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Kurdische Gemeinschaft Rhein-Sieg/Bonn: Integrationsagentur sieht Handlungsbedarf

Kurdische Gemeinschaft Rhein-Sieg/Bonn : Integrationsagentur sieht Handlungsbedarf

In Anbetracht wachsender Flüchtlingszahlen, vor allem aus Syrien, fordert die Kurdische Gemeinschaft Rhein-Sieg/Bonn von der Politik, in Deutschland ankommenden Menschen unverzüglich Maßnahmen zur Integration anzubieten.

Und zwar unabhängig von ihrem Status als Asylbewerber mit laufendem Asylanerkennungsverfahren oder als anerkannte Asylbewerber, auch Asylberechtigte und anerkannte Flüchtlinge genannt. Für den Vorsitzenden des Vereins, Musa Ataman, und die Integrationsfachkraft Ilkay Yilmaz steht die Finanzierung von Deutschkursen an erster Stelle.

Yilmaz sprach in dem Zusammenhang am Donnerstag von "Vor-Integration", bei dem der Staat in Vorleistung gehen müsse, um so schnell wie möglich eine - unter Umständen auch nur temporäre - Eingliederung zu erreichen.

Bei einem Treffen mit dem Neubürgerbeauftragten des Rhein-Sieg-Kreises, Ludwig Neuber, und dem Journalisten Ibrahim Mahmood, gebürtiger Syrer mit deutschem Pass, waren sich alle einig, dass das Erlernen der Sprache wichtigste Voraussetzung zur Integration sei. Unabhängig davon, ob Menschen in Deutschland ein dauerhaftes Bleiberecht erhielten, oder nicht.

Neuber, der sich seit über 30 Jahren um Menschen mit Migrationshintergrund kümmert, mahnte: "Verpasste Integration ist teuer." Er begrüßte ausdrücklich, dass seit einigen Jahren für Kinder von Asylbewerbern die Schulpflicht gilt.

Aber die Eltern müssten ebenfalls die Gelegenheit zum Lernen bekommen. Unabhängig davon, ob sie freiwillig in ihr Geburtsland zurückkehrten oder ihnen in Deutschland keine Aufenthaltsgenehmigung erteilt werde: "Sie nehmen eine Bereicherung mit, nämlich die deutsche Sprache, die ihnen unter Umständen auch beruflich hilft", meinte Neuber.

Yilmaz ergänzte, diese Menschen seien Botschafter für Deutschland, die "auch das Demokratieverständnis von hier mitnehmen", fuhr Atman fort. Und wenn sie in Deutschland eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis bekämen, gehöre die Sprache unabdingbar zur Integration.

Auch ein weiterer Aspekt wurde angeführt, um die Dringlichkeit des frühen Sprachunterrichts zu unterstreichen: Die Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, hätten in Deutschland neben Rechten auch Pflichten, die ihnen ohne Deutschkenntnisse schwer zu vermitteln seien.

Zurzeit unterrichtet eine ehrenamtlich tätige Lehrerin rund 20 Menschen aus Krisengebieten wie Syrien, Eritrea, Afghanistan oder aus afrikanischen Staaten in den Räumen der Kurdischen Gemeinschaft, die in der Lindenstraße ansässig ist. Solange ihre Schüler keine anerkannten Asylbewerber sind, haben sie keinen Rechtsanspruch auf verschiedene Leistungen, zu denen auch die Sprachförderung gehört. Und das Geld für Unterricht haben sie nicht.