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Früher ging's auch anders: Schick mal 'ne Mail

Früher ging's auch anders : Schick mal 'ne Mail

Es ist noch gar nicht so lange her, dass Menschen sich Briefe schrieben, per Hand, mit Füller und auf Papier. Später dann mit der Schreibmaschine, und seit jüngstem wird gesimst, gewhatst oder gemailt.

Da sind neue Tätigkeitswörter entstanden. Jugendliche - und sogar viele Erwachsene - sieht man allenthalben beim Dauertippen, so, als könnten sie gar nicht mehr miteinander sprechen.

Nun, das mag ja für viele in Ordnung sein, ein Zeichen der Zeit, des Fortschritts oder ähnliches. Indes scheint die Tipperei oder Mailerei auch das Mitdenken oder Mitarbeiten in gewisser Weise einzuschränken. Und zwar so: Ich rufe jemanden an, weil ich etwas wissen möchte oder sonst eine Hilfe suche.

Der Gesprächspartner hört scheinbar interessiert zu, der ganze Sermon dauert einige Minuten, und dann kommt es wie ein Gewitter an einem Sonnentag: "Schicken Sie mir mal 'ne Mail." Minutenlanges Schildern des Problems und dann das. Die Mail hätte ich ja - sofern nötig - auch sofort schicken können. So wirkt es, als wolle der Ansprechpartner Zeit schinden, sich keine Gedanken machen wollen oder einfach nicht belästigt werden.

Früher ging das anders. Der Gesprächspartner machte sich Notizen, sagte eine Klärung und einen Rückruf zu, und dann war die Sache irgendwann erledigt. Das ist selten geworden. Wozu soll jemand zuhören, sich schon vorab einige Gedanken machen und dem Anrufer etwas Zeit gönnen? Wäre doch in einer Servicegesellschaft, wo das Wörtchen "gerne" tagtäglich millionenfach missbraucht wird, eine schöne Sache.