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Rettungsdienst im Rhein-Sieg-Kreis: „Er war seiner Zeit weit voraus“

Rettungsdienst im Rhein-Sieg-Kreis : „Er war seiner Zeit weit voraus“

Frank Riebandt, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Kreis, geht Ende März in Ruhestand. Er war 25 Jahre im Dienst.

Er hat sein Leben der Notfallmedizin verschrieben und beim Rhein-Sieg-Kreis Pionierarbeit geleistet: Nun geht Frank Riebandt als Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes in den Ruhestand. „Er war seiner Zeit damals weit voraus und hat den Rettungsdienst dahin gebracht, wo er jetzt steht“, sagt Reiner Dahm, Amtsleiter für Bevölkerungsschutz des Kreises, gestern bei der offiziellen Verabschiedung mit Landrat Sebastian Schuster. Seinen letzten Arbeitstag hat der 65-Jährige Ende März. Dann kann er laut Schuster als Dank für seine Arbeit auch mit „Geschenken im großen Umfang“ rechnen.

Alles beginnt vor gut 25 Jahren mit einem Anruf: Damals ereilt Riebandt die Frage, ob er im Ausschuss für Katastrophenschutz des Kreises nicht mal über Notfallmedizin referieren könnte. Der Oberarzt und aktive Notarzt im Siegburger Krankenhaus sagt zu – und setzt damit eine kleine Lawine in Gang. „Der Ausschuss fand das so wichtig, dass ich als Experte immer wieder referiert habe“, erzählt er. Schließlich beauftragt der Kreis Riebandt damit, ein professionelles System aufzubauen.

Ab 1991 ist der Facharzt für Anästhesiologie zunächst zu 50 Prozent als Koordinierender Leitender Notarzt vom Krankenhaus abgeordnet, 2002 wechselt er komplett in die Kreisverwaltung. „Wie immer im Leben muss man Grundsatzentscheidungen treffen“, sagt der 65-Jährige, der zwischen einer Chefarztstelle und dem Kreis wählen konnte. „Ich habe mich dazu entschieden, dem Rettungsdienst treu zu bleiben. Und das war eine gute Entscheidung.“ Natürlich habe er die unmittelbare Versorgung der Patienten vermisst, aber Konzepte zu entwickeln, komme auch den Patienten zugute. Und Riebandt betont: Als leitender Notarzt habe er ebenfalls Gelegenheit gehabt, Menschen zu versorgen. Der letzte Einsatz dieser Art liegt noch nicht lange zurück: Er war in Lohmar, als ein Vater im Februar seine Kinder aus dem Fenster einer Flüchtlingsunterkunft warf.

Welche Erlebnisse der vergangenen 25 Jahre ihm am stärksten in Erinnerung geblieben sind, darauf möchte er sich nicht festlegen. „Es gibt unendlich viele Situationen, die sich einem Notfallmediziner einbrennen – traurige, aber auch hoffnungsfrohe“, sagt Riebandt. Was ihn aber zutiefst freue: Wenn nach vielen Jahren nochmals Material zu einem bestialischen Mord angefordert werde, bei dem er als Notarzt gewesen sei.

Insgesamt blickt Riebandt auf viele Projekte zurück. 1992/93 hat er eine Leitende Notarztgruppe aufgebaut, um bei Ereignissen mit vielen Verletzten einheitlich aufgestellt zu sein. Der Kreis sei dabei „Schrittmacher“ gewesen und habe mit dem Aufbau einen Meilenstein in der präklinischen Notfallversorgung gesetzt, so Riebandt, der allen am Rettungsdienst Beteiligten für ihre Mitwirkung dankt. Zudem hat der 65-Jährige den Rettungsdienst gemeinsam mit den Hilfsorganisationen vereinheitlicht. Zuvor waren etwa die Rettungswagen nicht mit den gleichen Medikamenten bestückt.

Ein großes Anliegen war ihm auch die Frühdefibrillation durch Rettungsdienstkräfte. „Heute findet es jeder völlig normal, dass etwa in Sparkassen Defibrillatoren hängen“, sagt Riebandt. Vor 20 Jahren sei man aber der Auffassung gewesen, dass es nur Ärzte machen dürften. „Aber das konnte ich bei unserem Flächenkreis nicht verantworten. Das Gehirn ist bereits nach fünf Minuten abgestorben“, sagt der 65-Jährige. Darüber hinaus engagierte er sich etwa als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Notärzte NRW und im Landesfachbeirat für den Rettungsdienst. „Dadurch haben wir auch frühzeitig jede Menge Input erfahren“, sagt Dahm. „Es tut ein Stück weit weh, dass wir ab April neue Wege gehen. Aber Riebandt hat sich den Ruhestand redlich verdient.“ Nach ihm übernimmt Christian Diepenseifen aus Bad Honnef, ebenfalls Facharzt für Anästhesiologie, das Amt.

Auch wenn Riebandt bald sein „schönes Privatleben“ in Köln und der Steiermark bei seiner Frau genießt, bleibt er der Notfallmedizin weiter treu – als Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Notärzte und mit einem Lehrauftrag an der Bonner Uni.