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Prüffahrt mit großen EInsatzfahrzeugen: Feuerwehr Siegburg prüft Durchkommen in Wohngebieten

Prüffahrt mit großen EInsatzfahrzeugen : Feuerwehr Siegburg prüft Durchkommen in Wohngebieten

Ordnungsamt und Feuerwehr haben in Siegburg das Durchkommen großer Einsatzfahrzeuge in Wohngebieten kontrolliert. Manche Autofahrer zeigten beim Test keine Einsicht.

„Die haben wieder zu viel Zeit. Dann müssen die die Leute nerven“ – der Kommentar eines Autofahrers hat am späten Mittwochabend für Kopfschütteln bei Ordnungsamt und Feuerwehr gesorgt. Für mehr Empörung oder Fassungslosigkeit reichte es kaum, denn das, was die Ordnungskräfte und Lebensretter bei einer gemeinsamen Prüffahrt durch die Siegburger Wohngebiete erlebten und hörten, ist für sie Alltag. „Freie Fahrt für schnelle Hilfe“ heißt die regelmäßige Aktion von Feuerwehr und städtischem Ordnungsamt, bei der das Durchkommen der großen Fahrzeuge, wie das bis zu 16 Tonnen schwere und 340 PS starke Hilfeleistungslöschfahrzeug 20 (HLF20), durch die meist eng mit Autos zugeparkten Straßen getestet wird. Ohne Sonderrechte, aber in Begleitung des Ordnungsamts und regelmäßig auch mit der für Ordnung und Sicherheit zuständigen städtischen Co-Dezernentin Ulla Thiel. „Nach so einer Fahrt könnte man ein Buch der besten Ausreden schreiben“, resümierte Michael Ley von der Feuerwehr, während die Ordnungskräfte dem wenig einsichtigen Autofahrer ein Knöllchen an die Windschutzscheibe seines Kombis hefteten.

„Die Leute wollen nicht kapieren“

Dass es „die Leute einfach nicht kapieren“ wollen, wie es ein anderer Feuerwehrmann kommentierte, könnte in diesem Fall zutreffen: Erst vor knapp drei Monaten hatte es nur gut einen Meter neben dem falsch geparkten Auto einen Brand in einer Tiefgarage gegeben. Damals kam die Feuerwehr zum Glück durch, erinnert sich Ley: „Das ist aber nicht immer so. Manchmal sieht man die Einsatzstelle, sieht den Rauch und man kommt nicht durch.“ Nicht selten gehe es dann erst einmal zu Fuß weiter oder es würden, wenn das Gerät benötigt wird, Fahr- und Rangierkünste abverlangt. „So etwas kostet einfach unglaublich viel Zeit. Bei manchen Notfällen sagt man, dass mit jeder Minute die Überlebenswahrscheinlichkeit um zehn Prozent sinkt.“ Mittlerweile liege die Quote jener Einsätze, bei denen Feuerwehr und Rettungsdienst durch falsch parkende Fahrzeuge ausgebremst werden, bei etwa 40 Prozent, schätzte Ley. Gerade in den Nachtstunden, wenn Autofahrer von der Arbeit zurück seien, häuften sich die Probleme.

Für die Prüffahrt hatten Ordnungsamt und Feuerwehr 16 Straßen mit neuralgischen Problemstellen vorbereitet. In manchen Straßen gab es keine Probleme, in manchen war es eng, aber die Durchfahrt möglich. So sei es häufig, zeigte Michael Ley in der Straße Im Mittelfeld: „Häufig kommt man immer noch irgendwie durch.“ So auch am Wendehammer der Mozartstraße, wo das schwere Einsatzfahrzeug aufwendig rangierten musste, um die Straße wieder verlassen zu können.

„Es reicht nicht, mit den Leuten zu reden“

Noch während das Ordnungsamt Knöllchen schrieb, besetzte ein schwarzer Mercedes eine noch freie Lücke in der Falschparkerreihe. „Es reicht heute nicht mehr aus, nur mit den Leuten zu reden“, sprach Co-Dezernentin Ulla Thiel, die bei der Erstellung der Liste für die Prüffahrt mitgewirkt hatte, aus Erfahrung: „Aber wenn die Leute erst einmal ein Einsatzfahrzeug in der Engstelle sehen, kommt meist ein Umdenken.“ Dass bekanntlich Ausnahmen die Regeln bestätigen, zeigte sich wenige Minuten später in der Hubertusstraße/Ecke Jakobstraße. Zwei Autos und ein weißer Lieferwagen parkten im engen Zick-Zack. Kein Problem für ein Auto oder einen kleinen Transporter, aber ein Riesenproblem für ein großes Feuerwehrfahrzeug. Auch der Fahrer eines der Fahrzeuge, der gleich um die Ecke wohnte, war um eine Ausrede nicht verlegen. Und andere Nachbarn, die vom eingeschalteten Blaulicht des Feuerwehrfahrzeugs aufgeschreckt worden waren, zeigten nur bedingt Verständnis „für das Theater“. Ein Grund mehr, warum die Feuerwehr die Aktion auch weiterhin regelmäßig durchführen wird.