Experten warnen vor Salamanderpest Exotischer Pilz bedroht Feuersalamander in der Region

Rhein-Sieg-Kreis · Ein gefährlicher Hautpilz bedroht in Teilen von Nordrhein-Westfalen den Feuersalamander. Auch in der Region besteht Gefahr, dass sich die Salamanderpest ausbreitet. Naturschützer erklären, wie jeder helfen kann, das zu verhindern.

 Die Salamanderpest bedroht auch die Tiere im Rhein-Sieg-Kreis.

Die Salamanderpest bedroht auch die Tiere im Rhein-Sieg-Kreis.

Foto: Bei Verwendung, Nennung von Land/Jonathan Fieber

Die Erkrankung endet meist tödlich für die heimischen Feuersalamander. Deswegen blicken Naturschützer mit Sorge auf die zunehmende Ausbreitung des Pilzes „Batrachochytrium salamandrivorans“ (Bsal) oder auch „Salamanderfresser“ in Nordrhein-Westfalen. Intensive Forschungsarbeiten sollen helfen, effektiv gegen die Seuche vorzugehen. Denn schon jetzt sei ein dramatischer Rückgang der Feuersalamander-Population in NRW zu beobachten, warnt der Naturschutzbund (Nabu) NRW.

Im Rhein-Sieg-Kreis und in Bonn sind bislang noch keine Fälle der Salamanderpest bekannt. Klaus Weddeling von der biologischen Station Bonn, Rhein-Erft ist sich jedoch sicher, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Krankheit auch die Salamander in der Region erreicht. „Es ist unvermeidbar, dass sie kommen wird“, sagt er. Im Kottenforst lebten Tausende Lurche, die durch ihre Nähe zum Boden und zum Wasser im ständigen Kontakt mit verschiedenen Erregern seien. „Und auch befallene Tiere können die Krankheit übertragen“, sagt er.

Der heimische Feuersalamander ist gelb-schwarz gemustert und nachtaktiv. Der Pilz greift seine Haut an und verändert auch das Verhalten der Tiere. Sie werden apathisch und tagaktiv. Der aus Asien stammende Pilz breitet sich seit rund 15 Jahren in Europa aus. Wilhelm Deitermann vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz sieht den Grund dafür vor allem bei den Menschen. „Wir selbst sorgen für die Ausbreitung der Infektionskrankheit“, sagt er. Nach einem Waldspaziergang könnten sich Spuren des Pilzes am Schuh befinden, wodurch sich die Krankheit in andere Gebiete verteile. Die Tiere selbst wanderten nicht viel.

„Einfache Hygienemaßnahmen können bereits helfen, eine Ausbreitung zu vermeiden“, so Deitermann. Nach einem Waldbesuch sollten etwa die Schuhe gründlich gereinigt werden. Er appelliert an Spaziergänger, auf den vorgegebenen Wegen zu bleiben, um den Lebensraum der Salamander nicht zu betreten. „Auch Hunde müssen möglichst angeleint bleiben“, ergänzt Klaus Weddeling. Denn auch sie könnten den Pilz aufnehmen und verbreiten. Sollten Spaziergänger einen erkrankten Feuersalamander finden, können sie dies bei den Biologischen Stationen melden. „Die Tiere dürfen dabei aber nicht berührt werden“, sagt er.

Für Menschen droht keine Gefahr

Holger Sticht sitzt im Landesvorstand des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Für ihn und sein Team gehören bestimmte Schutzmaßnahmen zur Eindämmung solcher Infektionskrankheiten zum Standard. „Bevor wir ein Moor oder ein Feuchtgebiet betreten, desinfizieren wir unsere Schuhe“, sagt er. Denn neben der Eingrenzung der Verbreitung sei es ebenso wichtig, die Bestände ohne Salamanderpest zu sichern. „Für den Menschen oder andere Säugetiere besteht aber keine Gefahr“, so Sticht.

„Bsal“ steht mittlerweile als meldepflichtige Tierseuche auf der Liste der EU-Verordnungen. Nationale Präventionsmaßnahmen sollen deshalb bei der Eindämmung helfen. „Das ist ein Thema, was EU-weit Bedeutung hat“, sagt Wilhelm Deitermann. Aktuell gelte es, die Seuche weiter zu erforschen und zu beobachten. Nur im akuten Fall könne das Land Maßnahmen ergreifen. „Die umliegende Flora und Fauna darf bei der Behandlung des Pilzes nicht gefährdet werden“, sagt er.

Auch Holger Sticht sieht in der Verbreitung des „Salamanderfressers“ ein Globalisierungsphänomen. „Man muss die Tierhandlung und Tierhaltung in diesem Bereich stark regulieren“, sagt er. Seinen Ursprung hat der Pilz vermutlich in Ostasien. Die dort lebenden Lurcharten seien gegen die Erreger oft immun. Durch den Tierhandel sei der Pilz jedoch nach Europa gelangt und werde hier zur Bedrohung.

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