Nach der Corona-Pause Im Siegburger Kulturcafé finden wieder mehr Angebote statt

Siegburg · Das Kulturcafé in Siegburg ist gerade in Corona-Zeiten wichtige Anlaufstelle für Sozialkontakte bedürftiger Jugendlicher. Dort bekommen sie eine warme Mahlzeit und man hat ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Probleme.

 Streng nach den Vorschriften tragen Fabian, Wolfgang Schmitz und Pascal (von links) Mund- und Nasenschutz, den sie erst beim Essen ablegen.

Streng nach den Vorschriften tragen Fabian, Wolfgang Schmitz und Pascal (von links) Mund- und Nasenschutz, den sie erst beim Essen ablegen.

Foto: Paul Kieras

Im normalen Betrieb treffen sich etwa 70 bis 90 junge Menschen im Alter zwischen zwölf und Mitte 20 Jahren an sechs Tagen der Woche im Kulturcafé an der Ringstraße, einer Jugendeinrichtung der Kirchenkreise An Sieg und Rhein und Bonn unter der Trägerschaft des Kinder- und Jugendreferats. Jetzt, zu Corona-Zeiten, sind es deutlich weniger. Das liegt auch an den derzeit reduzierten Öffnungszeiten und den strengen Auflagen.

Trotzdem ist der Leiter des Hauses, René Lobe, froh, den Besuchern zumindest einen Teil der Angebote wieder ermöglichen zu können. Vor allem Jugendlichen, die aus schwierigen Verhältnissen kommen oder in finanziellen Nöten sind. „Viele sind einsam, haben keine sozialen Kontakte und sind von der Außenwelt abgeschnitten, weil sie auch über keinen Internetzugang verfügen“, so Lobe. Wichtig sei es auch, ihnen eine warme Mahlzeit und ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Probleme zu bieten.

„Wir fungieren als Familie“, fasst Lobe zusammen. So sehen das auch Fabian (29) und Pascal (25), die nach den Worten des Leiters „eigentlich schon zu alt für das Kulturcafé sind“. Aber sie gehören zu den treuesten Besuchern. Fabian sagt von sich selbst, er sei „durch das soziale Raster gefallen“, Pascal wechselte vom elften Lebensjahr an zwischen Heim und Elternhaus, „bis mich meine Mutter mit 16 Jahren rausgeschmissen hat“. Er sei „auf der Straße groß geworden“, sagt er. Dann entdeckte Pascal den ehemaligen CVJM, Vorläufer des Kulturcafés, und wurde „Stammgast“. Für die beiden jungen Männer ist die von allen „Kulti“ genannte Begegnungsstätte zur Heimat geworden.

So oft wie möglich schaut auch Manuel (19) vorbei. Er hat einen festen Job, nimmt regelmäßig an Wettkämpfen wie Tischtennisturnieren teil oder spielt eine Runde Billard. Seit rund fünf Jahren macht er das. „Hier ist jeder willkommen, mit jedem wird gleich freundlich umgegangen und jeder ist erwünscht“, lautet seine Begründung. Lobe stimmt ihm zu und nennt als einzige Voraussetzung zum Besuch: „Respekt untereinander und gewisse Umgangsformen.“

Zur Unterhaltung stehen den Jugendlichen zahlreiche Alternativen kostenfrei zur Verfügung. Unter anderem Kochkurse, Musik-, Theater-, Film- und Videoworkshops ebenso wie ein Fitnessstudio, freies WLAN, Playstation sowie Coachings für Bands. Auf Wunsch erhalten die jungen Leute aber auch Hausaufgabenbetreuung oder Hilfe beim Verfassen von Bewerbungen. Während der Corona-Zeit können Interessenten an Musik- und Malkursen über Instagram teilnehmen.

Als vorübergehendes Angebot hat das Kulturcafé während Corona eine Essensausgabe für bedürftige Jugendliche eingerichtet. Wolfgang Schmitz, Leiter des pädagogischen Kochangebots im Kulti, bereitet seit Beginn der Krise montags und mittwochs die Gerichte zu. Anfangs holten sich die Jugendlichen diese nach Bestellung ab, nach Lockerung der Vorschriften ist unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln auch der Verzehr vor Ort wieder gestattet. 1,50 Euro kostet eine Mahlzeit, wer mithilft beim Kochen oder anschließenden Abwasch, bekommt das Essen umsonst.

Die Kreissparkassenstiftung „Für uns Pänz“ hat 2000 Euro für Kochgeräte, Kochutensilien und Verpackungsmaterial gespendet, der Lions Club Siegburg Löwensterne unterstützt den Lebensmitteleinkauf mit 500 Euro.