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Prozess nach Unfall in Hennef: Mit Tempo 217 auf Rollsplitt unterwegs

Prozess nach Unfall in Hennef : Mit Tempo 217 auf Rollsplitt unterwegs

Eine Limousine hat sich bei einem Unfall auf der A560 überschlagen und war danach nur noch Schrott. Der Fahrer bekam jetzt vor dem Siegburger Amtsgericht eine Geldstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Die Fahrt von einer Hennefer Diskothek nach Köln endete Ende März vergangenen Jahres in einer langgezogenen Linkskurve der Autobahn A560. Der Fahrer verlor die Kontrolle über die PS-starke Limousine, knallte in eine Böschung, überschlug sich, rasierte eine Menge Bewuchs ab, krachte vor eine Lärmschutzwand und von dort nach erneutem Überschlag wieder auf die Fahrbahn.

Nach gut 250 Metern kam das Fahrzeug völlig zerstört an der Mittelleitplanke zum Liegen. Der Fahrer konnte mit Hilfe anderer Verkehrsteilnehmer relativ unverletzt aus dem Schrotthaufen geborgen werden, sein 24-jähriger Beifahrer wurde schwer verletzt, lag vier Monate im Koma und wird wohl nie wieder vollständig geheilt werden. Von Richter Hauke Rudat gab es jetzt die Strafe: 80 Tagessätze zu je 60 Euro sowie weitere neun Monate Führerscheinentzug.

Der 43-jährige Fahrer aus Köln war mit dem Sohn seines besten Freundes abends nach Hennef-Uckerath in eine Diskothek gefahren. Der 24-Jährige hatte Probleme mit seinen Eltern und einer Freundin. Da sollte der junge Mann auf andere Gedanken gebracht werden.

Auf der Heimfahrt in der späten Nacht übersah der Fahrer dann nicht nur die Geschwindigkeitsbeschränkung von 80 Stundenkilometern, sondern auch die Warnung vor Rollsplit. Weil er laute Musik hörte, so erklärte er dem Gericht, habe er nicht auf „den Tacho geachtet“. In der Linkskurve auf der A560 verlor er dann die Kontrolle über den Wagen – ein vom Gericht bestellter Gutachter hat über zwei Rechenverfahren ermittelt, dass er mit 217 Stundenkilometern unterwegs war.

Weil die Reifen auf dem Rollsplit bei diesem Tempo nicht mehr griffen, war der Wagen 250 Meter „rutschend oder fliegend“, wie der Gutachter es nannte, unterwegs. Was die Polizei später fotografierte, seien „Bilder des Schreckens“ gewesen. Der junge Beifahrer wurde bei dem Unfall schwer verletzt. Noch heute leidet er unter den Folgen: Gedächtnisverlust, Schlafstörungen, Kopf- und Rückenschmerzen. Neuropsychologische Behandlungen sind nach wie vor die Folge. Auf die Fragen des Richters vermag er nur schlecht zu antworten.

Keine Erinnerungen mehr an den Unfall

Das Gericht merkt ihm an, wie sehr er sich quält, um Fragen zu beantworten. An den Unfall selbst hat er keine Erinnerungen mehr. Die seien erst in der Rehabilitation wiedergekommen. Hass auf den Fahrer hege er nicht, der sei immer „wie ein Onkel“ zu ihm gewesen. Der Kölner selbst zeigte sich reuig. Es tue ihm „unendlich leid“, was mit dem jungen Mann passiert sei. Es wäre ihm sogar lieber, er hätte die ganzen Verletzungen erlitten.

Schließlich plädierte die Staatsanwaltschaft auf eine Bestrafung wegen fahrlässiger Körperverletzung und den Entzug der Fahrerlaubnis. Dem schloss sich das Gericht an und verurteilte den Angeklagten zu 80 Tagessätzen zu je 60 Euro und neun Monaten Führerscheinentzug. „Man fährt nicht zufällig 217 Stundenkilometer. Im Übrigen gibt es auf den Autobahnen eine Richtgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometern“, so der Richter.