Wege aus der Kriminalität Jugendliche Straftäter aus dem Rhein-Sieg-Kreis auf der Zugspitze

Rhein-Sieg-Kreis · Straffällige Jugendliche laufen oft Gefahr, zu sogenannten „Intensivtätern“ zu werden, wenn sie keine Unterstützung erfahren. Die Initiative „Kurve kriegen“ will dies mit verschiedenen Projekten verhindern. Eines davon führte zwei Teilnehmer hoch hinaus.

 Zwei Teilnehmer aus dem Rhein-Sieg-Kreis erklommen im Rahmen der Initiative „Kurve kriegen“ die Zugspitze.

Zwei Teilnehmer aus dem Rhein-Sieg-Kreis erklommen im Rahmen der Initiative „Kurve kriegen“ die Zugspitze.

Foto: dpa/Sven Hoppe

Zwei Jugendliche aus dem Rhein-Sieg-Kreis erreichten im vergangenen Sommer den Gipfel der Zugspitze: Mit diesem Erfolg könnten sie ein Zeichen setzen: Sie haben das nötige Durchhaltevermögen, um nicht wieder straffällig zu werden. Die beiden waren Teilnehmer von „Kurve kriegen“, einer Initiative des nordrhein-westfälischen Innenministeriums. Sie hat zum Ziel, Kinder und Jugendliche, die straffällig geworden sind, zu betreuen und damit zu verhindern, dass sie weitere Straftaten begehen. Maßnahmen, die bei den verschiedenen Projekten der Initiative im Vordergrund stehen, sind etwa Training, Disziplin und ein durchstrukturierter Alltag.

So durften Jugendliche im Rahmen eines Kölner „Kurve kriegen“-Projektes eine legale „Hall of Fame“-Wand besprühen, während das Naturfreundehaus Hardt anderen Teilnehmern die Möglichkeit bot, dem Chaos der Stadt zu entfliehen. Die enge Bindung an sportliche oder künstlerischen Projekte dient vor allem dazu, dass die Jugendlichen sich in einer Gruppe mit Gleichaltrigen zusammenfinden. Zugleich bekommen sie Methoden und Wege vermittelt, die ihnen helfen, sich mit den begangenen Straftaten oder ihrer Lebenssituation auseinanderzusetzen. Dabei geht es nicht um den schnellen Erfolg, sondern um eine nachhaltige Wirkung. Rückfälle in alte Muster wollen die Verantwortlichen der Initiative verhindern.

Bevor die beiden Teilnehmer aus dem Rhein-Sieg-Kreis zum höchsten Berg Deutschlands aufbrechen konnten, mussten sie ihr Durchhaltevermögen unter Beweis stellen – und das unter anderem vor Joey Kelly. Der Ausdauersportler war selbst schon viele Male auf der Zugspitze und engagiert sich als Botschafter der Initiative. Zusammen mit seinem Trainer Thomas Eickmann begleitete er die Jugendlichen auf ihren Weg zum Gipfel. Unter der professionellen Leitung trainierten sie im Vorfeld regelmäßig gemeinsam für den Aufstieg. Die mehrwöchige Vorbereitung vermittelte neben körperlichen Anforderungen auch die von der Initiative angestrebten Werte wie Durchhaltevermögen und Disziplin.

Ursachen sind vielfältig

Für den Rhein-Sieg-Kreis unterstützt Jörg Seeger als polizeilicher Ansprechpartner gemeinsam mit weiteren pädagogischen Fachkräften die Initiative. Er betont, wie wichtig es ist, den Jugendlichen durch solche Projekt ein Ziel zu geben. Aus vielen Kriminalstatistiken geht hervor, dass verurteilte Straftäter oftmals bereits in ihrer Jugend die ersten Delikte begehen. Eine kriminelle Entwicklung ist demnach schon früh erkennbar, ihr wird aber selten angemessen begegnet. Die Ursachen für das kriminelle Verhalten und die benötigte Hilfe sind in jedem Fall unterschiedlich und komplex. Mit individuellen Maßnahmen wird den Teilnehmern geholfen, um sich gemeinsam Ängsten, Hindernissen und Aufgaben zu stellen.

Im Kreis können Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 15 Jahren, die durch eine Gewalttat oder drei Eigentumsdelikte auffällig geworden sind, an dem Programm teilnehmen. Seit Juli 2021 verzeichnet die Initiative bereits 33 Teilnehmende aus der Region, von denen bisher elf entlassen wurden, ohne erneut straffällig zu werden.

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