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Kirche als Bürgerhaus: Eine Zukunft für Sankt Elisabeth in Siegburg

Kirche als Bürgerhaus : Eine Zukunft für Sankt Elisabeth in Siegburg

Trotz sinkender Mitgliederzahlen hält die Siegburger Pfarrgemeinde Sankt Servatius an ihren Kirchen fest. Gemeinsam mit ihren Mitgliedern sucht sie nach Wegen, die Kirchen weiter zu finanzieren.

Vor mehr als 60 Jahren ist sie an zentraler Stelle im Siegburger Stadtteil Deichhaus entstanden. In einer Zeit, als die katholische Gemeinde ihrer steigenden Mitgliederzahl mit dem Bau neuer Pfarrkirchen begegnete. Inzwischen steht Sankt Elisabeth nicht mehr allein auf freiem Feld, sondern ist von enger Bebauung umgeben. Und die Zahl der Mitglieder der Siegburger Pfarrgemeinde Sankt Servatius sinkt. Gleichwohl will die Pfarrgemeinde an der 1959 geweihten Kirche festhalten. Deswegen geht sie neue Wege und sucht nach Modellen, um sich weiter auf dem Deichhaus behaupten zu können – und nimmt ihre Gemeindemitglieder mit.

Vor ein paar Jahren sah das noch anders aus. Wie berichtet, hatte die Pfarrgemeinde damals ihre Standorte und Immobilien hinterfragt, auf den Prüfstand gestellt und ein Konzept erarbeitet. „Sankt Elisabeth stand damals auf Verkauf“, sagt der leitende Siegburger Pfarrer Karl-Heinz Wahlen. Von der damaligen Idee, das Gemeindeleben an wenigen zentralen Stellen zu bündeln, sei das Erzbistum Köln inzwischen abgerückt. „Es hat sich nicht bewährt“, sagt Wahlen, der seit zwei Jahren Pfarrer in Siegburg ist. Die Menschen ziehe es in die Kirche in ihrem engen Lebensumfeld. Deswegen finde inzwischen auch wieder jede Woche ein Gottesdienst in Sankt Elisabeth statt. „Seit der Corona-Pandemie brauchen wir so große Kirchen schon allein wegen des Platzes“, sagt Wahlen. Auch die Kommunionsmessen seien bereits zum zweiten Mal wieder in den Stadtteilen gefeiert worden, auch am Deichhaus.

„Vor zwei Jahren ist die Bürgergemeinschaft Deichhaus mit der Frage an uns herangetreten, ob wir uns vorstellen könnten, die Kirche zu einem Bürgerhaus umzugestalten“, berichtet der Geistliche. Schon seit Längerem suche die Bürgergemeinschaft nach einem zentralen Ort der Begegnung für die Menschen in ihrem Stadtteil. Sie ist seit ein paar Jahren auch Träger der neben dem Gotteshaus gelegenen früheren katholischen Kindertagesstätte. „Wir haben in zwei Pfarrversammlungen über die Idee gesprochen“, sagt er. Mit dem Ergebnis, dass sich die Gemeinde eine Zusammenarbeit grundsätzlich vorstellen kann. Allerdings nur unter der Bedingung, dass auch die Gemeinde die Kirche wie bisher nutzen kann.

Erster Zwischenbericht im Juni

„Der Vorteil wäre, dass das Gebäude besser ausgelastet ist, Menschen zu uns kommen, die sonst den Weg nicht fänden, und die anfallenden Kosten geteilt werden könnten“, hebt Wahlen hervor. „Die Frage ist, wie bekommen wir das umgesetzt“, sagt er weiter. Das untersucht die Architektin Mirjam Broich seit Anfang des Jahres im Auftrag der Pfarrgemeinde. Einen ersten Zwischenbericht will sie am 17. und am 22. Juni den Gemeindemitgliedern in Sankt Elisabeth vorstellen.

„Wir wollen das Echo der Menschen hören“, erklärt Wahlen. Die Gemeindemitglieder seien gefragt, mit zu denken und auch mit zu entscheiden. Und sollen dabei auch eigene Ideen einbringen. „Wir stehen noch am Anfang eines Prozesses“, hebt Detlef Kössendrup, Verwaltungsleiter der Gemeinde, hervor. Es gebe noch keine konkreten Ergebnisse, sondern nur eine Analyse der Möglichkeiten. „Für die Gemeinde ist es neu, dass sie vor einer Entscheidung befragt wird“, sagt Martina Sedlaczek, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates. Diese Art des Gesprächsprozesses sei ein Versuch. Dass das Interesse grundsätzlich vorhanden ist, haben die neuen Pfarrversammlungen an den verschiedenen Kirchtürmen der Siegburger Großgemeinde bereits gezeigt, berichtet Wahlen. „Neu ist, dass es jetzt um ein konkretes Projekt geht: das Fortbestehen dieser Kirche“, sagt Sedlacek.

„Es soll am Ende das rauskommen, was die Gemeinde will“, betont Wahlen. Mit Blick auf die Finanzen gibt er indes zu bedenken. „Eine Partnerschaft könnte zum Erhalt der Kirche hilfreich sein.“ Mit den Rückmeldungen aus den beiden Veranstaltungen, zu denen jeweils 40 Personen kommen können, wollen sich anschließend Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand auseinandersetzen und eine Entscheidung treffen. Bis dahin stehe die Gemeinde auch in enger Absprache mit der Bürgergemeinschaft, die an einer schnellen Lösung interessiert sei.