Kunst-Aktion in der Siegburger Innenstadt Warum der Mann im Glashaus für die meisten unsichtbar bleibt

Siegburg · Seit 2018 organisiert Volker Bremer mit „Siegburg Open“ eine Kunstaktion mitten in der Siegburger Innenstadt: Wer mag, kann seine Staffelei aufstellen und sich bei der Arbeit über die Schulter blicken lassen. Eine Woche lang arbeitete der Siegburger Künstler jetzt selbst an einem besonderen Ort.

 Kunst im Glashaus: Der Siegburger Künstler arbeitet aktuell im Kulturkiosk auf dem Siegburger Marktplatz.

Kunst im Glashaus: Der Siegburger Künstler arbeitet aktuell im Kulturkiosk auf dem Siegburger Marktplatz.

Foto: Nadine Quadt

Getränke und Zeitungen gehen schon lange nicht mehr durch das Fenster im Kiosk am unteren Marktplatz. Das gläserne Häuschen, das der Siegburger Architekt Hartmut De Corné mit architektonischem Bezug zum nahen Stadtmuseum entworfen hat, stand ein paar Jahre leer. Seit dem vergangenen Jahr ist aber wieder regelmäßig Leben hinter seinen Glasscheiben. Das Stadtmuseum nutzt es als Außenvitrine, als Präsentationsfläche für die Stadt, für Ausstellungen und für besondere Aktionen. So avancierte der „Kulturkiosk“ für eine Woche zum Atelier von Volker Bremer.

Rund um seine Staffelei stehen und liegen noch unvollendete Arbeiten, Farbtuben, Pinsel und Tücher. Er selbst arbeitet gerade an einem in Blautönen gehaltenen Körper. Eigentlich ist der Siegburger Künstler in seinem Glashaus nicht zu übersehen – von allen Seiten ist der Blick auf ihn frei. „Für die meisten Menschen bin ich aber trotzdem fast unsichtbar“, berichtet er von seinen Erfahrungen. Manche seien interessiert stehen geblieben, um ihm eine Weile bei der Arbeit zuzusehen. Die Gäste aus dem Café nebenan hätten ihn ebenfalls beobachtet. „Wenige haben mich dann auch angesprochen“, sagt Bremer. Die meisten haben den Künstler in seinem gläsernen Atelier indes gar nicht bemerkt. „Ihr Fokus liegt woanders“, hat der beobachtet.

Der Mensch im Glashaus, der Widerspruch zwischen „Innen“ und „Außen“, innerer und äußerer Welt sind die Themen, mit denen er sich in dieser Woche auch künstlerisch auseinandergesetzt hat. „Das sind die Dinge, die mich aktuell bewegen“, sagt Bremer. Auslöser sei eine Reise nach Bali gewesen, von der er Ende Mai zurückgekehrt ist. „Was ich da gesehen und erlebt habe, hat mich sehr demütig gemacht“, erzählt der Siegburger. Und dankbar dafür, dass er zu Hause sauberes Trinkwasser aus dem Wasserhahn hat. Das Erlebte hinterlasse in ihm Hilflosigkeit, Machtlosigkeit und Erschlagenheit. Diese finden sich auch in seinen aktuellen Arbeiten wieder – wie etwa in dem blauen Körper, der wie erschlagen in der Luft zu hängen scheint.

Das Arbeiten an einem anderen Ort findet Bremer interessant, die Beobachtungen, die er dabei macht, noch viel mehr. „Die Wahrnehmung der Menschen wird immer geringer, viele sind mit ihren Handys beschäftigt“, stellt er fest, ohne es werten zu wollen. Seine Begeisterung dafür, raus aus dem Atelier zu gehen, und dort, wo viele Menschen unterwegs sind, kreativ zu sein, schmälert die Erkenntnis indes nicht. Deswegen soll es auch in diesem Jahr wieder ein „Siegburg Open“ geben. Rund um den Teich am S-Carré bietet er am Samstag, 17. August, zwischen 10 und 17 Uhr, wieder Künstlern die Gelegenheit, öffentlich zu malen, zu zeichnen oder zu gestalten. Material und Motiv sind jedem selbst überlassen. Die Arbeiten sind anschließend eine Woche im Stadtmuseum zu sehen, wo sie dann während des Siegburger Stadtfestes, am Samstag, 25. August, versteigert werden.

„Siegburg Open“ gibt es seit 2018

Seit sechs Jahren organisiert Volker Bremer jährlich ein sogenanntes Wet Painting. Dessen Ursprünge liegen Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre in den USA. Künstler standen an der Landstraße und malten die Landschaft. Reisende hielten an und kauften die noch nassen Bilder direkt von der Staffelei. 2016 nahm Volker Bremer selbst an einem Wet-Painting in Königswinter teil. Anschließend reifte in ihm der Gedanke, eine solche Aktion auch in seiner Heimatstadt zu organisieren. 2018 setzte er die Idee erstmals mit seinen „Siegburg Open“ um. Rund 40 Künstlerinnen und Künstler gestalteten damals einen Tag lang an verschiedenen Stellen in der Innenstadt ihre Arbeiten, am Ende wurden diese zugunsten notleidender Kinder verkauft. Seitdem findet die Aktion einmal im Jahr statt.

Mehr Informationen zu und Anmeldung für „Siegburg Open“ nimmt Volker Bremer per E-Mail an volkerbremer@online.de oder unter ☏ 02241/1278766 entgegen.