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Nachhaltigkeit im Alltag: Einkaufen ohne Plastikverpackungen - geht das?

Nachhaltigkeit im Alltag : Einkaufen ohne Plastikverpackungen - geht das?

Zwischen Hygienegesetz und Umweltschutz: GA-Mitarbeiterin Marie Schneider bringt Frischhaltedosen in den Supermarkt mit und testet, ob Lebensmittelhändler das dulden.

Mit zwei Frischhaltedosen in der Hand steuere ich auf die Käse- und Wursttheke des Supermarktes zu. „Ein Stück Parmesankäse, bitte“, sage ich dem Verkäufer und schiebe schnell hinterher: „Könnten Sie mir das bitte in diese Dose legen?“ Mein Ziel für den Einkauf: keine Verpackungen mit nach Hause nehmen. Der Verkäufer bittet mich, meine Dose auf den Tresen zu stellen und legt den Käse hinein. Beflügelt von dem Gedanken, die Welt ein bisschen besser gemacht zu haben, verlasse ich das Geschäft – ohne Verpackungen.

Mein Versuch ist geglückt, doch nicht jeder, der mit seiner Dose einkaufen geht, ist so erfolgreich. Immer wieder höre ich, dass manche Geschäfte die mitgebrachten Dosen nicht dulden. Das Ehepaar Birgit Rolke-Moretto und David Moretto aus Sankt Augustin versucht schon seit einigen Jahren, ohne Plastik zu leben (der GA berichtete) und muss immer wieder lange suchen, um plastikfreie Produkte zu finden. Für sie ist neben dem Umweltschutz vor allem der Schutz der eigenen Gesundheit ausschlaggebend für ein Leben mit weniger Kunststoff. Denn Mikroplastik ist mittlerweile auch in der Nahrung zu finden. Inspiriert von einem der vielen Vorträge, die Moretto über die Änderung seines Lebensstils hält, versuche ich weiter, mit meinen Frischhaltedosen einkaufen zu gehen. Doch warum unterstützen einige Supermärkte, Metzgereien und Bäckereien die Maßnahmen für weniger Plastikverbrauch, während andere behaupten, nichts in die mitgebrachten Dosen füllen zu dürfen?

Ketten entwickeln Systeme für plastikfreien Einkauf

„Das Hygienerecht ist sehr allgemein gefasst. Der Grundsatz lautet: Lebensmittel müssen vor nachteiliger Beeinflussung geschützt sein“, erklärt Johannes Westarp, Leiter des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamts des Rhein-Sieg-Kreises. Faktoren, die bei der nachteiligen Beeinflussung eine Rolle spielen können, seien beispielsweise unreine Luft, schmutzige Hände oder eben auch eine mitgebrachte Dose. „Das Problem ist, dass ein Gegenstand in den Bereich der Lebensmittel gebracht wird, von dem die Hygiene nicht klar ist“, sagt Westarp. Im Prinzip seien die Läden selbst verantwortlich. Zurzeit sei zu beobachten, dass große Supermarktketten eigene Systeme entwickeln, um das plastikfreie Einkaufen zu ermöglichen, erläutert der Amtsleiter. Diese könnten dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (Lanuv) vorgestellt werden. Westarp: „Das Lanuv müsste eine landesweite Lösung entwickeln. Anschließend könnten diese Vorschriften der EU vorgestellt werden, um einen gesetzlichen Charakter zu erhalten. Die Konzepte werden mit Sicherheit in Leitlinien übergehen. Aber das kann noch dauern.“

Ein mögliches System entdecke ich in der Fleischerei Hielscher in Siegburg, die seit einigen Wochen dafür wirbt, eigene Frischhaltedosen mitzubringen. „Wir dürfen die Dosen nicht anfassen, aber wir haben extra Tabletts dafür“, sagt Elke Wielpütz von der Fleischerei. Der Kunde kann seine Dose auf den Tresen legen und die Metzger reichen die abgewogene Ware auf dem Tablett über die Theke, sodass der Kunde seine Dose befüllen kann. „Für uns macht es überhaupt keine Umstände“, so Wielpütz.

Schulungen für Umgang mit mitgebrachten Dosen

Auch bei den großen Supermarktketten ist plastikfreies Einkaufen ein immer wichtigeres Thema. Bei Edeka in Seelscheid findet der Kunde in der Obst- und Gemüseabteilung seit etwa zwei Monaten keine Plastiktüten mehr. Dort können die Lebensmittel in Körbe gelegt und bei Bedarf an der Kasse in Papiertüten umgefüllt werden. Und auch Rewe testet seit Kurzem in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland den Verkauf von Bio-Obst und -Gemüse weitgehend ohne Plastikverpackung. An der Käse- und Wursttheke sind die mitgebrachten Dosen ein Thema: „Es sind Schulungen geplant, damit wir wissen, wie wir ohne Risiken mit den Dosen umgehen können“, berichtet Peter Kammerich, Abteilungsleiter der Metzgerei im Rewe XXL in Hennef.

Doch ganz ohne Plastik geht es noch nicht. Häufig legen die Metzger beim Wiegen ein Stück Kunststoff unter die Wurst, damit zwei verschiedene Fleischsorten nicht miteinander in Berührung kommen. Die Plastikfolie landet danach meistens im Müll. „Es sei denn, der nächste Kunde möchte die gleiche Ware“, erklärt Miroslawa Elendt, Verkäuferin bei Edeka. So sehr ich mich auch bemühe, leider kann ich nicht immer verhindern, dass mein Stück Fleisch oder Käse ohne die Verwendung von Plastik in meiner Dose landet. Auch Moretto hat häufig noch Probleme, plastikfreie Produkte zu finden: „Es ist nicht einfach, aber es ist mir sehr wichtig, und deshalb lohnt sich der Aufwand.“