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Sechseinhalb Jahre Haft für Juwelenraub: Geflohener Häftling aus Siegburg verurteilt

Sechseinhalb Jahre Haft für Juwelenraub : Geflohener Häftling aus Siegburg verurteilt

Er durchbrach mit dem Auto das Schaufenster eines Siegburger Juwelierladens. Dann entkam er den Justizbeamten am Amtsgericht und war drei Wochen auf der Flucht. Am Donnerstag hat das Bonner Landgericht den vielfach vorbestraften 24-Jährigen verurteilt.

Der spektakuläre Einbruch mit einem Auto in ein Juweliergeschäft in der Siegburger City war bis ins Detail vorbereitet: Vier Tage zuvor hatten die Täter einen Mitsubishi gestohlen und mit den Kennzeichen eines Mini versehen, sie stellten drei Fluchtfahrräder in der Nähe des Tatortes bereit. Am Tatabend dann das nervöse Warten auf einen „günstigen Moment“, derweil wurde gekokst, „um sich Mut zu machen“. Aber ein Liebespaar auf einer Parkbank störte das Trio zunächst erheblich bei seinem kriminellen Plan.

Es wurde 3.47 Uhr, bis einer der drei Männer den Mitsubishi rückwärts gegen die Glasfront des Juweliers an der Kaiserstraße rammte. Es brauchte mehrere Anläufe, auch Fußtritte der beiden Komplizen gegen die Ladentür, um sich Eintritt zu dem Geschäft zu verschaffen. Sachschaden: 27.000 Euro. Einen der drei Juwelenräuber hat das Bonner Landgericht am Donnerstag zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt.

Immer in Handschellen und Fußfesseln

Dem vielfach vorbestraften 24-jährigen Angeklagten wurden während des Prozesses die Handschellen und Fußfesseln nicht abgenommen. Auch nicht zur Urteilsverkündung. Er hatte im Oktober mit seiner spektakulären Flucht über die Dächer des Amtsgerichts in Siegburg für Schlagzeilen gesorgt. Mit einem Satz war er den Justizbeamten bei der Übergabe an die Kollegen des Gefangenentransporters entwischt und drei Wochen untergetaucht.

Der Angeklagte hatte den Juwelenraub gestanden. Auch, dass er die Idee hatte, ein Auto als Ramme zu benutzen. Angeblich hatte er von dieser Vorgehensweise in der Zeitung gelesen: Im September 2016 war derselbe Juwelierladen in Siegburg mit einem Auto geknackt worden. Die Richter schlossen jetzt nicht aus, dass der 24-Jährige bereits beim ersten Mal dabei war. Aber, so Kammervorsitzender Marc Eumann: „Feststellen konnten wir es nicht“.

Blut am Tatort überführte ihn eindeutig

Am 5. Juli 2017 jedenfalls war er sicher mit von der Partie. Bei dem Einbruch, der nur 38 Sekunden dauerte, hatte der Angeklagte „eine blutige Visitenkarte“ (Eumann) hinterlassen: Ein Blutstropfen an einem Preisschildchen sowie Faserspuren seiner Baseballkappe, die später bei einer Hausdurchsuchung bei ihm gefunden wurde.

Nicht gefunden wurde die Beute, Schmuck im Wett von 14 708,25 Euro, die die Täter auf der Flucht unter einem öffentlichen Mülleimer versteckten. Auch sie selbst standen mit leeren Händen da. Als sie am nächsten Tag den Schmuckbeutel abholen wollten, war er nicht mehr da. Ob ihn ein Flaschensammler oder vielleicht auch einer der Mittäter genommen hat - die Frage bleibt unbeantwortet.

Die Richter haben dem Angeklagten die Geschichte mit der verlorenen Beute geglaubt – warum sonst sei er bald darauf als Ladendieb mit vier „lächerlichen Videokassetten“ erwischt worden, wenn er nicht dringend Geld für seine Drogen gebraucht hätte.

Die Bonner Richter haben für den 24-Jährigen zudem die Unterbringung in eine Entziehungsanstalt angeordnet. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.