Siegburg Performance wegen Toilettenwagen abgesagt

SIEGBURG · "Missachtung von Kunst" erzürnt Hermann Josef Hack. Die Eröffnung der Galerie des Jungen Forums Kunst in der Burggasse ist ins Wasser gefallen.

 Der Stein des Anstoßes: Der Toilettenwagen vor der neuen Galerie im alten Möbelhaus an der Burggasse.

Der Stein des Anstoßes: Der Toilettenwagen vor der neuen Galerie im alten Möbelhaus an der Burggasse.

Foto: Paul Kieras

Alles war vorbereitet: Die Bilder der ausstellenden Künstler hingen an der Wand, Musikgruppen waren eingeladen, Getränke zur Einweihung bestellt. Da ließ der Siegburger Künstler Hermann Josef Hack am Freitagabend, einen Tag vor Eröffnung der Galerie des Jungen Forums Kunst (JFK) in der Burggasse, eine Bombe platzen.

Er rief den Vorsitzenden des JFK, Karl-Heinz-Löbach an und sagte eine von ihm geplante Performance unwiderruflich ab. Seine Kunstaktion sollte das Highlight des Abends werden. Auslöser für Hacks Zorn war ein Toilettenwagen direkt vor dem ehemaligen Duve Möbelhaus, der dort zum Stadtfest aufgestellt worden war.

Löbach wurde von der Hiobsbotschaft völlig überrascht, versuchte noch zu retten, was zu retten war und setzte sich umgehend mit Ordnungsamtsleiterin Ursula Thiel in Verbindung, die auch gleich in die Burggasse kam und dafür sorgte, dass der Wagen ein Stück versetzt wurde.

Mit der Lösung konnte Löbach - wenn auch schweren Herzens - leben, Hack scheinbar nicht. Der Standort war schon seit Monaten festgelegt, da in der Burggasse einer von insgesamt sieben Kanälen liegt, in die Toilettenwagen Abwasser einleiten dürfen, wie der Verkehrsverein als Veranstalter auf Anfrage mitteilte.

"Ich finde es beschämend, die ehrenamtlichen Bemühungen des Jungen Forums Kunst, aus den heruntergekommenen Räumlichkeiten der Stadt an der Burggasse eine kulturelle Anlaufstelle zu machen, durch Aufstellen eines Toilettenwagens zu entwerten. Ich kann und werde meinen Besuchern eine derartige Missachtung der Kunst nicht zumuten und werde über die sozialen Netzwerke und die Medien meine Interessenten wieder ausladen", ließ Hack noch Freitagabend wissen.

Das seien starke Worte und die Meinung Hacks sagte Löbach dazu lediglich, wollte dessen Äußerungen aber nicht kommentieren. Eine Entwertung der Galerie auf Zeit sah Löbach in der Aufstellung des Toilettenwagens nicht, den geänderten Standort hatte er letztlich akzeptiert. Denn der Blick auf die Ausstellungsräume war wieder frei.

Gar nicht erfreut zeigte er sich über die Tatsache, dass seine wochenlangen Vorbereitungen umsonst waren und er alles und jedem am Öffnungstag absagen musste. Denn Hack war für ein klärendes Gespräch, das vielleicht zu einem Sinneswandel geführt hätte, nicht mehr zu erreichen. Wann die Galerie eröffnet wird, war am Samstag ungewiss.

"Ich muss das erst einmal verdauen und dann nehme ich einen neuen Anlauf", gab Löbach sich bereits am späten Samstagabend wieder optimistisch. Fest stand da aber schon, dass Hermann Josef Hack dann nicht dabei sein wird. Seine Aktion will er im Oktober in Dresden durchführen.

Nach einer Nacht des Überdenkens hatte Löbach seinen Frust überstanden, ging in die Stadt, schloss am Sonntagmittag die Galerie auf und begrüßte die ersten Interessenten.

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