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Gülle im Rhein-Sieg-Kreis: Erhöhte Nitratwerte durch Sonderkulturanbau

Erhöhte Nitratwerte : „Rhein-Sieg-Kreis gehört nicht zur Gülle-Problemregion“

Die Gülle aus der heimischen Tierhaltung führt nicht zu höheren Nitratwerten im Grundwasser des Rhein-Sieg-Kreises. Das hat die Kreisverwaltung erklärt. Die erhöhten Werte im Linksrheinischen haben andere Gründe.

Der Rhein-Sieg-Kreis hat kein güllebedingtes Nitratproblem im Grundwasser durch Tierhaltung. Im Linksrheinischen sind die Nitratwerte zwar erhöht, wesentliche Ursache dafür ist jedoch der Sonderkulturanbau mit dem regionalen Obst- und Gemüseanbau. Das geht aus einer Antwort der Kreisverwaltung auf eine Anfrage von CDU und Grünen hervor.

In Bezug auf Gülle aus der Tierhaltung sagte Franz-Josef Schockemöhle von der Landwirtschaftskammer bei der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses für Umwelt, Klimaschutz und Landwirtschaft: „Der Rhein-Sieg-Kreis gehört nicht zur Problemregion.“ Laut Düngeverordnung darf der Stickstoffanteil auf landwirtschaftlich genutzten Flächen den Wert von 170 Kilogramm aus organischer Substanz pro Hektar und Kalenderjahr nicht überschreiten. Rechtsrheinisch fallen im Kreis durchschnittlich 72 Kilogramm an, linksrheinisch 19 Kilogramm, teilte die Verwaltung mit.

Grund dafür sei die geringe durchschnittliche Besatzdichte, die die Anzahl der Weidetiere auf einem Hek­tar beschreibt. Im Rechtsrheinischen liegt diese bei 0,8 Großvieheinheiten pro Hektar, im Linksrheinischen bei 0,2. Bei einer Großvieheinheit handelt es sich um 500 Kilogramm Lebensmasse. Insgesamt werden im Rhein-Sieg-Kreis 48.589 Hektar landwirtschaftlich genutzt, knapp zwei Drittel (30.969 Hektar) entfallen auf den rechtsrheinischen Teil.

Keine Nitratprobleme gibt es im Grundwasser im Kreis, aus dem der Wahnbachtalsperrenverband (WTV) zum Teil sein Trinkwasser bezieht. Der Grenzwert für Nitrat liegt bei 50 Milligramm pro Liter Wasser (mg/l), vorgegeben wird dieser von der EU. „Wir liegen in allen Gebieten deutlich darunter“, sagte Ralph Krämer, Abteilungsleiter Einzugsgebietsschutz des WTV, auf Anfrage. An der Talsperre selbst liege der Wert bei um die zehn und an den Grundwasserbrunnen im Hennefer Siegbogen bei knapp über 20 und in Meindorf zwischen 25 und 30 mg/l.

Thema im Ausschuss waren auch Gülleimporte aus den Niederlanden. Die Zahl sei in den vergangenen Jahren deutlich gesunken, so Schockemöhle. Gelangten 2016 noch 15 690 Tonnen aus dem Nachbarland in den Rhein-Sieg-Kreis, waren es im vergangenen Jahr rund 5833 Tonnen. Der Anteil des darin enthaltenen Stickstoffs sank von 128.069 auf rund 48.847 Kilogramm. Viele Lastwagen aus den Niederlanden, die auf den Straßen und Autobahnen des Kreises unterwegs sind und offenbar Gülle geladen haben, fahren nicht immer Ziele im Kreis an. „Nordrhein-Westfalen ist ein Transitland“, sagte Schockemöhle.

Zwischen den für das Düngerecht zuständigen Kontrollbehörden in den Niederlanden, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gibt es bereits eine Vereinbarung, um den Gülletransport besser zu kontrollieren. Ein Problem sei, dass Lieferungen immer wieder falsch dokumentiert würden, erzählte Schockemöhle. Auch aus diesem Grund solle das sogenannte Memorandum of Understanding, welches 2012 aufgesetzt und 2015 überarbeitet wurde, auf weitere Bundesländer sowie unter Einbeziehung der Wirtschaftsdüngerdatenbank und der Regelung, dass bei einer Lieferung eine Gegenzeichnung durch den Empfänger erfolgen muss, erweitert werden, kündigte Schockemöhle an.

Der Rhein-Sieg-Kreis habe zwar kein Wirtschaftsdüngerproblem aus der Tierhaltung, dafür aber Probleme etwa durch den Sonderkulturanbau. Dieser sei im Linksrheinischen ein wesentlicher Faktor für erhöhte Nitratwerte. Wenn den Obst- und Gemüsepflanzen Stickstoff hinzugefügt wird, können diese nicht alles verwerten, sodass Teile im Boden bleiben. Ein weiteres Problem: Wenn Obst und Gemüse nicht abgeerntet werden können, bleibe es ebenfalls auf der Fläche, so Schockemöhle über das Problem, das es nicht nur im Kreis, sondern landesweit gibt. „Die Werte sind rückläufig, aber nicht im gewünschten Maße“, sagte er. „Das Problem sollten wir angehen“, sagte Burkhard Hoffmeister (Grüne). Das Thema dürfte die Politik somit weiter beschäftigen.