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Sessionsauftakt in Siegburg und Niederkassel: Ohne Bützen geht es auch

Sessionsauftakt in Siegburg und Niederkassel : Ohne Bützen geht es auch

Die Jecken in Siegburg und in Niederkassel feiern mit Umsicht den Auftakt der Session und ihre neuen Tollitäten. Trotz der Sorge mit Blick auf Corona dominieren die Zuversicht und die Freude, dass es endlich wieder losgeht.

Seit Sonntag um 11.11 Uhr ist wieder Karneval. Das Siegburger Karnevalskomitee v. 1861 feierte bereits einige Tage vor dem 11.11. die Eröffnung der diesjährigen Session auf dem Marktplatz. Mit dem Werbespruch „Entdecken! Einkaufen! Geniessen!“ wiesen Plakate auf den ersten verkaufsoffenen Sonntag seit langer Zeit hin. In Siegburg wurden die beiden Ereignisse miteinander verknüpft. Der Marktplatz war voller Menschen.

„Wir freuen uns mega, dass es endlich wieder losgeht“, sagte Michael Hennecken, Vorsitzender der KG Husaren Grün-Weiß, die in diesem Jahr auf ihr 70-jähriges Bestehen anstoßen. Auch Alexander Klein von den Husaren Schwarz-Weiß ist begeistert: „Wir sind einfach froh, dass wir endlich wieder Karneval feiern dürfen.“ Nicht nur für ihn ist Karneval ein Kulturgut, wie er sagt. Die KG Die lustigen Weiber planen bereits ihre Sitzung an Weiberfastnacht. „Wir hoffen sehr, dass Corona uns keinen Strich durch die Rechnung macht. Präsidentin Melanie Webers ist da guter Dinge. Kerstin Freise von den Siegburger Clowns von 1994 strahlt. Ihr Karnevalsverein, in bunten Clownskostümen gewandet, atmet auf. Denn „Wir konnten seit Pandemiebeginn nicht mal in unser Vereinslokal“, so Freise.

Der Aufmarsch startete um 10.30 Uhr vom Kaufhof zur Bühne am Markt. Bürgermeister Stefan Rosemann und Präsident Jörg Sola Schröder begrüßten die Festgäste: „So was hat man lange nicht gesehn!“ Beide begrüßen die 2G-Regel. Das sei sehr verantwortungsvoll. Die Stimmung ist gut, als um 11.11 Uhr aus den Boxen die Bläck Fööss erklingen: „Jetzt geht’s los, hier spielt die Musik!“ Der designierte Siegburger Prinz Clemens Troatz und seine Siegburgia Susanne jubelten den „Jeck-Denkern“ zu. Des Prinzen Appell ans Volk: „Lasst euch impfen!“  sjw

 Statt Bützje tut es auch mal die Corona-Faust

„Irgendwann hat es den Augenblick gegeben, an dem wir entscheiden mussten, ob wir die Session angehen oder nicht. Das war der 30. Juni. Damals waren die coronarelevanten Zahlen niedrig, alles sah gut aus. Da haben wir gesagt: wir machen es.“ Prinz Tobias III, Tobias Langer, erklärt die Entscheidung: „Wir richten uns natürlich nach den jeweils aktuellen Verordnungen“.

 Endlich wieder feiern: Kerstin Freise (l.) von den Siegburger Clowns von 1994 mit Vereinskameradin.
Endlich wieder feiern: Kerstin Freise (l.) von den Siegburger Clowns von 1994 mit Vereinskameradin. Foto: Wagner

Der prinzenstellende Verein für den Stadtteil Rheidt ist in diesem Jahr der KBN – die Knochenbrecher Niederkassel. Zum zweiten Mal, nach 2011 stellt man die Tollität. Schon 2015 hatte man das Festkomitee Rheidter Karneval über den Entschluss informiert. Nun konnte der Verein, 1993 von jungen Freizeitfußballern gegründet, unter dem Motto „Mir jecke fiere all zusammen“ endlich loslegen.

Und nein, sie haben keine Angst vor einem neuerlichen Lockdown, aber nach der aktuellen Entwicklung könne es schon sein, dass vieles wieder eingeschränkt werde. Sie haben aber schon vorgesorgt: Orden gibt es ohne das traditionelle Bützchen, da muss die Corona-Faust reichen. „Und wenn der Brückenlockdown zwischen Nikolaus und Neujahr kommt, sind wir auch nicht enttäuscht“.

 In bester Feierlaune: Das Rheidter Trifolium Prinz Tobias III., Jungfrau Anni und Bauer Marcus.
In bester Feierlaune: Das Rheidter Trifolium Prinz Tobias III., Jungfrau Anni und Bauer Marcus. Foto: Hans-Werner Klinkhammels

Guter Dinge und gut vorbereitet

Die Rheidter Karnevalisten sind guter Dinge und auf alle Eventualitäten vorbereitet. „Dann  würden wir gemeinsam mit dem Festkomitee überlegen, was zu tun ist. Varianten sind genügend da, wir sind auf jeden Fall vorbereitet und haben Pläne in der Schublade“, so der Prinz.

Das Trifolium ist gut aus den Startlöchern gekommen. Schließlich haben sie über ein Jahr darin gehockt – jetzt sind sie proklamiert. Neben Prinz Tobias III. wurden Bauer Marcus (von Scheid) und Jungfrau Anni (Stefan Wirts) dem närrischen Volk der Südstadt als Regenten vorgestellt. Die drei waren sichtlich froh, dass es endlich losgehen konnte: „Es ist einfach super zu sehen, dass wir endlich hier auf der Bühne stehen können und mit euch gemeinsam Karneval feiern können“, waren sie sich einig.

Ordenstechnisch war es übrigens eine Punktlandung: erst am Freitagmorgen konnten die närrischen Sessionsauszeichnungen abgeholt werden. Nun hat mit viel Beifall ihre Regentschaft begonnen.

Die hat auch Prinz Holger I. in Ranzel angetreten. Der Herrscher über die Jecken der Nordstadt hat genau wie Prinz Tobias III. den Schlüssel der Stadt erhalten. Er wird nun mit viel Tärä und Tsching Bum durch die Säle ziehen und Frohsinn verbreiten.

Denn dies ist sein größter Wunsch: „Ich möchte nach der langen Zeit der Enthaltsamkeit wieder Spaß verbreiten und mit den Menschen feiern“. Und wenn Corona doch wieder zuschlägt und Einschränkungen kommen? „Das ist egal, wie sind vorbereitet, wir haben genug Bier da“. khw