Verfahren gegen Mann aus Troisdorf eingestellt Langer Nachbarschaftsstreit eskalierte

Siegburg/Troisdorf · Der Nachbar soll eine Frau aus Troisdorf beleidigt und geschlagen haben. Das Handyvideo zeigt jedoch, wie sich der Streit tatsächlich zugetragen hat.

Das Verfahren gegen einen 74-Jährigen vor dem Siegburger Amtsgericht wurde eingestellt.

Das Verfahren gegen einen 74-Jährigen vor dem Siegburger Amtsgericht wurde eingestellt.

Foto: Ralf Klodt

Schwere Vorwürfe erhob eine Frau aus Troisdorf gegen einen Nachbarn und seine Tochter, die im selben Haus wohnten. Während der Verhandlung am Siegburger Amtsgericht unter Vorsitz von Richterin Alexandra Pohl entpuppte sich das Ganze allerdings als ein Sturm im Wasserglas. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft sah kein öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung und stellte das Verfahren wegen Geringfügigkeit ein.

Der 74-jährige Angeklagte war wegen Beleidigung und Körperverletzung angeklagt, seine 28-jährige Tochter wegen Bedrohung. Der Vater soll im Mai 2023 in Troisdorf die beiden mit ihren Kindern spielenden Geschädigten, die Nachbarin und deren Schwester, im Hausflur beschimpft und beleidigt, gegen ein Bobbycar der Kinder getreten und der schwangeren Nachbarin in den Unterleib geschlagen haben. Als deren Schwester begann den Vorfall mit ihrem Mobiltelefon zu filmen, soll die Tochter des Angeklagten aus der Wohnung gekommen sein und ihr gedroht haben, ihr mit dem Hammer, den sie in der Hand hielt, den Kopf einzuschlagen.

Keine Beleidigungen auf Video

Der Angeklagte sagte die beiden Schwestern haben an seiner Wohnungstür geklingelt und sich über den Lärm der Renovierungsarbeiten beschwert. Er habe nur gesagt, sie sollten abhauen und ihn in Ruhe lassen. Auf dem Handyvideo der Geschädigten ist zu sehen, wie die Kamera bereits auf die Wohnungstür des Angeklagten gerichtet ist, bevor dieser öffnet. Dann ist ein heftiger Wortwechsel zu sehen, allerdings sind weder Beleidigungen zu hören noch ein Schlag gegen den Körper der Schwangeren zu sehen. Zu hören ist aber, wie die Geschädigte dem 74-Jährigen provokant zuruft, er solle sie schlagen und dieser antwortet, er mache sich nicht die Hände an ihr schmutzig.

Zu sehen ist auch, dass die Tochter einen Hammer in der Hand hält, nicht aber zu erkennen, dass sie damit droht. Ihrer Aussage nach hatte sie das Werkzeug bei der Wohnungsrenovierung benutzt und beim Verlassen der Wohnung nur nicht weggelegt. Der Staatsanwaltschaft betonte nach Sichtung des Videos, es handle sich wohl eher um einen Nachbarschaftsstreit, der sich hoch geschaukelt habe, denn die Parteien seien bereits seit Langem „im Clinch“. Die Schwestern haben seiner Meinung nach die ganze Zeit gefilmt, um zu provozieren. Die ganze Situation habe vermieden werden können, wenn der Angeklagte die Tür gleich wieder geschlossen hätte oder die Schwestern erst gar nicht geklingelt hätten. Er stellte klar: „Das müssen wir nicht strafrechtlich aufarbeiten“.

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