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Investitionen in die Siegburger Schullandschaft: Sanierungskosten für das Schulzentrum Neuenhof steigen

Investitionen in die Siegburger Schullandschaft : Sanierungskosten für das Schulzentrum Neuenhof steigen

Die gestiegenen Baupreise wirken sich extrem auf schon lange geplante Siegburger Projekte aus: Bei der Erweiterung und Sanierung des Schulzentrums Neuenhofs und beim Neubau einer Turnhalle füs Gymnasium Alleestraße steigen die Kosten in Millionenhöhe.

Die Corona-Pandemie lässt aktuell die Baukosten steigen. Das bekommt auch die Stadt Siegburg derzeit zu spüren. Ob Sanierung oder Neubau spielt dabei keine Rolle. Denn sowohl beim lange geplanten Bau einer neuen Doppelturnhalle für das Gymnasium Alleestraße als auch bei der Erweiterung und Sanierung des Schulzentrums Neuenhof sind die Kosten im Vergleich zur letzten Schätzung im März gestiegen: Auf rund zwölf Millionen Euro bei der Sporthalle und auf rund 77 Millionen Euro beim Schulzentrum. Diese Zahlen präsentierten die jeweiligen Projektsteuerer der Politik unlängst im Bau- und Sanierungsausschuss.

Dass beide Projekte unverzichtbar sind, darüber besteht kein Zweifel. Die Planungen laufen schon seit Jahren und gehen gerade in die konkrete Phase. Gleichwohl zeigte sich die Politik angesichts der neuen Zahlen schockiert und beauftragte die Verwaltung in beiden Fällen damit, zu überprüfen, wo gespart werden könnte. Mögliche Einsparpotentiale sollen zeitnah in einer Sondersitzung des Gremiums diskutiert werden.

Kostensteigerungen betreffen alle Projekte

„Wir haben in allen unseren Projekten erhebliche Kostensteigerungen“, sagt Siegburgs Technische Beigeordnete Barbara Guckelsberger auf Nachfrage. Das liege zum einen an der aktuell extrem hohen Baukostensteigerung, aber auch an der Weiterentwicklung der jeweiligen Projekte und einem Fortschreiten in der Planung. Dem stehen indes auch Fördermittel in Millionenhöhe gegenüber, wie der Ausschussvorsitzende Dieter Thiel (Grüne) hervorhob. Die Bauvorhaben erfüllten die Kriterien der Bundesförderung für effiziente Gebäude – Anfang des Jahres hatte die Mehrheitskoalition aus SPD, Grünen und FDP einen höheren Anspruch an die Energieeffizienz städtische Gebäude beschlossen. Das bedeutet laut Thiel: „15 bis 17 Millionen Euro an Fördermitteln für das Schulzentrum und 1,5 bis zwei Millionen Euro für die Turnhalle an der Alleestraße.“

Für die neue Doppelturnhalle an der Alleestraße liegt inzwischen das Baugrundgutachten vor. Um in den übereinander liegenden Hallen jeweils eine für Ballsport geeignete Deckenhöhe zu erreichen, dafür aber nicht die durch den Denkmalschutz vorgegebene maximale Höhe zu überschreiten, muss das Gebäude um ein halbes Geschoss in den Boden eingelassen werden. „Es war nicht zu erwarten, dass das Grundwasser auf der anderen Seite des Mühlengrabens so hoch steht“, sagt Guckelsberger. Dadurch müsse die Baugrube stärker als ursprünglich geplant abgesichert werden – das lässt die Baukosten steigen. Wie auch eine Optimierung der Flächen und die Verlegung der zweiten Feuertreppe an die Außenwand. Im März schätzte Projektsteuerer Nicolas Reinhard die Kosten noch auf rund 8,7 Millionen Euro, inzwischen spricht er von rund 12 Millionen Euro.

Viel Möglichkeiten, Kosten zu sparen, sieht Barbara Guckelsberger allerdings nicht. „Man könnte die Hallenhöhe reduzieren, dann wären die Hallen aber nicht mehr ballspieltauglich“, zeigt sie auf, welche Konsequenzen Einsparungen haben könnten. Im kommenden April soll der Abriss der alten und der Neubau der neuen Hallen beginnen, das sind fünf Monate später als ursprünglich geplant. Damit schiebt sich auch die Fertigstellung nach hinten: Statt Anfang haben die Planer nun September 2023 im Visier.

Wenig Spielraum sieht Guckelsberger auch beim Schulzentrum Neuenhof. Wie berichtet wird der 1973 errichtete Schulkomplex, in dem aktuell die Alexander-von-Humbold-Realschule und die Gesamtschule sitzen, saniert und um einen Anbau erweitert. In dem Zusammenhang soll auch Raum für den Verein Theaterschatz geschaffen werden, der mit Schauspielschule, Studiobühne und Kinder und Jugendtheater Tollhaus aktuell im VHS-Studienhaus untergebracht ist. Im März schätzten die Planer die Gesamtkosten auf rund 61,3 Millionen Euro, inzwischen sind sie bei 77,6 Millionen Euro angelangt.

Schon jetzt sind Klassen in Containern untergebracht

„An Flächen für die Schulen kann nicht gespart werden“, sagt Barbara Guckelsberger. Schon seit dem vergangenen Sommer begegnet die Stadt der akuten Raumnot auf dem Campus mit einem Container mit insgesamt neun Klassenräumen. Die Erweiterung wie auch die Sanierung des Gebäudekomplexes sei alternativlos, hält die Technische Beigeordnete fest. Die Verwaltung werde nun prüfen, ob sich an anderer Stelle Kosten reduzieren ließen.  Etwa, indem die Sanierung der Sporthalle wie auch deren Erweiterung um eine vierte Halle nach hinten geschoben werden. Oder auch mit Blick auf die Mensa oder auch die Räume für den Theaterschatz.

Wie berichtet, soll die Schule zunächst um einen Neubau erweitert und der alte Gebäudebestand dann in einem Schritt saniert werden. Deswegen müssen während der Arbeiten alle Schüler und Lehrer aus dem Gebäude ausziehen und auf Containerklassen ausweichen. Die Planung für diese sogenannten Mobilraumanlagen wird aktuell vergeben, sagt Guckelsberger. Schon Anfang 2022 sollen sie dann auf dem Schulgelände stehen. Zunächst als Ausweichquartier für die sonst im VHS-Studienhaus untergebrachte Musikschule, Volkshochschule und Studiobühne – für die Zeit der Brandschutzsanierung im Gebäude an der Humperdinckstraße.

„Nach den Sommerferien 2022 zieht dann die Verwaltung der beiden Schulen am Neuenhof dort ein“, erklärt Guckelsberger. Denn mit dem Abriss des Verwaltungstraktes beginnen dann die Arbeiten auf dem Bildungscampus. An seiner Stelle entsteht der Neubau. Bis dann alle Arbeiten auf dem Gelände abgeschlossen sind, ist es noch ein weiter Weg. Stand jetzt soll das Schulzentrum Mitte 2026 erweitert und saniert sein.