Ergebnisse der Europawahl Grüne verlieren im Rhein-Sieg-Kreis klar

Region · Die CDU hat sich bei der Europawahl im Rhein-Sieg-Kreis als stärkste Kraft erwiesen. Die AfD legte deutlich zu, die Grünen mussten deutliche Verluste hinnehmen. Die Ergebnisse im Überblick.

Bei der Stimmauszählung: Siegburger Wahlhelfer beginnen am Abend der Europawahl im Wahllokal Alfred Keller-Schule mit ihrer Arbeit.

Bei der Stimmauszählung: Siegburger Wahlhelfer beginnen am Abend der Europawahl im Wahllokal Alfred Keller-Schule mit ihrer Arbeit.

Foto: Paul Kieras

Bei der Europawahl im Rhein-Sieg-Kreis konnte die CDU eine stabile Mehrheit für sich verbuchen. Sie kam bei dem vorläufigen Ergebnis auf 33,58 Prozent der Wählerstimmen. Die Grünen verlieren gegenüber ihrem Ergebnis von 2019 rund zehn Prozentpunkte und kommen nur noch auf 14,04 Prozent. Die SPD hat noch mehr an Boden verloren und verzeichnete 14,66 Prozent. Die AfD wurde zweistellig und erreichte 11,69 Prozent. Die FDP erhielt 7,65 Prozent. Das Bündnis Sahra Wagenknecht kam auf 4,51 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 68,06 Prozent, eine leichte Steigerung gegenüber den 65,92 Prozent vor fünf Jahren.

Ab 16 Jahren wahlberechtigt

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Den Tag über war die Stimmung in den Wahllokalen gut. „Es ist ein ständiges Kommen und Gehen“, berichtete am frühen Nachmittag etwa eine der Wahlhelferinnen vor den beiden Wahllokalen in der Turnhalle der Siegburger Grundschule Nord. Je nach Wahlbezirk ging es für die Wähler in die Damen- oder Herrenumkleidekabine, um darin in der Wahlkabine ihre Stimme abzugeben.

Der Wahlzettel war lang, 34 Parteien und Gruppierungen standen im Rhein-Sieg-Kreis zur Wahl. Wer sich die Wartezeit verkürzen wollte, konnte sich vor dem Wahllokal auf einem ausgehängten Musterwahlzettel über die Wahlvielfalt informieren. Eine 16-Jährige, die selbst zum ersten Mal ihr Kreuz bei einer Wahl machen durfte, nahm ihn genau in Augenschein. Eine Gruppe junger Frauen und Männer, die mit Skateboard unter dem Arm und Bierflasche und Cola in der Hand eintraten, interessierte er eher weniger. Sie steuerten zielstrebig den für sie richtigen Wahlraum an.

Europawahl im Rhein-Sieg-Kreis: Zufriedenheit bei der CDU

Nach Schließung der Wahllokale um 18 Uhr waren es die Windecker, die nach 20 Minuten mit dem ersten ausgezählten Wahlkreisergebnis punkten konnten. Die Kreisparteien sahen das Votum insgesamt mit gemischten Gefühlen: „Mit dem Ergebnis für die CDU können wir im Rhein-Sieg-Kreis zufrieden sein“, sagte Oliver Krauß, Parteivorsitzender der CDU Rhein-Sieg mit Blick auf das Wahlergebnis. Gleichwohl halte sich seine Freude in Grenzen, es sei bitter, dass die CDU nicht mehr von dem schlechten Abschneiden der Ampel profitiert habe. „Wir sind weit entfernt von dem, was im Kreis möglich wäre“, so der Landtagsabgeordnete. Er sieht deutliches Verbesserungspotenzial: „Gerade bei den jungen Menschen müssen wir noch mehr auf die CDU hinweisen.“ Die Europawahl sei von nicht wenigen als Denkzettelwahl genutzt worden. „Das ist ein fatales Signal für die Landtagswahlen im Herbst“, so Krauß. Es gelte nun, als demokratische Parteien dagegen zu halten.

Sebastian Hartmann, Vorsitzender der SPD Rhein-Sieg, gratulierte zunächst der CDU, „die wiederholt die Spitzenkraft im Rhein-Sieg-Kreis geworden ist.“ Strategisches Ziel der SPD sei es gewesen, nicht noch einmal hinter den Grünen zu liegen. Das sei zwar gelungen, allerdings habe die SPD ihr ohnehin schon schwaches Ergebnis der Europawahl 2019 nicht halten können.

„Das Ergebnis der AfD muss dem gesamten demokratischen Spektrum zu denken geben“, sagte Hartmann. Für die SPD gelte es nun, die Ärmel hochzukrempeln und an ihrer Kommunikation zu arbeiten: „Wir müssen besser werden“, so der Sozialdemokrat.

„Es ist traurig, dass wir im Vergleich zur letzten Europawahl einen so deutlichen Einbruch erlitten haben“, kommentierte Pauline Gödecke, Vorsitzende der Grünen im Rhein-Sieg-Kreis, das Wahlergebnis ihrer Partei. Es bewege sich allerdings im Trend von Bundes- und Landtagswahl. „Wir müssen genauer hinschauen, woran es liegt, dass wir mit unseren Zielen wie Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit weniger Menschen erreichen“, sagte sie. Jetzt gelte es, die Herausforderung anzunehmen und die Wähler zurückzugewinnen.

Eine gewisse Erleichterung verspürte Nicole Westig, Vorsitzende der FDP Rhein-Sieg, am Wahlabend. „Im Rhein-Sieg-Kreis haben wir das Ergebnis von der letzten Europawahl ungefähr gehalten, deswegen bin ich vorsichtig optimistisch“, sagte die Bundestagsabgeordnete. Im Rhein-Sieg-Kreis gebe es weiterhin eine starke liberale Kraft, daran wolle man weiterarbeiten. „Ich freue mich über die hohe Wahlbeteiligung, das ist ein gutes Zeichen für die Demokratie“, so Westig. Das Wahlverhalten junger Menschen sei allerdings ein Anlass zu Sorge. „Darüber müssen wir uns Gedanken manchen.“

„Als AfD Rhein-Sieg freuen wir uns, mit Irmhild Boßdorf eines unserer Mitglieder ins künftige EU-Parlament zu entsenden“, sagte der Kreissprecher der AfD, Tobias Ebenberger.

Im Rhein-Sieg-Kreis waren insgesamt 465.000 Wählerinnen und Wähler an die Urnen gerufen. Erstmals durften auch Jugendliche ab 16 Jahren wählen. Das waren 10.200 junge Menschen unter 18 Jahren.

Europawahl im Kreis Neuwied und im Kreis Ahrweiler

Im Kreis Ahrweiler entfielen bei der Wahl zum EU-Parlament auf die CDU 37,7 Prozent, SPD 13,8 Prozent, Grüne 10,1 Prozent, AfD 11,2 Prozent, FDP 6,8 Prozent und Freie Wähler 4,9 Prozent.

Im benachbarten Kreis Neuwied kam die CDU auf 33,1 Prozent, die SPD auf 16,9 Prozent, Grüne 8,5 Prozent, AfD 15,1 Prozent, FDP 5,7 Prozent und Freie Wähler 4,1 Prozent.

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