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Kunstzentrum in Siegburg: Künstlerin bangt um Rosa Aussicht

Kunstzentrum in Siegburg : Künstlerin bangt um Rosa Aussicht

Dem Kunst- und Kulturzentrum Rosa Aussicht in einer historischen Schreinerei in Siegburg droht der Abriss. Die Künstlerin Martina Clasen kämpft um den Erhalt.

Seit elf Jahren führt die Siegburger Künstlerin Martina Clasen die historische Schreinerei Wellmann in der Albertstraße als Atelier, Begegnungsstätte sowie als Kunst- und Kreativzentrum für Menschen quer durch alle Altersschichten unter dem Namen „Rosa Aussicht“. Nun befürchtet sie das Aus für das Gebäude, das fester Bestandteil der Siegburger Kunst- und Kulturszene geworden ist. Denn: Ihr wurde zugetragen, dass der Grundstückseigentümer bei der Stadt einen Bauantrag für ein Mehrparteienhaus gestellt habe und die Schreinerei daher abreißen wolle. Das wurde dem GA von der Stadtverwaltung bestätigt.

Clasen war entsetzt, denn nach ihren Worten würde mit dem Abriss des Gebäudes „auch ein historischer Ort verschwinden“. Sie sei sicher, dass es ein Gebäude in dieser Bauweise mit der besonderen Dach- und Deckenkonstruktion weder in Siegburg noch im Rhein Sieg Kreis und wahrscheinlich auch in NRW kein zweites Mal gebe. Nun setzt sie alles daran, um das Haus zu retten.

„Fassungslos“ macht die Mieterin, dass die Schreinerei mit Nebengebäude nicht unter Denkmalschutz steht, was für sie nicht nachvollziehbar ist. Die Entscheidung sei auch ohne eine Besichtigung erfolgt. In einem Aufruf an Freunde, Bekannte und Kunstinteressierte bittet Clasen sie nun darum, Briefe an die Ratsfraktionen, den Denkmalschutz „und alle, die helfen könnten“, zu schicken. „Eine erneute und reale Prüfung durch den Denkmalschutz halte ich für die einzige Möglichkeit, den Abriss zu verhindern“, glaubt sie. Die 55-Jährige richtete selbst einen Brief an das LVR-Amt für Denkmalpflege, in dem sie detailliert das Gebäude beschreibt und auf seine Geschichte eingeht.

Clasen hat Werkstatt seit 2009 restauriert

In Absprache mit dem damaligen Denkmalpfleger der Stadt Siegburg hat Clasen seit 2009 die Werkstatt im Sinne des Denkmalschutzes restauriert und mit neuem Leben gefüllt. Aufmerksam wurde Clasen bereits in den 1980er Jahren auf das Objekt, als sie nur wenige Meter weiter in ein Haus an der Kaiserstraße zog. Sie lernte eine der Töchter des Schreiners Wellmann, Hilde Klein, kennen, die sich immer gegen einen Abriss gewehrt hatte. Die alte Dame habe immer gewollt, dass die Werkstatt ihres Vaters für die Nachwelt erhalten bleibt. Alles sollte so bleiben, wie es ist, erinnert sich Clasen an viele Gespräche mit ihr.

Als weiteren Schritt im Versuch, die Werkstatt zu retten, hat sie jetzt über die Online-Plattform „openPetitio“ eine Petition an Bürgermeister Franz Huhn gestartet. Die Plattform unterstützt Petenten dabei, ihre Petition zu erstellen, Unterschriften zu sammeln und die Petition beim entsprechenden Empfänger einzureichen. Das geschieht, wenn ein gewisses Quorum erreicht wird. Bei der Petition „Rettet die Rosa Aussicht“ ist das mit 680 Unterschriften der Fall, nach nur einem Tag kamen schon über 460 zusammen.

Unterstützung von weiterem Künstler

Martina Clasen hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die Schreinerei nachträglich unter Denkmalschutz gestellt wird und eine Neubebauung des Grundstücks so verhindert würde: „Ich wünsche mir, dass dieses geschichtsträchtige Gebäude weiter als Begegnungsstätte und Ort für Kunst und Kultur erhalten bleibt.“

So sieht es auch Steinmetz Markus Weisheit aus Siegburg, der sich schriftlich an die Parteien der Stadt gewandt hat. Er schließt mit den Worten: „Ich bitte Sie inständig zu prüfen, ob es nicht doch Mittel und Wege gibt, durch einen besonderen Schutz der Immobilie den unwiederbringlichen Verlust dieses kulturellen und identitätsstiftenden Refugiums in unserer schönen Stadt zu verhindern.“