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Gleichstellung im Rhein-Sieg-Kreis : Frauen-Aktionswoche rund um das Thema Geld

Gleichstellung im Rhein-Sieg-Kreis : Frauen-Aktionswoche rund um das Thema Geld

Frauen verdienen weniger als Männer, haben weniger Vermögen, weniger Rente. Trotzdem kümmern sich viele nicht ums Geld. Die Gleichstellungsbeauftragten des Rhein-Sieg-Kreises und aus Bonn rücken daher in einer kreisweiten Themenwoche grundlegende Finanzthemen für Frauen in den Fokus.

Die Zahlen sprechen für sich. Zwei von drei Frauen haben Schwierigkeiten, für ihr Alter oder krankheitsbedingte Ausfälle vorzusorgen. Sie verdienen weniger als Männer, haben dadurch weniger Vermögen und bekommen schließlich auch weniger Rente. Die Troisdorfer Gleichstellungsbeauftragte Petra Römer-Westarp spricht sogar von 50 Prozent, die den Unterschied zwischen der Rente eines Mannes und der einer Frau ausmachen. „Frauen müssten sich mehr um das Thema Finanzen kümmern“, sagt Katja Milde, Gleichstellungsbeauftragte des Rhein-Sieg-Kreises, die die Zahlen am Mittwoch vorlegt. Deswegen spricht die kreisweite Themenwoche „Let’s talk about money“ gezielt Frauen auf das Thema Finanzen an.

Zwei Wochen lang bieten die Gleichstellungsbeauftragten der Kreiskommunen, des Kreises und der Stadt Bonn dafür gemeinsam Vorträge rund um Finanzfragen, die Frauen betreffen, an. Neben fünf Online-Vorträgen gibt es in der Zeit von Montag, 17. Oktober, bis Donnerstag, 27. Oktober, auch zwei Vorträge im Kreishaus in Siegburg. „Wir haben renommierte Referentinnen gewinnen können“, sagt Inga Josko, stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte des Rhein-Sieg-Kreises. Die Finanzexpertinnen Helma Sick, Birgit Happel und Bloggerin Dani Parthum greifen dabei Fragen rund um Alterssicherung, Altersvorsorge und Geldbiografien auf. Familienanwältin Bärbel Müssig-Klein gibt juristische Tipps zu Ehevertrag oder Scheidung und Architektin Susanne Sielaff-Bock, die Gleichstellungsbeauftragte in Sankt Augustin ist, klärt darüber auf, wie Immobilien sinnvoll genutzt werden können.

„Wir möchten Frauen anregen, sich rechtzeitig Gedanken über ihre Zukunft zu machen“, sagt Katja Milde. Gerade in Krisenzeiten wie diesen sei es besonders wichtig, an das Geld und die Absicherung im Alter zu denken. „Ziel sollte es sein, im Alter finanziell unabhängig zu sein“, sagt Heike Blank, Gleichstellungsbeauftragte in Bornheim. Vor allem jüngere Frauen sollten das auf dem Schirm haben, ergänzt Petra Römer-Westarp. „Noch immer landet die Care-Arbeit überwiegend auf ihren Schultern“, sagt sie. Dafür gebe es später keinen finanziellen Ausgleich. Sie rät Frauen in Elternzeit zudem, diese auch mit Blick auf ihre Karriere zu nutzen. „Man kann zum Beispiel eine Weiterbildung machen“, sagt sie. Das könne nach dem beruflichen Wiedereinstieg andere Türen öffnen.

Wie wichtig das Thema ist, hat Katja Milde auch noch einmal eine Befragung unter Mitarbeiterinnen der Kreisverwaltung bestätigt. Auf die Frage „Machen Sie sich Sorgen um ihr finanzielles Auskommen im Alter?“ hätten 45 Prozent der Befragten mit Ja geantwortet. „30 Prozent gaben an, den Gedanken daran zu verdrängen“, so Milde.

Angebot für Frauen jeden Alters

Das Interesse ist in jedem Fall da, schon jetzt haben die Gleichstellungsbeauftragten, die in einem Arbeitskreis auch mit den Beauftragten für Chancengleichheit der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg, der Jobcenter Bonn und Rhein-Sieg und dem Kompetenzzentrum Frau und Beruf Bonn/ Rhein-Sieg zusammenarbeiten, rund 100 Anmeldungen für die kostenfreien Vorträge. Die Online-Vorträge sehen sie als Vorteil. „Seit wir Online-Angebote machen, sind unsere Anmeldezahlen hochgegangen“, berichtet Petra Römer-Westarp aus Troisdorf. Gerade jüngere Frauen nutzten die Möglichkeit. Die Vorträge seien aber an Frauen jeden Alters gedacht, betont Milde. „Bei vielen Frauen ist die Scheu, über das Thema zu reden, noch immer da“, sagt sie. Schließlich hätten viele von ihnen noch erlebt, dass sie die Erlaubnis ihres Mannes brauchten, um überhaupt arbeiten zu dürfen. Erst in den 1970er Jahren sei das abgeschafft worden. Die Themenwoche sieht Milde als gutes Format, um Frauen niederschwellig zu informieren und ihnen die Möglichkeit zu geben, in einem geschützten Raum Fragen zu stellen.

Das Programm der Themenwoche sowie weitere Informationen zur Aktion „betrifft Frauen“ gibt es auf www.rhein-sieg-kreis/betrifft-frauen. Um Anmeldung für die Vorträge wird per E-Mail an gleichstellung@rhein-sieg-kreis.de oder per Anmeldeformular auf der Internetseite gebeten.