Kreis-CDU nominiert Spitzenkandidat für Kommunalwahl Sebastian Schuster will bis 2030 Landrat des Rhein-Sieg-Kreises bleiben

Rhein-Sieg-Kreis · Nun ist es offiziell: Die CDU Rhein-Sieg geht 2025 mit Sebastian Schuster als Spitzenkandidat in die Kommunalwahlen 2025. Der 68-jährige Landrat will den Posten noch bis 2030 behalten. Warum er zum dritten Mal kandidiert.

Das Kreishaus im Hintergrund: Sebastian Schuster (Mitte) will wieder für das Amt des Landrats kandidieren. Der CDU Kreisvorstand hat ihn einstimmig als Spitzenkandidat nominiert.

Das Kreishaus im Hintergrund: Sebastian Schuster (Mitte) will wieder für das Amt des Landrats kandidieren. Der CDU Kreisvorstand hat ihn einstimmig als Spitzenkandidat nominiert.

Foto: Dylan Cem Akalin

Sebastian Schuster wird bei der Kommunalwahl 2025 erneut für das Amt des Landrats kandidieren. Der CDU-Kreisvorstand hat den 68-Jährigen einstimmig zum Spitzenkandidaten gewählt, im November muss indes noch die Parteibasis der Nominierung zustimmen.

Sie sind alle ins Kranz Parkhotel in Siegburg gekommen. Beide im Rhein-Sieg-Kreis direkt gewählte CDU-Bundestagsabgeordnete (Norbert Röttgen und Elisabeth Winkelmeier-Becker), die fünf Landtagsabgeordneten (Björn Franken, Jonathan Grunwald, Oliver Krauß, Katharina Gebauer und Sascha Lienesch) und etliche Kreisvorstandsmitglieder. Es gilt offenbar Einigkeit und Unterstützung für Sebastian Schusters dritte Kandidatur zu demonstrieren. Der hatte im Januar im GA-Interview noch klargestellt: „Mir wird es nicht langweilig, und ich bin auch nicht amtsmüde.“ Seit Samstagmittag ist es also offiziell: Schuster tritt erneut an und will bis 2030 Landrat bleiben.

Oliver Krauß lobt Sebastian Schuster

Neun Minuten dauert die Lobrede des CDU-Kreisvorsitzenden Oliver Krauß. Seine Botschaft und Begründung für die Entscheidung des CDU-Kreisvorstands: Es sei kein Signal eines Weiter-so, sondern eine Entscheidung für einen anerkannten Kommunalpolitiker und Chef einer Kreisverwaltung, der in schwierigen Zeiten voller Herausforderungen für Kontinuität, Erfahrung und Geschick stehe. Krauß: „Wir sind dankbar, dass Sebastian Schuster sich bereit erklärt hat und weiterhin für die im Kreis stehenden Aufgaben brennt. Er ist ein Landrat mit einer starken Persönlichkeit, der, wenn es nötig ist, auch uns Bundes- und Landespolitikern die Leviten liest und ungeschminkt auf die Probleme und die finanzielle Situation der Kommunen hinweist.“

Schuster selbst spricht 18 Minuten lang: über seine bisherige Arbeit, seine Motivation und Ziele. Als Vater von drei Kindern und Großvater zweier Enkel wolle er in den kommenden Jahren insbesondere die Themen Klima und Bevölkerungsschutz vorantreiben, sagt er. „Luft nach oben“ gebe es nach wie vor bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltungen, auch wenn der Kreis da in den vergangenen Jahren einiges auf den Weg gebracht habe. Aber während der Registrierung der vielen Flüchtlinge aus der Ukraine sei doch wieder offenbar geworden, wie sehr Deutschland im internationalen Vergleich hinterherhinke. Der Einsatz von KI (Künstlicher Intelligenz) werde zurzeit im Kreishaus geprüft.

Bilanz des Landrats

Mehr Frauen in Führungspositionen, das habe er in der Kreisverwaltung schon möglich gemacht, lobt er sich. Aufgrund der steigenden Aufgaben sei das Personal in der Kreisverwaltung um 300 auf jetzt rund 1700 angewachsen. Beim Breitbandausbau sei man auch sehr weit vorangekommen, immerhin seien 95 Prozent der Haushalte im Rhein-Sieg-Kreis ans Breitbandnetz angeschlossen. Bei der Glasfaser gebe es aber noch erheblichen Nachholbedarf. Auch auf die schwierige finanzielle Lage der Kommunen und die Probleme rund um die neue Grundsteuererhebung ging der Landrat ein. Dabei erinnerte er natürlich daran, dass der Rhein-Sieg-Kreis die niedrigste Umlage im Regierungsbezirk Köln erhebe und die Rückzahlungen der Landschaftsverbandsumlage komplett an die 19 Kommunen des Kreises weitergeleitet habe.

Die Klimaneutralität strebe er für den Kreis an, sagte Schuster. Man wolle Photovoltaik und Windenergie forcieren und Hitzepläne aufstellen. Auf den Weg gebracht sei immerhin ein Starkregenmanagement, das Anfang 2025 vorgestellt werden soll. Herzensangelegenheiten seien ihm auch die Förderung der Feuerwehren sowie die Berufskollegs und Förderschulen des Kreises. Aber auch das Kommunale Integrationszentrum will er weiter fördern.

Warum er sich das alles mit Ende 60 noch mal „antue“? Schuster: „In Zeiten, wo immer häufiger von der Verlängerung der Lebensarbeitszeit geredet wird, bin ich gerne bereit, meine Erfahrung und Kenntnisse einzubringen.“ Doch was sind aus seiner Sicht die größten Herausforderungen und Probleme, die er auf den Kreis zukommen sieht? „Die größten Probleme sehe ich in der Erhaltung des sozialen Friedens“, sagt Schuster ohne Zögern. „Der gesellschaftliche Zusammenhalt, den gilt es weiter zu fördern.“ Außerdem werde es immer schwieriger, die unterschiedlichen Interessen der 19 Kommunen des Rhein-Sieg-Kreises zusammenzubringen. „Ich sehe es als meine Aufgabe, als Aufgabe eines Landrats, diese Kommunen zusammenzuhalten und zu moderieren.“

Torsten Bieber, CDU-Fraktionsvorsitzender im Kreistag, nickt. „Für die vielen vor uns stehenden Aufgaben brauchen wir erfahrene Kommunalpolitiker“, sagt er und antwortet auf die letzte Frage nach der Absprache mit dem grünen Koalitionspartner. „Wir arbeiten mittlerweile seit 25 Jahren sehr gut und vertrauensvoll mit den Grünen im Kreistag zusammen. Wir haben mit unseren Partnern natürlich im Vorfeld ein offenes und gutes Gespräch über unseren Spitzenkandidaten gehabt.“ Ob die Grünen indes Schuster unterstützen oder einen eigenen Kandidaten als Landrat stellen, ist noch lange nicht entschieden.

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