Rio de Janeiro Robin C. Teders aus Sankt Augustin berichtet vom Weltjugendtag

RIO DE JANEIRO/SANKT AUGUSTIN · Robin C. Teders, Student an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Sankt Augustin, berichtet vom Weltjugendtag in Rio de Janeiro.

Der Weltjugendtag (WJT) in Rio de Janeiro ist offiziell eröffnet. Auftaktveranstaltung war eine heilige Messe mit dem Erzbischof von Rio, Orani Tempesta. Die Messe fand auf der extra aufgebauten Bühne an Rios weltberühmter Copacabana statt. Für mich ist der WJT in Rio der dritte, ich war schon in Köln und Sydney dabei. Es ist mit Worten kaum zu beschreiben, was bei einem Weltjugendtag so passiert.

Ich bin schon seit dem 14. Juli hier in Rio, und zuerst bemerkte man von den Vorbereitungen in der Stadt selbst nicht so viel. An der Copacabana wurde zwar Tag und Nacht an der Bühne gebaut, aber ansonsten ging in Rio alles seine normalen Wege. Doch nach ein paar Tagen merke man, dass sich etwas verändert. Zuerst reisten nach und nach die vielen zehntausend freiwilligen Helfer an, die sich gemeldet haben, um den WJT ehrenamtlich zu unterstützen. Auch sie hatten eine Eröffnungsmesse in der Kathedrale von Rio, die architektonisch den Maja-Pyramiden nachempfunden ist.

Schon hier merke man viel von der Stimmung, die die Jugend der Welt mitbringt. Es wurde gesungen, getanzt, gemeinsam gebetet und gefeiert, Fahnen wurden geschwenkt. Am Wochenende dann füllten sich die Straßen mit Pilgern aus aller Welt. Von Honolulu bis Hongkong, von Norwegen bis Südafrika sind die Jugendlichen angereist. Auch hohe Kosten und Anreisen von bis zu vier Tagen halten sie nicht davon ab, nach Rio zu kommen, um andere Jugendliche zu treffen und den Glauben zu erleben.

Fragt man die jungen Leute - und man kommt schnell, fast automatisch mit anderen ins Gespräch - sagen sie meistens das, was auch mich bewegt, zum Weltjugendtag zu fahren: Den Glauben leben, mit anderen, mit jungen Menschen, zu sehen, dass man mit dem Glauben an Gott nicht alleine ist, sondern das sich viele wie ich auf den Weg machen.

Hier in Brasilien ist es zurzeit Winter, das heißt jedoch normalerweise 25 Grad und Sonnenschein. Pünktlich zur Eröffnungsmesse aber fielen die Temperaturen auf 15 Grad und es regnete die ganze Zeit. Doch auch das kann die Pilger nicht aufhalten. Sie feiern, sie tanzen, auch wenn es kalt und nass ist, und sich der sonst weiße Strand in eine große Schlammpfütze verwandelt hat. Ich habe Glück mit der Unterkunft gehabt, denn mit meinem Bruder und einem Freund haben wir die Fahrt privat organisiert und uns ein Apartment in der Nähe der Copacabana gemietet.

Die Pilger wohnen zum Teil sehr weit außerhalb und haben, durch den ohnehin schon chaotischen Verkehr in Rio, mit Bus und Taxi Fahrzeiten von einer bis zu drei Stunden. Wenn man aber glaubt, das könnte die Stimmung trüben, liegt man falsch, im Gegenteil. Auch die langen Fahrt- und Wartezeiten werden zum Singen oder für Gespräche genutzt.

Besonders beeindruckend sind die Gespräche mit Pilgern, die in Gastfamilien untergebracht sind. Die Brasilianer sind sehr herzliche und offene Gastgeber und scheinen ihre Bemühungen zum Weltjugendtag noch einmal verdoppelt zu haben. Auch wenn man sich mit Leuten aus Rio unterhält, sind diese ungefähr genauso froh und glücklich wie die Pilger. Als die Eröffnungsmesse schließlich losging, war die Copacabana ein einziges Menschen- und Flaggenmeer. Von Kälte oder Regen nichts zu spüren.

Nach dem fulminanten Start sind jetzt die ersten Tage etwas ruhiger. Die Pilger sind nach Bistümern, oder größeren Gruppen aufgeteilt und in den verschiedenen Kirchen von Rio hören sie Katechesen von Bischöfen, tauschen sich über ihren Glauben aus und feiern gemeinsam die Messe.

Von den Gemeinden wird ein Frühstück organisiert, für das Mittag- und Abendessen gibt es Gutscheine, die überall in der Stadt eingelöst werden können. Neben den Katechesen gibt es auch viel freie Zeit, in der man Kontakte knüpfen oder sich eine Sehenswürdigkeit anschauen kann. Nebenher sind an verschiedenen Plätzen der Stadt Workshops, Konzerte, Gebete und Begegnung.

Es ist wirklich tief bewegend, wie sich so viele junge Menschen treffen, Kontakte knüpfen, die über die sozialen Medien oft auch lange halten, wie sie gemeinsam feiern und ihren Glauben teilen. So etwas wie Sprachbarrieren gibt es auf Weltjugendtagen nicht, man redet mit Händen und Füßen und bisher haben sich noch immer alle verstanden.

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