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Siegburger Ehepaar hat Flüchtlinge aufgenommen: „Lachen macht vieles einfacher“

Siegburger Ehepaar hat Flüchtlinge aufgenommen : „Lachen macht vieles einfacher“

Das Siegburger Ehepaar Anke und Gerd Goldberg hat drei syrische Flüchtlinge bei sich aufgenommen. Die Jungs seien ihnen sofort sympathisch gewesen, sagen sie.

Anke und Gerd Goldberg hatten im vergangenen Jahr überlegt, Flüchtlingen zu helfen. Da mit dem Auszug von drei Töchtern genügend Platz zur Verfügung stand, beschlossen sie, Wasim (26, abgeschlossenes BWL-Studium), Ibrahim (24, abgeschlossenes Touristik-Studium)) und Amer (21, BWL-Student) bei sich aufzunehmen.

Auf die drei Syrer sind sie durch Zufall gestoßen. Der Freund von Tochter Olivia, Jan, wohnt in Köln und ist Rapper. Er hat Amer schon vor Jahren über das Internet kennengelernt. Auch der 21-jährige Syrer ist Musiker. Da Jan laut Anke Goldberg wusste, wo sich Rapper-Kollege Amer und dessen Cousins nach ihrer Flucht in Deutschland aufhielten, organisierte er ein Treffen zum „Beschnuppern“. Die Jungs seien ihm und seiner Frau sofort sympathisch gewesen.

Drei Wochen später kamen sie auf Einladung nach Siegburg, „um uns zu testen“, sagt Gerd Goldberg. Kurz vor Weihnachten zogen sie bei den Goldbergs ein. Die neue Familie habe sich ganz von alleine und völlig problemlos zusammengefunden, beschreibt das Ehepaar die Entwicklung. Verhaltens- oder Spielregeln gebe es bis heute nicht. Anfangs hätten sie den jungen Männern nur immer wieder sagen müssen, dass sie sich jederzeit aus dem Kühlschrank bedienen könnten, ohne zu fragen.

„Sie sind sehr höflich und zuvorkommend, helfen ständig im Haushalt, weil sie uns etwas zurückgeben möchten“, schildern die beiden ihre Erfahrung und fügen hinzu: „Sie kochen sogar für uns. Und zwar mit ihrer Mutter am Telefon.“ Mit ihr und ihrem Vater haben Wasim und Ibrahim jeden Tag Kontakt. Die Eltern und ein weiterer Bruder wohnen in Damaskus. Seit der Waffenruhe leben die Verwandten dort nach Aussage der Brüder einigermaßen sicher. Das Heimweh ist dennoch groß. Vor allem bei Ibrahim, der seine Heimat, Familie und Freundin sehr vermisst.

„Die ersten Wochen haben wir ganze Nächte durch geredet“, erinnert sich Gerd Goldberg. Und auch geweint wurde und wird heute noch viel. „Umso wichtiger ist, dass wir über die gleiche Art Humor verfügen“, stellt Anke Goldberg fest. Durch das Lachen entstehe Leichtigkeit, und das mache vieles einfacher. Vergessen werden die Syrer ihre Erlebnisse wohl nie, aber das Reden hilft, sie einigermaßen zu verarbeiten.

Den Entschluss zu fliehen hatten sie im August 2015. Die Brüder und Cousin Amer sollten zum Militär. „Die jungen Männer dienen dem Assad-Regime als Kanonenfutter, werden kaum oder gar nicht ausgebildet in einen grausamen Krieg geschickt, sagt Wasim, der zwei Monate willkürlich inhaftiert war. Im Gefängnis hat er Menschen an den Folgen von Hunger und Folter sterben sehen, wurde selbst gefoltert. Bis nach Bodrum in der Türkei schlug er sich alleine durch. Auch unter Lebensgefahr durch IS-besetzte Gebiete.

In Bodrum traf er auf Ibrahim und Amer, die damals im Gegensatz zu Wasim noch legal aus Syrien ausreisen durften. Immer gegenwärtig ist die Angst, die sie hatten, erwischt, auf Fußmärschen ausgeraubt zu werden oder beim Übersetzen mit einem Schlauchboot von der Türkei nach Griechenland unterzugehen und zu ertrinken. Das Boot hatte Platz für 30 Personen, 62 waren an Bord. Auf der Insel Samos angekommen, wurden sie mit Steinwürfen „begrüßt“.

Alle drei sind mittlerweile als Asylbewerber anerkannt, müssen zunächst Sprachkurse absolvieren, hoffen darauf, irgendwann ihren Beruf ausüben zu können. Bis dahin herrschen hauptsächlich „Langeweile und Leerlauf“, so Gerd Goldberg. Ibrahim fährt viel Rad, erkundet die Gegend und spielt neuerdings Fußball beim SSV 04. Während Wasim und Amer gerne für immer hier bleiben möchten, zieht es Ibrahim zurück in die Heimat. Die werde er aber wohl erst unter einer neuen Regierung wiedersehen können, dämpft Gerd Goldberg die Hoffnung des 24-Jährigen. Denn wie Wasim und Amer gilt Ibrahim als fahnenflüchtig. Bei den Goldbergs können die Syrer aber bleiben, so lange sie wollen.