Medizinische Versorgung im Rhein-Sieg-Kreis Gesundheitsbündnis schlägt Alarm und fordert drei neue Geburtsstationen im Kreis

Rhein-Sieg-Kreis · Das Gesundheitsbündnis Bonn/Rhein-Sieg schlägt Alarm: Immer mehr Schwangere würden in Kliniken abgewiesen oder erreichten den Kreißsaal nicht rechtzeitig. Was das Bündnis jetzt fordert, um der angespannten Lage entgegenzuwirken.

 Das Gesundheitsbündnis fordert unter anderem: Der Kreißsaal in Bad Honnef soll wieder reaktiviert werden.

Das Gesundheitsbündnis fordert unter anderem: Der Kreißsaal in Bad Honnef soll wieder reaktiviert werden.

Foto: Frank Homann

Die Versorgungssituation werdender Mütter im östlichen Rhein-Sieg-Kreis, aber auch im rechtsrheinischen Bonn und entlang der südlichen Rheinschiene muss dringend verbessert werden. Das Gesundheitsbündnis Bonn/Rhein-Sieg fordert in der aktuell „heißen Phase“ der Verhandlungen zwischen Kliniken und Krankenkassen alle Beteiligten auf, „den Bedarf an wohnortnahen Geburtsstationen endlich zu berücksichtigen“.

Hintergrund sind die Vorbereitungen zur Reform der Krankenhausfinanzierung und die über die Landesregierung laufenden regionalen Planungsverfahren im sogenannten Versorgungsgebiet sechs, in dem die medizinische Versorgung der Menschen im Rhein-Sieg-Kreis, in der Bundesstadt Bonn und dem Kreis Euskirchen als Ganzes betrachtet werden. Das neue Finanzierungsmodell sieht unter anderem eine zumutbare Fahrtzeit von 40 Minuten für eine Geburtshilfe vor. Der Rhein-Sieg-Kreis hatte dies bereits im vergangenen Jahr in einer Resolution kritisiert. Diese Regelung begünstige die Kliniken in Bonn zum Nachteil des Rhein-Sieg-Kreises – „zumal je nach Wohnort nicht einmal diese Fahrtzeit eingehalten werden kann“, sagt Knut Kornau, einer der Sprecher des Bündnisses. Das hat noch mal alle Verhandlungspartner in der Region angeschrieben, darunter die Geschäftsführerinnen des Eitorfer St. Franziskus Krankenhaus GmbH, der GFO Rhein-Sieg in Troisdorf und der Kinderklinik Sankt Augustin sowie die federführende Krankenkasse IKK. „Die halten sich ja nicht einmal an ihre eigenen Vorgaben“, kritisiert Kornau. Zumindest die im Krankenhausplan vorgesehene 40-Minuten-Erreichbarkeitsgrenze müsse doch eingehalten werden. „Selbst die wissenschaftlich nicht begründete und von vielen Hebammen kritisierte 40-Minuten-Regelung wird im Rhein-Sieg-Kreis gerissen“, so Kornau weiter.

Weg von der Fallpauschale

Die Forderung der Initiative: die Geburtsstationen in Eitorf, Bad Honnef und Sankt Augustin zu reaktivieren. Diese seien immerhin „physisch“ noch vorhanden. Allerdings müsste dann auch die viel zu knapp bemessene Fallpauschale entfallen, weil die Stationen sonst wirtschaftlich nicht darstellbar wären. Kornau hat die Geburten der vergangenen drei Jahre im östlichen Rhein-Sieg-Kreis erfasst und festgestellt, dass es jeweils um die 500 Geburten gewesen sind. Wirtschaftlich sei eine Geburtsstation aber erst ab 1000 Geburten pro Jahr. Der Rhein-Sieg-Kreis gibt die Zahl der Geburten im Rechtsrheinischen mit rund 5500 pro Jahr an. Die GFO-Kliniken Troisdorf haben 2200 Vorhaltungen für ihre Geburtsstation angemeldet. Auf diese Lücke hat der Kreis mehrfach hingewiesen.

„Es mehren sich Berichte von Schwangeren, die kurz vor ihrer Geburt unter Wehen von ihrer Klinik abgewiesen wurden und von einer Klinik zur andern fahren mussten“, so Kornau. Deswegen laute eine der Forderungen: „Die Landesregierung ist aufgefordert, in den Rahmenvorgaben für die Landeskrankenhausplanung die Geburten in die Grundversorgung zu übernehmen und die Erreichbarkeit von 40 auf 20 Minuten zu reduzieren wie sie für andere Leistungsgruppen der Grundversorgung gilt.“ Zudem müssten die Arbeitsbedingungen von Hebammen verbessert und eine Eins-zu-Eins-Betreuung der Schwangeren durch eine Hebamme fest verankert werden.