Rhein-Sieg-Kreis Neue Umschlagsplätze für den kombinierten Verkehr

RHEIN-SIEG-KREIS · Im Rhein-Sieg-Kreis könnten neue Umschlagsplätze für den kombinierten Verkehr entstehen. Grundlage der Überlegungen ist ein Gutachten, das das Planungsamt des Rhein-Sieg-Kreises im Rahmen des "Kreisentwicklungskonzepts 2020" in Auftrag gegeben hatte.

 Eine direkte Anbindung an die rechtsrheinische Hauptstrecke im Güterverkehr gibt es bereits in Troisdorf. FOTO: INGO EISNER

Eine direkte Anbindung an die rechtsrheinische Hauptstrecke im Güterverkehr gibt es bereits in Troisdorf. FOTO: INGO EISNER

Im Planungs- und Verkehrsausschuss stellte Klaus Esser von der beauftragten KE-Consult Kurte & Esser GbR aus Köln die Ergebnisse vor. Wichtigste Erkenntnis: Durch die Region Bonn/Rhein-Sieg verläuft zwar eine der wichtigsten Hauptverkehrsadern Europas. Der größte Teil der Güter wird derzeit jedoch auf der Straße transportiert, während Schieneninfrastruktur brachliegt.

Das Problem, so Wirtschafts- und Verkehrsberater Klaus Esser: "Ein großer Teil der Umschlagsleistung findet nicht in der Region statt." Stattdessen werden die Güter vor allem in Köln-Eifeltor und in den Kölner Häfen umgeschlagen. Essers Schlussfolgerung: "Es drängt, einen rechtsrheinischen Standort zu etablieren." So könnte Wertschöpfung - sprich: Geld - in der Region gehalten werden, darüber hinaus könnten neue Arbeitsplätze entstehen.

Im Auftrag einer Projektgruppe unter Federführung des Kreis-Planungsamtes, an der auch die Wirtschaftsförderung, die Bonner Hafenbetriebe, die Stadt Troisdorf, die IHK Bonn/Rhein-Sieg und die Rhein-Sieg Eisenbahn GmbH beteiligt sind, hat Esser die Markt- und Rahmenbedingungen des Schienengüterverkehrs in der Region untersucht. Ein Potenzial von rund einer Million Tonnen Gütern sieht der Gutachter durch Sicherung, Reaktivierung und Schaffung von Gleisanschlüssen.

Eine weitere halbe Million Tonnen könnte durch öffentliche Umschlagsanlagen für den kombinierten Verkehr akquiriert werden, der verschiedene Verkehrsträger wie Straße, Schiene und Schiff miteinander verbindet.

Als ideale Lösung zur Schaffung eines solchen Umschlagsplatzes hat der Gutachter im rechtsrheinischen Troisdorf ausgemacht. Entweder an den Spicher Seen oder im Industriepark Mülheimer Straße wäre eine direkte Anbindung an die rechtsrheinische Hauptstrecke im Güterverkehr vorhanden. Im Industriepark, so Esser, könnte Transport generiert werden, weil dort bereits Infrastrukturanlagen vorhanden sind. Ein Nachteil ist jedoch "das begrenzte Flächenangebot, das weitere Entwicklungsoptionen in der Zukunft beschränkt".

Ein möglicher Standort für einen neuen Umschlagplatz für Güter im linksrheinischen Kreis liegt zwischen Bornheim und Sechtem. "Ein Anschluss an das Fernstraßennetz könnte über die A 555 erfolgen", erläuterte Esser. Der Haken: Es gibt dort wenig Industrie und somit ein geringes Originäraufkommen, das generiert werden könnte.

Der Ausschuss beauftragte die Verwaltung, die geeigneten Standorte zu prüfen. Damit hat sie sogar schon angefangen: "Wir sind mit Troisdorf bereits im Gespräch, und einige Unternehmen haben ernsthaftes Interesse bekundet", sagte Mehmet Sarikaya, Leiter des Planungsamtes.

Denn vor allem die Unternehmen sind es laut Klaus Esser, die am Zug wären, die Umschlagplätze zu nutzen. "Man muss sie vor allem über Fördermöglichkeiten informieren", so Esser. Hier seien wiederum die Kommunen gefragt. "Man muss natürlich nachweisen, dass man anderen Standorten nichts abgraben will", machte der Gutachter deutlich.

Andere Sorgen hatte Ausschussmitglied Oliver Krauß (CDU) in Anbetracht der Tatsache, dass auch Köln überlege, einen rechtsrheinischen Umschlagplatz zu schaffen: "Wenn der nach Kalk oder Gremberg kommt, ist das zu nah an Troisdorf - dann nehmen die uns ja etwas weg."

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