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JVA Siegburg: Streit unter Insassen eskaliert - Prozess vor Gericht

Steinwurf in der Siegburger Haftanstalt : Streit unter Insassen der JVA Siegburg eskaliert

Ein 41-Jähriger Insasse war vom Amtsgericht Siegburg zu einer weiteren Haftstrafe von acht Monaten verurteilt worden. Obwohl er gute Chancen auf ein mildereres Urteil hatte, zog der Mann seine Berufung zurück.

Der Vorfall war kurz und hatte unangenehme Konsequenzen für beide Beteiligte: Am 11. März vergangenen Jahres soll ein Insasse der Siegburger Haftanstalt durch einen Stein verletzt worden sein, der von einem Mithäftling geworfen worden war. Das Opfer erlitt eine zirka einen Zentimeter lange Risswunde, der Täter wurde zu einer weiteren Haftstrafe von acht Monaten ohne die Möglichkeit zur Bewährung verurteilt. Dagegen ging der 41-Jährige in Berufung, zog das Rechtsmittel dann aber am Montagmorgen wieder zurück.

Die Entscheidung war letztlich die Folge einer strategischen Abwägung: Obwohl der Vorsitzende Richter zum Auftakt der Berufungsverhandlung signalisierte, dass das Ergebnis der Neuverhandlung für den Angeklagten durchaus vorteilhafter ausfallen könnte, als in der ersten Instanz, zog der Angeklagte schließlich seinen Berufungsantrag wieder zurück. Der Mann, der derzeit eine zweieinhalbjährige Freiheitsstrafe verbüßt, dürfte nämlich unabhängig vom Ausgang der Berufung ohnehin davon profitieren, dass beide Einzelstrafen „gesamtstrafenfähig“ sind. Das bedeutet grob vereinfacht, dass die Haftdauer der Einsatzstrafe nach Einbeziehung der zweiten Tat nur „maßvoll“ erhöht wird. So käme der Angeklagte aller Wahrscheinlichkeit nicht einmal dann deutlich früher frei, wenn das Berufungsgericht sich entscheiden würde, die zweite Strafe zu halbieren.

„Ich hab keine Ahnung, was ich machen soll!“ Auf die Frage seines Anwalts, ob er dem Vorschlag des Vorsitzenden folgen und seinen Berufungsantrag zurücknehmen wolle, reagierte der frühere Drogenabhängige ratlos. Schließlich wollte er das Gericht davon überzeugen, dass sich der Vorfall auf dem Freistundenhof des Gefängnisses ganz anders zugetragen habe, als es in dem Amtsgerichts-Urteil steht. Er sei beim Kartenspielen von dem Verletzten immer wieder mit kleinen Steinchen beworfen worden. Darüber sei er auf Dauer so genervt gewesen, dass er einen etwas größeren Stein genommen und gegen die Wand geschleudert habe, von wo er offenbar unglücklich abgeprallt sei. Nach dem Hinweis seines Verteidigers, dass die Rücknahme der Berufung ja kein Schuldeingeständnis sei, stimmte der Angeklagte dann dem – auch für den Steuerzahler günstigeren – Vorgehen zu.