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Waldschäden in Siegburg: Mountainbiker bauen illegale Strecken im Kaldauer Wald

Waldschäden in Siegburg : Mountainbiker bauen illegale Strecken im Kaldauer Wald

Schon seit Jahren beobachten Waldbesitzer die zunehmende Anzahl an illegal angelegten Mountainbike-Strecken im Kaldauer Wald. Die Grundstückseigentümer kritisieren, dass die Behörden untätig seien.

Downhill einen Trail hi­nunterrasen, über Rampen fliegen und durch Halfpipes kurven. Für Mountainbiker gibt es nur wenige Dinge, die ihnen mehr Spaß machen. Spaß haben sie offensichtlich auch im Kaldauer Wald nahe des ehemaligen Waldhotels Grunge. Allerdings sind sie dort auf privaten Waldstücken unterwegs – und das ist nicht gestattet, wie auch das Anlegen von Rampen, Trails und das Verdichten des Bodens.

Das geht nun schon seit geraumer Zeit so, und dass die illegal angelegte Strecke sogar in speziellen Mountainbike-Apps verzeichnet ist, ärgert Waldbesitzerin Doris Sengstock und ihren Ehemann Udo, die in Ostwestfalen leben, ganz besonders.

Flora und Fauna durch Trails in Gefahr

„Der Wald wird immer mehr zerstört, aufschießendes Buschwerk und Jungbuchen haben keine Chance heranzuwachsen. Es werden rücksichtslos Baumwurzeln freigelegt, Kuhlen ausgehoben und Erdwälle angelegt. Das Gebiet verödet, während die Vegetation auf nicht betroffenen Grundstücken gedeiht“, schreibt Doris Sengstock in einem Brief an Siegburgs Bürgermeister Franz Huhn und fordert ihn auf, von Amts wegen tätig zu werden und mit Kontrollen, vor allem an Wochenenden sowie in den Ferien und mit entsprechender Beschilderung „zum Schutz des Waldes und des Eigentums des Bürgers tätig zu werden“.

Der Brief hat eine längere Vorgeschichte, inklusive Schriftwechsel mit der Siegburger Stadtverwaltung. Nun ist es nicht so, dass Doris Sengstock grundsätzlich etwas gegen Mountainbiker hat. Sie verlangt, dass der Wald nicht ordnungswidrig genutzt wird.

Deshalb schrieb sie bereits im Jahr 2019 an das Amt für öffentliche Ordnung und wies auf die Missstände in dem Waldstück hin. Die Biker hatten dort unter Verwendung von Baumstämmen und Bauholz eine hohe Sprungschanzen-Anlage in den Wald gebaut. Sie forderte beim zuständigen Ordnungsamt die Feststellung der Erbauer und damit verbunden den Rückbau der Anlage durch die Downhiller.

Nach geraumer Zeit und diversem Schriftwechsel teilte das Ordnungsamt der Stadt mit, dass sie trotz wiederholter Begehung der betroffenen Grundstücke die Erbauer der Anlagen „nicht ausfindig machen konnte“. Überdies wurden die betroffenen Grundstückseigentümer mit Fristsetzung dazu aufgefordert, die von den Mountainbikern widerrechtlich auf ihren Grundstücken errichteten Aufbauten zu entfernen, da sonst der Rückbau durch die Stadt – auf Kosten der Eigentümer – veranlasst würde.

Auch eine von den Besitzern pa­rallel gestellte Strafanzeige gegen Unbekannt zeigte keinen Erfolg. Sechs Wochen später kam die Antwort der Staatsanwaltschaft, dass eine Einleitung von Ermittlungen nicht in Betracht komme, weil der geschilderte Sachverhalt unter keine strafrechtliche Vorschrift falle.

Im August 2019 teilte die Stadt Siegburg mit, dass die Errichter der Anlage trotz weiterer Recherchen nicht festgestellt werden konnten. Eine Woche später dann heißt es in einem weiteren Schreiben, dass die Aufbauten von einem der Grundstückeigentümer entfernt worden seien, verbunden mit der Aufforderung, den Zustand des Grundstückes regelmäßig zu kontrollieren und eventuellen Gefahren entgegenzuwirken.

Das Schreiben löst bei Udo Sengstock und seiner Frau indes Unmut aus „Der Waldgrund der betroffenen Eigentümer wird in keiner Weise geschützt“, sagen sie und kritisieren, dass der Bau und die Nutzung der illegalen Strecke dem Forstamt durchaus bekannt seien, aber nichts unternommen werde.

Und ganz offensichtlich sind Mountainbiker weiter im Kaldauer Wald gefahren und haben fleißig gebaut. Bei einer Kontrolle ihres Grundstücks im Mai dieses Jahres musste das Ehepaar feststellen, dass Halfpipes massiv mit Bauholz, Stämmen und Ästen befestigt waren: Die Eigentümer ebneten mit viel Kraftaufwand noch am selben Tag die Halfpipes ein und vergruben das Konstruktionsholz. Sie befestigten Hinweisschilder am Anfang und Ende des Grundstücks. Währenddessen trafen sie auch zwei Mountainbiker, denen nicht klar war, dass sie sich ordnungswidrig verhielten.

Nur einen Monat später sieht es auf dem Grundstück schon wieder so aus – schlimmer noch! Ein neuer, noch breiterer Parcours war angelegt worden, eines der beiden Hinweisschilder verschwunden.

Viele Biker waren an dem Sonntag auf dem von den Fahrern „Gisela“ benannten Trail im Kaldauer Wald unterwegs, die meisten zeigten Verständnis für die Aufforderung, das Privatgrundstück zu verlassen, bis auf einen, der nicht fotografiert werden wollte und sich aggressiv verhielt, berichten die Sengstocks, die deshalb die Polizei riefen. Als die Beamten erschienen, waren die jugendlichen Biker in der Zwischenzeit verschwunden.

„Das Ganze nimmt einfach kein Ende“, sagt Udo Sengstock und kritisiert, dass der illegale Zustand dauerhaft geduldet werde. Schon 2011 musste eine illegale, aber behördlich geduldete Strecke in dem Waldstück zurückgebaut werden. Da wollte sich der Bürgermeister für die Biker einsetzen und mit Waldbesitzern sprechen, wo es geeignete Flächen gibt. Ein Ergebnis wurde offensichtlich nicht gefunden. Dass die gleichen Zustände jetzt wieder herrschten, sei „skandalös“, meint Doris Sengstock.

„Der Kaldauer Wald steht unter Landschaftsschutz, und man will da jetzt auch nach einer nachhaltigen Lösung suchen“, sagt Björn Langer von der Pressestelle der Stadt Siegburg.

Die Stadt Siegburg hat den Brief der Sengstocks an den Bürgermeister inzwischen auch beantwortet. „Ihr Unmut über die Nutzungen des Waldgrundstücks ist anhand der Schilderungen nachvollziehbar“, schreibt das Zentrale Anliegenmanagement im Auftrag von Franz Huhn. Die Stadt werde Kontakt mit der Polizei, dem zuständigen Forstamt und der Unteren Naturschutzbehörde des Rhein-Sieg-Kreises aufnehmen, um ein geeignetes Vorgehen festzulegen.

Einige Mountainbikefahrer nutzen nicht etwa die für Radfahrer ausgewiesenen Strecken im Wald, sondern schaffen sich neue. Das führt zu Problemen für Flora und Fauna. Foto: picture alliance / dpa-tmn/BikeTec/pd-f

Für Thomas-Hans Deckert, Fachgebietsleiter Hoheit und Naturschutz beim Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft, sind die Mountainbiker auf illegalen Trails ein „Riesenproblem“, nicht nur im Kaldauer Wald. „Da sind in unserem Zuständigkeitsbereich sehr viele private Waldbesitzer betroffen.“ In allen Fällen sei das eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Er könne die Waldbesitzer sehr gut verstehen, aber regelmäßige Kontrollen seien nicht möglich.

„Das ist auch ein Personalproblem. Ein Revierförster betreut 30 Quadratkilometer. Der kann gar nicht überall sein“, sagt Deckert und versprach, verstärkt ein Auge auf den Kaldauer Wald zu werfen. „Die Leute sollen sich bei uns melden.“ Das Forstamt setze im Rahmen der Ordnungspartnerschaft mit der Polizei und dem Ordnungsamt auf Stichproben. „Kein Biker darf sich sicher fühlen, wenn er auf illegalen Trails unterwegs ist.“ Er sagt indes auch, dass alle Biker im Wald „herzlich willkommen“ seien. „Wenn sie denn auf den legalen Wegen bleiben. Andernfalls gilt null Toleranz.“

Das Amt prüfe gerade, ob es die App-Anbieter, die viele illegale Trails anböten, abmahnen könne.