die Erweiterung der Nordschule weniger Fläche ein, wodurch mehr Wohnraum geschaffen werden könne. 70 bis 80 statt der bisher vorgesehenen 50 bis 60 Wohnungen möchten sie realisieren. Dafür sollen auf dem Gelände sechs höchstens viergeschossige, energie- und CO2-neutrale Mehrfamilienhäuser mit je zwölf Wohnungen für ein Mehrgenerationenwohnen entstehen. Über eine zentrale Energieversorgung erhalten soll zusätzliche Energie erzeugt werden.

Idee von einem autofreien Viertel

Vor allem aber möchte die Koalition mit dem Viertel einen großen Schritt in Richtung zukünftige Mobilität gehen, wie die Fraktionsvorsitzenden Frank Sauerzweig (SPD), Astrid Thiel (Grüne) und Matthias Horn (FDP) betonen: Es soll autofrei sein, Car- und Bike-Sharing-Plätze sowie eine E-Tankstelle haben und nur für die Hälfte der Wohnungen einen Parkplatz vorsehen. Und auch für die Nordschule haben SPD, Grüne und FDP konkrete Ideen: Ihre Mensa soll so geplant werden, dass sie außerhalb der Schulzeiten auch auch als Gemeinschaftsraum für das Viertel genutzt werden kann.

Kritik für die Ideen der Mehrheitskoalition gibt es von der CDU. Diese „widersprechen den in der Bürgerbeteiligung vorgetragenen Anliegen und Bedenken aus der Bürgerschaft“, sagt CDU-Fraktionschef Jürgen Becker. Zudem seien sie ein Schlag gegen den Klima- und Umweltschutz. So werde durch die vorgesehene Bebauung die vorhandene Klimaschutzzone zerstört und eine große Fläche versiegelt. Die Christdemokraten fürchten durch die Bebauung auch mehr Verkehr im Viertel in der Nordstadt und, wenn es nur für die Hälfte der Wohnungen Parkplätze gebe, noch größere Parkraumnot in den umliegenden Straßen.

Die Koalition lege sich zu einem Zeitpunkt fest, an dem Untersuchungen zum Bedarf an Raum für Nordschule, OGS und Gemeinschaftseinrichtungen noch ebenso ausstünden wie solche  zu verschiedenen städtischen Konzepten, kritisiert die CDU weiter und kündigt an, im weiteren Verfahren eigene konkrete Pläne vorzulegen.