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Situation in den Tierheimen: Noch kann die Tierwelt in der Region der Hitze trotzen

Situation in den Tierheimen : Noch kann die Tierwelt in der Region der Hitze trotzen

Unter der Hitzewelle leiden nicht nur die Menschen: Bedroht sind vor allem kleinere Gewässer und Seen. In den Wäldern und im Tierheim ist die Situation dagegen stabil.

Viele Menschen in der Region leiden unter der derzeitigen Hitzewelle. Und auch an der Tierwelt gehen die hohen Temperaturen nicht spurlos vorbei. Allerdings können die Tiere der Hitze trotzen – noch.

Im Tierheim Troisdorf ist die Lage recht entspannt. „Wir haben noch nicht das große Chaos“, sagt Helga Berben, Leiterin der Einrichtung. Das Hundehaus ist aus Stein und Beton und sei daher relativ kühl. Die Tiere werden aber früher als sonst rausgelassen – so lange die Temperaturen noch nicht so hoch sind. Außerdem sorge man für mehr Wasser und die Gassi-Zeiten werden in die kühleren Stunden verlegt und teilweise verkürzt. Zudem meide man Gewässer wie die Agger, die derzeit wenig Wasser führen: durch das heiße Wetter bestehe eine höhere Infektionsgefahr. Die Katzen halten sich von selbst bevorzugt im Schatten und drinnen auf. Berben macht sich keine großen Sorgen: „Das ist nicht die erste Hitzeperiode, die wir erleben.“ Sollten die hohen Temperaturen allerdings anhalten, müsse man jedoch einen Sonnenschutz für den Freilauf anbringen.

Genügend Bäche und Quellen

Auch in den Wäldern im Rhein-Sieg-Kreis wird noch keine Alarmstufe ausgerufen. „Die Tiere kennen sich in der Regel gut aus. Es sind noch genug Bäche da, sodass sie nicht verdursten“, erklärt Stephan Schütte, stellvertretender Leiter des Regionalforstamtes Rhein-Sieg und Erft. Im Kottenforst gibt es kleine Tümpel, sogenannte Maare, die aufgrund ihrer wasserundurchlässigen Schicht selbst bei langanhaltender Hitze weiter Wasser führen. Auch im Siebengebirge gebe es genug kleine Quellen, die nicht austrocknen. Vorteil sei, dass die Waldbäche in der Regel im Schatten der Bäume liegen. Die Tiere müssten nur zum Teil weiter laufen, um eine Wasserstelle zu finden. „In eher flachgründigen Standorten werden die Bäume braun, aber ansonsten sieht es noch erstaunlich gut aus in den Wäldern“, sagt Schütte.

Er erwartet allerdings, dass es Probleme mit Borkenkäfern geben wird. Bei hohen Außentemperaturen verkürzt sich deren Entwicklungszeit. Außerdem sei viel Bruchholz aufgrund der Winterstürme vorhanden, in dem sich Insekten gut vermehren können. Die Käfer bevorzugen Nadelbäume, vor allem Kiefern, und dringen in die Rinde ein. Da die Bäume geschwächt seien, so Schütte, könnten sie sich nicht mehr so effektiv mit Harz gegen den Angriff der Borkenkäfer wehren.

Grillen in Waldnähe verboten

Am meisten Sorgen macht Schütte jedoch derzeit die Waldbrandgefahr: „Es besteht absolutes Rauchverbot. Wir fahren Streife und es gibt hohe Bußgelder“, warnt er. Auch das Grillen auf Grundstücken nahe Waldgebieten sei absolut untersagt.

Mit ganz anderen Problemen sieht sich Andreas Pilgram konfrontiert. In vierter Generation führt seine Familie eine Forellen- und Karpfenzucht. „So eine Trockenheit in den Teichen habe ich noch nicht erlebt. Das ist schon heftig.“ Am kritischsten sei die Situation am Morgen, kurz bevor die Sonne aufgeht. Während die Pflanzen und Algen tagsüber Sauerstoff produzieren, verbrauchen sie diesen während der Nacht. Die Forellenbecken seien aufgrund technischer Mittel gut mit Sauerstoff versorgt. Karpfenteiche sind jedoch grundsätzlich eher flach. Wenn durch die Hitze der Wasserspiegel zu sehr absinkt, erleichtert das Wasservögeln Beute zu machen. Trotzdem ist Pilgram noch nicht zu besorgt: „Bisher ist bei uns alles noch relativ stabil.“ Dennoch sei wahrscheinlich, dass er in nächster Zeit noch einige Teiche stilllegen muss, damit sich diese wieder erholen können. Die Fische muss er dann in andere Becken umsiedeln.

Grundwasserreservoirs auf einem niedrigen Niveau

Der Fischwirtschaftsmeister macht aber nicht nur die Hitze verantwortlich. „Die Probleme sind auch hausgemacht“, ist er sicher. Dadurch, dass beispielsweise immer mehr Einfahrten zugepflastert würden, versickere immer weniger Regenwasser. „Auch deswegen liegen die Grundwasserreservoirs auf so einem niedrigen Niveau“, meint Pilgram.

Langanhaltende Hitze bringt insbesondere kleinere Gewässer aus dem Takt, denn je wärmer es wird, desto weniger Sauerstoff kann das Wasser aufnehmen. In Siegburg führte das am vergangenen Wochenende dazu, dass das Technische Hilfswerk ausrücken musste. In einer stundenlangen Aktion wurde das stehende Wasser im Trerichsweiher mit leistungsstarken Pumpen umgewälzt und so Sauerstoff zugeführt. Nur so konnten die Teichbewohner gerettet werden.