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Einkaufen mit Termin: Neustart in der Siegburger Innenstadt

Einkaufen mit Termin : Neustart in der Siegburger Innenstadt

Viele Siegburger Händler vergeben jetzt Termine an ihre Kunden. Dabei verwenden sie ganz unterschiedliche Buchungssysteme.

Bei Passanten sorgten die offenen Türen in der Siegburger Innenstadt am Montagmorgen für Verwirrung – war das Bild von durchweg hell erleuchteten Geschäften doch lange Zeit verschwunden. „Einige Kunden kamen tatsächlich zu uns in den Laden, waren überrascht, dass wir wieder auf hatten und dachten, sie können einfach wieder so einkaufen“, sagte Carolin Do vom Modegeschäft S. Oliver an der Kaiserstraße.

Die neue Corona-Schutzverordnung gibt weiteren Händlern seit Montag die Möglichkeit, ihre Geschäfte zu öffnen. Während man in der Buchhandlung Thalia am Markt auch ohne Anmeldung stöbern kann, ist das in vielen Mode- und Fachgeschäften nur mit Termin möglich. Für die Terminvergabe haben sich die Einzelhändler ganz unterschiedliche Systeme ausgedacht.

Bei S. Oliver ist es möglich, einen Termin über einen QR-Code oder über die Internetseite zu buchen. Dieses System ist jedoch gerade für ältere Leute, die kein Smartphone oder keinen Internetzugang haben, oftmals eine Herausforderung, wie die S. Oliver-Verkäuferin berichtet. „Ein paar Kunden kamen direkt zur Tür und fragten, ob sie reinkommen dürften“, sagte Do. Dies ist jedoch nur möglich, wenn ein Terminslot gerade frei ist. In diesem Fall nimmt sie die Adressdaten der Kunden vor Ort auf, wie es die Gastronomen vor dem Lockdown gemacht haben. Doch dazu sind längst nicht mehr alle Käufer bereit, wie die Verkäuferin berichtet.

Während sich bei Galeria Kaufhof, C&A und H&M vor den Türen bereits kleine Schlangen bildeten, gab es beim Dekoladen Depot an der Bahnhofstraße kaum Wartezeit. Dort ist ebenfalls eine Terminbuchung übers Internet wie auch per Telefon möglich. Wie eine Mitarbeiterin berichtete, sorgte gerade auch hier die Terminbuchung übers Internet für Probleme, sodass viele Kunden zum Hörer griffen oder direkt nachfragten.

Keine Probleme mit ihrem Buchungssystem konnte dagegen Sabrina Friedrichs vom Lederwarengeschäft Liebeskind Berlin vermelden. In ihrem Geschäft ist nicht nur eine Terminbuchung über Telefon und QR-Code möglich, sondern zusätzlich auf Facebook und per E-Mail. „Wir haben ja grundsätzlich eine sehr junge Kundschaft, und die bucht ihre Termine tatsächlich meist über Facebook“, erklärte Friedrichs. Viele Kunden seien am Montagmorgen noch sehr verhalten gewesen, als wieder Licht im Laden brannte, doch die Stammkunden freuten sich, berichtet sie.

Dem schloss sich Bianca Stanton vom Modegeschäft Stanton Moden an. Sie freute sich vor allem über viele Stammkunden, die das Angebot wahrgenommen haben. In ihrem Geschäft können Kaufinteressierte neben einer Terminvereinbarung vor Ort auch einen Zeitslot über Whatsapp buchen.

Ebenfalls positiv überrascht war Simone Wolf vom Wäschegeschäft Hunkemöller. „Die Kunden haben richtig Lust, wieder zu shoppen“, so Wolf. Bei Hunkemöller ist ebenfalls eine Terminvergabe über Telefon oder Internet möglich. Lange Wartezeiten gab es bisher auch dort nicht. „Viele Kunden stehen vor dem Geschäft und rufen an, und die meisten konnten wir bisher direkt reinlassen“, sagte Wolf.

Dies ist jedoch nicht überall der Fall, wie ein verärgerter Passant in der Fußgängerzone berichtete: „In ein Geschäft kann ich direkt reingehen und einkaufen, während ich bei C&A drei Tage auf einen Termin warte und dann auch nur begrenzt Zeit in dem Geschäft habe.“ Empfehlenswert ist daher, sich vorher Gedanken über die Einkaufstour zu machen.

„Das richtige Shopping-Erlebnis wird durch die Terminvergabe verhindert“, sagte Kangsadan Klaiklung vom Schmuckgeschäft Bijoux Brigitte. Dort können Termine auch über einen QR-Code oder telefonisch vereinbart werden. Viele Kunden, insbesondere die Laufkundschaft, verliere sie jedoch durch die Einschränkung. „Für den Umsatz bringt uns das Terminvergabe-System leider nicht viel“, so Klaiklung, „denn wir leben eigentlich davon, dass Freundinnen zusammen durch den Laden bummeln. Das wird aktuell verhindert.“ Außerdem sei der Aufwand rund um die Terminvergabe enorm, so Klaiklung.

Neben dem Eintragen der Kundendaten müsse zwischen den Terminen immer wieder desinfiziert werden. Die Verkäuferin hofft, dass es bald weitere Lockerungen gibt, die dann für alle Einzelhändler einheitlich gelten. Eines wurde nämlich von allen Händlern bemerkt: Die Unsicherheit bei den Kunden, welche Geschäfte aufhaben dürfen und ohne Termin besucht werden können und welche nicht, ist groß.gen gibt.