Evangelische Kirche an Rhein und Sieg Kreissynode gestaltet neue Formate für die „Kirche der Zukunft“

Rhein-Sieg-Kreis · Mit dem „Lebensraum Kirche“ im Sankt Augustiner Einkaufszentrum Huma geht die Kirche seit ein paar Jahren neue Wege. Mit den Erprobungsräumen und ihrer Chance für die Zukunft der Kirche befasst sich am Samstag die Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises an Sieg und Rhein.

 Superintendentin Almut van Niekerk berichtet im Vorfeld der Kreissynode über wichtige Themen, die im EKASUR anstehen.

Superintendentin Almut van Niekerk berichtet im Vorfeld der Kreissynode über wichtige Themen, die im EKASUR anstehen.

Foto: Nadine Quadt

Almut van Niekerk möchte Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises an Sieg und Rhein bleiben. Nach acht Jahren stehen im Herbst Neuwahlen an, dann allerdings unter einem neuen Vorzeichen: „Die Kreissynode hat sich dazu entschieden, das Amt des Superintendenten an die Realitäten anzupassen“, erklärt van Niekerk. Aus dem Neben- soll ein Hauptamt werden. „Für meine Gemeindepfarrstelle in Sankt Augustin habe ich eine 100-prozentige Entlastung“, sagt sie. Es gebe aber Zeiten, in denen sie trotzdem parallel als Gemeindepfarrerin und als Superintendentin arbeite. Deswegen wird die Superintendentur nun deutschlandweit als hauptamtliche Stelle ausgeschrieben. Mit der Amtsinhaberin steht die erste Bewerberin schon fest.

Vor den Neuwahlen während der Herbstsynode steht zunächst die konstituierende Sitzung des Gremiums am kommenden Samstag an. Nach den Presbyteriumswahlen im Februar kommen die Delegierten aus den Kirchengemeinden und Einrichtungen im Rechtsrheinischen erstmals in neuer Besetzung zusammen. „Wir beschäftigen uns mit neuen Ideen für die Gemeindeentwicklung und die Entwicklung kirchlichen Lebens insgesamt“, gibt van Niekerk einen Ausblick. Anregungen erhofft sich das Gremium dabei von Jonas Einck, Leiter der „Erprobungsräume“ in der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Einen solchen Erprobungsraum, also einen Ort für Kirche außerhalb des Kirchengebäudes, gibt es im Kirchenkreis schon in Sankt Augustin: den ökumenischen „Lebensraum Kirche“ in der Huma. In einem Einkaufszentrum komme man anders mit den Menschen ins Gespräch, berichtet van Niekerk: „Es ist unverbindlich, ungeplant und auch anonym, aber ich habe selten so intensive Gespräche geführt wie dort.“ Eine Erfahrung, die auch der Niederkasseler Pfarrer Jens Römmer-Collmann macht, der seit der Corona-Pandemie regelmäßig aus seiner Kirche raus geht und im Niederkasseler Zentrum für jeden, der einen Gesprächspartner braucht, bereit steht.

Ein anderer Weg in die Zukunft von Kirche seien neue Formate. Die Superintendentin denkt dabei etwa an das Tauffest, zu dem der Kirchenkreis gemeinsam mit seinen beiden Nachbarkreisen Bonn und Bad Godesberg-Voreifel für Samstag, 29. Juni, in die Rheinaue einlädt. „Die Resonanz ist groß“, sagt sie mit Blick auf 245 Anmeldungen und positive Rückmeldungen. Das sei eine sehr ermutigende Aktion. Gleiches erhofft sie sich von dem Liederfest „Das große Wir“, das sie anlässlich des Jubiläums 500 Jahre evangelisches Gesangbuch initiiert hat: Auf Workshops in Troisdorfer Gemeindehäusern folgt am 5. Oktober ein abschließendes großes Mitmachkonzert. „Das Gesangbuch ist für mich eine Form der Gleichberechtigung“, sagt die Superintendentin. Mit ihm war es nicht länger allein den Geistlichen vorbehalten zu singen.

Kirche bezieht Stellung

Schon jetzt werde die „Kirche der Zukunft“ in verschiedenen Formaten im Kirchenkreis gelebt, etwa mit Segensfeiern für Menschen im Übergang zum Ruhestand, für werdende Eltern oder für Singles. „Wir sind da – bei wichtigen lebens-zyklischen Ereignissen“, sagt sie. Deswegen gehe sie inzwischen auch auf Hochzeitsmessen. „Wir ändern insgesamt unsere Haltung und stellen uns anders ein“, sagt sie.

Als Kirche bei relevanten Themen klar Stellung zu beziehen ist Almut van Niekerk wichtig. Deswegen biete der Kirchenkreis über seine Erwachsenenbildung etwa Antirassismus-Workshops an. „Und genau deswegen waren bei den vielen Demos für Demokratie und Vielfalt in diesem Jahr auch Kirchengemeinden mit aktiv“, sagt sie. Sie selbst habe für ihre Rede auf dem Siegburger Markt viel positive Resonanz bekommen. Als Gründungsmitglieds des Siegburger Bündnisses für Demokratie und Gerechtigkeit wolle sie auch weiterhin aktiv Haltung gegen Rassismus und Rechtsextremismus zeigen.

Die Kreissynode tagt am Samstag, 15. Juni, öffentlich in Windeck-Herchen. Sie beginnt um 9 Uhr mit einem Gottesdienst in der Evangelischen Kirche, Siegtalstraße 33. Anschließend beraten sich die Mitglieder im Bodelschwingh-Gymnasium.