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Neue Ausstellung im Stadtmuseum Siegburg: „Mit dem Gespür eines Trüffelschweines“

Neue Ausstellung im Stadtmuseum Siegburg : „Mit dem Gespür eines Trüffelschweines“

Das Stadtmuseum Siegburg stellt Werke der bedeutenden Drucker und Grafiker HAP Grieshaber und Josua Reichert aus. Die Vernissage dazu ist am Sonntag, 9. Oktober.

Als großer deutscher Bildhauer und Grafiker hat sich HAP Grieshaber (1909-1981) mit den Sehgewohnheiten in der Kunstbetrachtung auseinandergesetzt und damit nicht nur für seine eigene Kunst wesentliche Erkenntnisse gewonnen. „Wir sehen nicht, weil wir aus Feigheit erst wissen wollen, ehe wir zu empfinden wagen“, sagt er etwa in Hinblick auf Vorfestlegungen in der Kunstanalyse. Den Werken HAP Grieshabers und seines letzten Schülers Josua Reicherts (*1937) widmet sich eine ganz Folge von Siegburger Veranstaltungen, die mit einer Vernissage am Sonntag ihren Anfang nehmen.

„Hallo Josua, hier ist der Gries“ – so lautete stets die Begrüßung bei Telefonaten, die der Lehrer mit seinem Schüler führte. Der verbalen Begegnung steht nun eine visuelle gegenüber. Die Begrüßung dient dabei als Titel der Veranstaltungsreihe zu Grieshaber und Reichert, die das Stadtmuseum in Kooperation mit der Siegburger Stadtbibliothek und der Buchhandlung R² anbietet.

„Als wir das Siegburger Stadtmuseum das erste Mal besuchten, waren wir sofort von diesem wunderbaren Ort angetan“, schwärmten die drei Kuratoren der Grieshaber-Gesellschaft Johannes Göbel, Wolfgang Glöckner und Denise Essig beim Aufbau der Ausstellung. Gerade in Hinblick auf die Ausstellung zweier Generationen reflektiere der Siegburger Kunstraum mit seinem Zusammentreffen von historischer Architektur des ausgehenden 19. Jahrhunderts und der Moderne des 21. Jahrhunderts einmal mehr das befruchtende und sich vereinbarende Miteinander der Stile.

Grieshabers künstlerischer Schwerpunkt war der Holzschnitt. Er schuf großflächige Formate, monumentale Wandbilder, Kunstdrucke mit kritischen Aussagen zu Politik und Weltgeschichte. Als Querdenker, der in der Zeit des Nationalsozialismus im Verborgenen arbeiten musste, ließ er sich dennoch nicht verbiegen. Vielmehr noch: Unverbogene, eigenständige Kunstdeutung fordert er dem Betrachter geradezu ab und bietet damit die Basis zu einer individuellen Interpretation von Kunst.

Ein künstlerisch gedeuteter Satz seines Schülers Josua Reichert seht im Zentrum der Siegburger Schau: „Der Deutsche soll alle Sprachen lernen, damit ihm zu Hause kein Fremder unbequem, er aber in der Fremde überall zu Hause sei.“ Über die unglaubliche Aktualität und den zeitlichen Hintergrund des Spruches von 1815 und seiner Bearbeitung durch Reichert aus dem Jahre 1993 wird der Kurator Göbel berichten.

Gedruckt wurde der Satz ursprünglich in den „Maximen und Reflexionen“ Goethes (1815). „Mit dem Gespür eines Trüffelschweines“, so Kuratorin Essig, „entdeckt Reichert solche Aussagen, die von zeitloser Bedeutung für unsere Gesellschaft sind und das grundsätzliche Verständnis eines aufgeschlossenen, menschlichen Miteinanders in Worte fassen. In gleich acht Veranstaltungen wird dieser Satz im Stadtmuseum eine Bedeutung haben.

Die Vernissage zur Ausstellung „Hallo Josua, hier ist der Gries“ beginnt am Sonntag, 9. Oktober um 11.30 Uhr. Im Rahmenprogramm zur Ausstellung gibt es im Anschluss ein Matinée-Gespräch mit Johannes Göbel und Wolfgang Glöckner zum Künstler-Dialog zwischen Grieshaber und Reichert.