Kommunalradkongress in Siegburg Pläne für künftige Fahrradstadt

SIEGBURG · Die stellvertretende Bürgermeisterin von Siegburg, Susanne Haase-Mühlbauer, hat neun Fahrräder zu Hause stehen.

Jedes ihrer fünf Kinder besitzt ein Rad, dazu kommen die zwei Räder der Eltern und zwei Mountainbikes. Damit liegt die Familie im Trend: 71 Millionen Fahrräder nennen die Deutschen ihr Eigen, dem gegenüber stehen 43 Millionen Autos.

Trotzdem berücksichtigt die deutsche Verkehrspolitik, vor allem der Straßenbau, hauptsächlich den motorisierten Verkehr. Um das zu ändern, veranstaltete der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) in der Rhein-Sieg-Halle in Siegburg zum ersten Mal den Deutschen Kommunalradkongress unter dem Titel "StadtRad, LandRad, GemeindeRad".

Rund 150 Vertreter aus Städten, Landkreisen sowie Gemeinden und Fahrradverbänden nahmen daran teil und tauschten sich in Diskussionsrunden und Fachforen über ihre Erfahrungen mit der Förderung von Fahrradkonzepten und Verkehrssicherheit aus.

So konnten Haase-Mühlbauer und die Siegburger Fahrradbeauftragte Elisabeth Hertel die Bestrebungen der Stadt Siegburg im Bezug auf die Fahrradfreundlichkeit vorstellen. "Wir haben schon in den 90er Jahren angefangen, Einbahnstraßen mit gegenläufigem Fahrradverkehr einzurichten", sagt Haase-Mühlbauer.

"Wir haben den neuen Radweg über die alte Bahntrasse, eine Schülerradstraße, fünf Ladestationen für E-Bikes im Siegburger Stadtgebiet und circa 550 überdachte Stellplätze für Räder am Bahnhof." Vor allem der ICE-Bahnhof sei ein Knotenpunkt für "Bike&Ride", der Verbindung von öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Rad.

Dieses Konzept kennt und befürwortet auch Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes. "Ich wohne in Bonn und komme daher oft mit dem ICE in Siegburg an", erzählt er. Auf der Strecke über Sankt Augustin nach Bonn bemerke er jedoch auch den schlechten Zustand der Radwege.

Wurzeln kämen durch den Asphalt, und Laternen stünden plötzlich im Weg, andere Radwege endeten abrupt. "Wir benötigen Radschnellwege und vor allem ein Umdenken", fordert Landsberg. Das Auto sei schon lange nicht mehr das Statussymbol Nummer eins, sparen und trotzdem flexibel sein - das böten das traditionelle Rad oder E-Bikes und auch Miet- und Mitfahrmodelle bei der Autonutzung.

Bei E-Bikes gibt es derzeit einen Zuwachs von rund 400.000 Rädern pro Jahr und damit auch neue Zielgruppen, die das Rad für sich entdecken. Aber dafür müsse eine vernünftige Infrastruktur auch für den Radverkehr geschaffen werden, so Landsberg.

In Zeiten von leeren Kassen ist das eine schwierige Aufgabe, weiß Timm Fuchs, Beigeordneter des DStGB. "Es gibt für die nächsten 15 Jahre einen Investitionsstau von 7,2 Milliarden Euro pro Jahr. Der Bund sieht jedoch nur 5 Milliarden Euro für Investitionen vor." Davon fließe das meiste in Bundesstraßen. Gerd Landsberg fordert daher die Einführung einer flächendeckenden Lkw-Maut.

Bis dahin hoffen alle Teilnehmer, dass mit einem stärkeren Fahrradaufkommen auch die Politik die Chancen erkennt: Angefangen vom Fahrradtourismus, über die Belebung des Einzelhandels bis hin zum Standortvorteil gegenüber anderen Städten und Gemeinden. Der Weg zu diesem Ziel ist lang und, wie viele Radwege der Region, voller Hindernisse. Um diese aus dem Weg zu räumen, soll der Kommunalradkongress nun alle zwei Jahre stattfinden.