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Aggressivität im Straßenverkehr: Rasen, Drängeln und Pöbeln nehmen zu

Aggressivität im Straßenverkehr : Rasen, Drängeln und Pöbeln nehmen zu

Aggressives Verhalten im Straßenverkehr ist schwer messbar. Die Kreispolizeibehörde und die Autobahnpolizei registrieren dennoch einen leichten Anstieg von Nötigung, Beleidigung oder gefährlichem Eingriff im Verkehr.

Die weiße Limousine kam auf der A 59 mit einer Geschwindigkeit angerast, dass die 58-jährige Sankt Augustinerin ihn erst sah, als er ihr praktisch auf der Stoßstange hing und mit der Lichthupe signalisierte, sie möge ihm doch mal Platz machen. Auf der Hanftalstraße: Die Polizei verfolgt einen wegen verschiedener Verkehrsdelikte polizeibekannten 20-Jährigen, der mit seinem aufgemotzten BMW in Hennef über die Landstraße jagt, andere Autofahrer bedrängt und in gefährlicher Weise überholt. Rasen, Drängeln, Pöbeln gehören praktisch zum Alltag, und in Zeiten der Pandemie registriert die Polizei einen leichten Anstieg von Aggression im Straßenverkehr.

„Aggression im Straßenverkehr ist kein feststehender Begriff im polizeilichen Protokoll. Das sind alles Fälle, die wir unter Nötigung, Beleidigung oder gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr zusammenfassen“, sagt Stefan Birk, Sprecher der Kreispolizeibehörde auf Anfrage. So weist auch der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) darauf hin, dass aggressives Verhalten subjektiv unterschiedlich empfunden werde. Aus diesem Grund sei es schwierig, aggressives Verhalten zu messen oder in der Unfallstatistik abzubilden.

Wichtig ist früh dagegen vorzugehen

Nicht immer sei beispielsweise eine überhöhte Geschwindigkeit auf Aggressionen zurückzuführen. Dennoch gibt es Verhaltensweisen, die man als aggressiv einstufen kann. Dazu zählten beispielsweise lautes Pöbeln, Drängeln oder auch die Lichthupe. „All diese Verhaltensweisen erhöhen das Unfallrisiko, gefährden uns selbst und andere. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig gegenzusteuern“, heißt es.

Das gerade vorgestellte Verkehrssicherheitsprogramm der Bundesregierung, das von 2021 bis 2030 gilt, stellt auch fest, dass die kontinuierlich erhobenen Daten der amtlichen Straßenverkehrsunfallstatistik bei komplexeren Fragestellungen wie etwa den Einfluss von aggressivem Verhalten an ihre Grenzen stoßen. Das soll aber zukünftig bei der Unfalldatenerhebung mehr Rücksicht finden, heißt es in dem Papier.

Illegale Autorennen nehmen zu

Nach Auswertung der ersten fünf Monate dieses Jahres stellt Birk einen leichten Anstieg um zehn Prozent im Rhein-Sieg-Kreis fest. Auffällig seien da insbesondere illegale Autorennen, wobei darunter nicht nur jene fallen, an denen mehrere Autofahrer beteiligt sind, sondern auch einzelne Autofahrer, die mal ordentlich Gas geben, wo es nicht erlaubt ist.

Das bestätigt auch ein Sprecher der Autobahnpolizei Sankt Augustin. „Wenn auch nicht signifikant, so registrieren wir aber vermehrt Anzeigen wegen Nötigung und beobachten selbst, dass immer mehr Fahrer aggressiv über die Autobahn fahren, links und rechts überholen oder, bei zunehmend freier Strecke, einfach mal alles rausholen, was die Karre hergibt“, so der Beamte.

Dennoch habe die Kreispolizeibehörde während der Pandemie auf sogenannte Großkontrollen verzichtet, sagte Birk. „Das wäre in Zeiten, wo Menschen ihre Eltern und Großeltern aufgrund von Hygiene- und Abstandsregelungen nicht besuchen dürfen, einfach nicht darstellbar.“