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Geschi und Klaus Ridder: Paar aus Siegburg hat Kunst aus 180 Ländern gesammelt

Geschi und Klaus Ridder : Paar aus Siegburg hat Kunst aus 180 Ländern gesammelt

Geschi und Klaus Ridder aus Siegburg teilen ihre Wohnung mit Kunstwerken aus 180 Ländern. Mit einem Osterei fing vor rund einem halben Jahrhundert alles an.

Mit einem einst für die Oma ihres Mannes bemalten Osterei hat vor rund einem halben Jahrhundert alles angefangen. Inzwischen gleicht das Haus von Geschi und Klaus Ridder am Fuße des Siegburger Michaelsbergs einem kleinen Museum. „Wir haben kaum noch eine freie Fläche“, sagt der 78-Jährige, wohlwissend, dass er und seine Frau dennoch auch von ihrer nächsten Reise wieder ein Kunstwerk mitbringen werden. „Meine Frau hat dann immer schon einen Platz im Kopf“, sagt er. Kunstvolle Souvenirs aus rund 180 Ländern hat die Sammelleidenschaft der Ridders auf diesem Weg schon aus der ganzen Welt nach Siegburg gebracht.

Der Grundstein der umfassenden Sammlung ruht in einer Vitrine: Doktor Hase ist auf dem Ei aus dem Jahr 1948 zu sehen. Auf rund 4000 ovale Kostbarkeiten ist Geschi Ridders Eiersammlung mit den Jahren angewachsen. Sie sind aus Glas, Stein oder Metall gefertigt oder kunstvoll gestaltete Vogeleier, vom Miniaturformat bis hin zum stattlichen Straußenei – wie das Mitbringsel aus Kapstadt. Oder ein Ei, dessen Bemalung an Höhlenmalerei aus der Steinzeit erinnert: „Das haben wir in Namibia gefunden. Die Buschmänner nutzen es als Wasserreservoir“, erklärt Geschi Ridder. Zu jedem ihrer Eier weiß die Sammlerin eine kleine Geschichte zu erzählen.

Die steckt auch hinter den anderen, winzigkleinen bis riesengroßen Sammlerstücken, die an den Wänden hängen, auf Regalen thronen, in Schmuckkästen ruhen oder in den Zimmern verteilt stehen. Da ist etwa die rund 3000 Jahre alte Vase, die Geschi Ridder einst in Syrien von einem Scheich gekauft hat. Der Kerzenhalter aus Vietnam, wo die Ridders zu den ersten Touristen gehörten. Das Gürteltier aus Mexiko – „Dort wurde es zu Lebzeiten als Staubsauger eingesetzt“. Die drei Kilogramm schwere Büste von den Fidschi-Inseln, für die sie im Flugzeug einen Extraplatz buchen mussten. Der Läufer aus Indien, der alte Ring aus dem Libanon. Oder die Grabbeigabe aus Ecuador, die Geschi Ridder Bergbauern abgekauft hat.

„Es hängen sehr viele schöne Erinnerungen an den Exponaten“, sagt Klaus Ridder und lässt seinen Blick durch den prall gefüllten Raum schweifen. Erinnerungen an die vielen Reisen, die das Ehepaar gemeinsam, auch mit den vier Töchtern unternommen hat. „Ich war beruflich viel in der Welt unterwegs“, sagt der pensionierte Experte für den Transport von Gefahrgut, der 32 Jahre im Bundesverkehrsministerium gearbeitet hat. Von jeder Reise hat er seiner Frau etwas mitgebracht. Und, wann immer es ging, hat er sie mitgenommen. „Das war eine schöne Zeit“, sagt Geschi Ridder.

Corona-Pandemie durchkreuzt weitere Reisepläne

Das Reisefieber hat die Ridders auch im Ruhestand nicht losgelassen. Allein in diesem Jahr wollten sie eigentlich sechs neue Länder entdecken. In Marokko sind sie Anfang des Jahres noch gewesen. „Leider konnten wir wegen der Corona-Krise einige andere Reisen nicht antreten“, sagt Klaus Ridder. Bei einigen sei es momentan noch offen. Gleichwohl ist die Sammlung gerade erst um ein weiteres Exponat angewachsen. „Eigentlich wollten wir den Skulpturengarten der belgischen Künstlerin Odile Kinart nur anschauen“, sagt Geschi Ridder. Auf dem Weg zurück von Genk nach Siegburg reiste dann aber doch ein echter Kinart-Kopf mit: „Die Künstlerin hat ihn uns geschenkt“, freut sich die Sammlerin.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Ridders direkt beim Künstler kaufen. So hängt etwa auch ein echter Giovanni Vetere in ihrem Haus. Und auch die 2019 verstorbene, schwedische Künstlerin Ulrike Heitmann haben sie persönlich kennengelernt. „Eines ihrer Bilder hat uns sofort gefallen“, erinnert sich Geschi Ridder. Der dafür verlangte Preis indes zunächst weniger, sodass die Ridders ohne das Gemälde die Heimreise antraten. „Das Bild hat uns aber einfach nicht losgelassen“, sagt Klaus Ridder. Und so fuhr das Paar noch einmal einige hundert Kilometer zurück, um es schließlich doch zu kaufen. Es hat einen Ehrenplatz im Hause Ridder.

Die Frage nach ihrem liebsten Stück in der umfassenden Sammlung kann die Siegburgerin nicht beantworten: „Mir gefallen alle gut.“ Einige von ihnen trägt sie sogar bei sich, wenn sie das Haus verlässt. Denn zur Sammlung zählen auch viele Schmuckstücke aus ganz unterschiedlichen Ländern. Ihr Mann hingegen hat einen klaren Favoriten: „Ein Akt, den wir einmal in Schweden gekauft haben.“

Gezielt gesucht haben die Ridders nie nach einem neuen Sammlerstück, das versichern beide. Die Exponate seien gleichsam zu ihnen gekommen. „Meist sehen wir etwas, sind uns einig und überlegen sofort, wo es in unserem Haus stehen könnte“, sagt Geschi Ridder. „Normalerweise müssten wir langsam Exponate auslagern“, sagt ihr Mann. Doch trennen wollen sich die beiden von keinem ihrer Stücke. „Ein paar Sachen haben wir unseren Töchtern gegeben“, räumt Geschi Ridder ein. Die hätten die Sammelleidenschaft ihrer Eltern gewissermaßen geerbt, ebenso die Reiselust. „Als sie noch Kinder waren, sind wir mit ihnen fünf Wochen im VW-Bus durch Mexiko gereist oder quer durch Amerika“, erinnert sich das Paar. Heute reise eine ihrer Töchter einmal im Jahr nach Kenia, wo sie in einem Hilfsprojekt arbeitet.

Inmitten ihrer aus aller Welt zusammengetragen Kunstwerke planen Geschi und Klaus Ridder nun ihre nächsten Reisen. Und sind sich einig: Es ist auch noch Platz für weitere Exponate.