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Landgericht Bonn: Nachbarschaftsstreit um Thuja-Hecke vor Gericht

Landgericht Bonn : Nachbarschaftsstreit um Thuja-Hecke vor Gericht

Eine Siegburgerin verklagt ihre Nachbarin, weil sie die 40 Jahre alte Grenzpflanzung ohne Absprache entfernt haben soll. 6000 Euro will sie, um die Hecke neu anzupflanzen.

Schwups, da war sie weg: Am 12. Februar dieses Jahres wurde eine Siegburgerin durch das Heulen einer Motorsäge aufgeschreckt und trotz umgehenden Protests war nach kurzer Zeit die gesamte, rund zehn Meter lange Thujahecke verschwunden. Sie hatte in den vergangenen 40 Jahren die Grundstücke zweier Doppelhaushälftenbesitzer zueinander abgegrenzt.

Nur noch die knapp über dem Boden abgesägten Stümpfe der immergrünen Nadelbäume waren auf der Grundstücksgrenze zu sehen, nachdem drei Männer das Gehölz im Auftrag der Nachbarin entfernt hatten. Weil sie der Überzeugung ist, dass zumindest ein Teil des Gewächses ihr gehörte und die Nachbarin sich schlicht über ihren Willen, den „Sicht- und Vogelschutz“ zu erhalten, hinweggesetzt hatte, verklagte sie die Frau vor dem Bonner Landgericht. Stolze 6000 Euro möchte sie für eine Neuanpflanzung erstreiten.

Hecke „aus spontaner Lust“ entfernt?

Ihre besten Zeiten hatte die Anpflanzung wohl bereits hinter sich: Das Gehölz sei vertrocknet und unansehnlich gewesen, hatte die Beklagte angegeben. Tatsächlich sehen die Pflanzen auf mehreren vor der Rodung entstandenen Fotos nicht besonders attraktiv aus.

Offenbar schätzte die Klägerin aber dennoch den Schutz vor ungebetenen Blicken, den die rund 2,2 Meter hohe Pflanzung bot. Sie habe das Haus im Jahr 2014 gekauft und die Hecke habe die Vorbesitzerin in den Achtzigerjahren „auf der gemeinsamen Grenze, aber überwiegend auf ihrem eigenen Grundstück“ angelegt. Der kompletten Entfernung am 12. Februar seien gut eine Woche zuvor erste Rodungen vorausgegangen: Als sie ihre Nachbarin daraufhin fragte, warum sie die Hecke entferne, habe diese ihr lapidar erwidert: „aus spontaner Lust.“

Weniger spontan sollen dann die Folgearbeiten Mitte des Monats vonstatten gegangen sein. Nachdem sie den eingangs erwähnten Motorsäge-Geräuschen nach draußen gefolgt war, habe sie sich drei offenbar von der Nachbarin beauftragten Gartenarbeitern gegenüber gesehen, die gerade damit beschäftigt waren, die Reste der Pflanzung zu beseitigten.

Entfernung mit Nachbarn abgesprochen

Dem Tun des Trios habe sie heftigst widersprochen, sei aber von den Arbeitern auf ihren Protest hin nur angegrinst worden. „Ist mir doch egal“, habe einer der Arbeiter sie beschieden, während er mit der laufenden Motorsäge vor ihr herumgefuchtelt und die restliche Hecke niedergemacht habe. In ihrer Not rief die Frau die Polizei, bei deren Eintreffen sowohl die Arbeiter als auch die Resthecke aber bereits verschwunden waren.

Die Beklagte gibt hingegen an, die Pflanzung habe mitnichten die Vorbesitzerin des Nachbarhauses, sondern die ehemaligen Besitzer ihres eigenen Anwesens angelegt. Sie habe die Hecke entfernt, weil sie mit der Zeit unansehnlich geworden sei. Das habe sie aber nicht wie von der Klägerin behauptet „aus spontaner Lust“ getan, sondern zuvor mit ihren Nachbarn abgesprochen: Nicht nur die Klägerin, sondern auch deren Ehemann hätten der Entfernung ein Jahr zuvor ausdrücklich zugestimmt. Wie der Streit ausgeht, wird ein Zivilrichter demnächst entscheiden.

Aktenzeichen: LG Bonn 1 O 146/21