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Kommentar zum Schuldneratlas: Früher Aufklären

Kommentar zum Schuldneratlas : Früher Aufklären

Der Schuldneratlas ist immer auch ein Spiegel der sozialen Verhältnisse in der Region. In weiten Teilen ist die Situation im Rhein-Sieg-Kreis intakt und stabil, vor allem im Linksrheinischen.

Wo es aber sogenannte soziale Brennpunkte gibt, wo Leute mit niedrigerem Bildungs- und Einkommensniveau oder ohne Job leben, ist die Zahl der überschuldeten Privatpersonen höher. Zum Beispiel im Bonner Norden, in Teilen Troisdorfs und an der oberen Sieg. In Windeck und in Eitorf ist etwa jeder Achte überschuldet. Auch da zeigt sich: Die Gemeinden an der oberen Sieg sind das Armenhaus des Rhein-Sieg-Kreises.

Niedrige Mieten und Immobilienpreise ziehen sozial belastete Familien aus Ballungszentren an – eine Bevölkerungsgruppe, die offenbar dazu neigt, die eigene Finanzkraft zu überschätzen und die Risiken von Kreditgeschäften zu unterschätzen. Angefixt von „verlockenden“ Null-Prozent-Finanzierungen, lässt man sich zu Käufen verleiten, die man sich eigentlich nicht leisten kann. Dieses Konsumverhalten zieht sich allerdings durch alle soziale Schichten.

Da hilft nur eines: Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung. Die Schuldnerberatungsstellen in der Region leisten sicherlich gute Arbeit. Doch kommen sie meistens erst dann ins Spiel, wenn bei den Betroffenen der Leidensdruck groß und das Konto leer ist. Der richtige Umgang mit Geld, aber auch Themen wie Vorsorge und Absicherung – all dass muss früher und systematischer in die Köpfe gebracht werden. Nach Möglichkeit schon in der Schule.